AZ-Interview zum Abstiegskampf Dritte Liga: Haching-Coach Claus Schromm - Sein Rat an den TSV 1860

Mit jeder Faser dabei: Claus Schromm, Trainer des abstiegsbedrohten Drittligisten SpVgg Unterhaching. Foto: Kunz/Augenklick

Der Haching-Trainer spricht im AZ-Interview über das entscheidende Spiel gegen Lotte, den Druck im Abstiegskampf und Nachbar TSV 1860.

 

München - Claus Schromm (50) trainiert seit 2015 die SpVgg Unterhaching.

AZ: Herr Schromm, Haching hat aus den letzten zehn Spielen nur drei Punkte geholt. Der Vorsprung auf die Abstiegsränge beträgt zwei Zähler. Wie ist die Stimmung rund um den Sportpark?
CLAUS SCHROMM: Wir sind immer zuversichtlich. Woche für Woche war in den Spielen mehr drin. Wir kommen stets gut ins Spiel, sind in der ersten Halbzeit dominant, machen aber die Großchancen nicht rein. Aber: Wenn ich mit meinem Kapitän Seppi Welzmüller rede, sagt er: "Wir sind geil drauf und packen diesen Gegner jetzt." Die Vorfreude der Jungs ist spürbar.

Wie halten Sie Ihre Spieler angesichts dieser Negativserie denn "geil"?
Das machen wir gemeinsam – Trainerteam, Präsident und die Mannschaft. Meistens gilt es auch, die Mannschaft nach ordentlichen Spielen zu bestärken. In Karlsruhe etwa haben wir zwar 0:4 verloren, anfangs aber gut gespielt. In der 35. Minute hatten die KSC-Fans schon gepfiffen. Da muss man die Jungs schon wieder aufrichten.

Knallt es bei Haching auch mal in der Kabine? Wer wird laut?
Wahrscheinlich ich (schmunzelt). Oft gibt es nach dem Spiel eine Ansprache in der Kabine. Davor sprechen wir uns intern ab, wer was sagt. Und was die Botschaft sein soll. Oft macht das der Präsident (Vereinspräsident Manni Schwabl, d. Red.), mal Co-Trainer Steffen Galm, häufig ich. Ich werde den Präsidenten nach dem Aalen-Spiel (1:4, d. Red.) nicht vergessen. Das war heuer wahrscheinlich eines unserer schlechtesten Spiele. Da hat er sich vor die Mannschaft gestellt und gesagt: "Wir lassen uns nicht kaputt machen, was wir jahrelang aufgebaut haben." Der Zusammenhalt ist im ganzen Sportpark vom Keller bis in die Geschäftsstelle zu spüren.

Ergreifen Sie jetzt außergewöhnliche Maßnahmen?
Wir haben mit den Spielern gesprochen, ob sie in ein Kurztrainingslager fahren wollen. Ob sie das brauchen. Wir haben uns dagegen ausgesprochen. Am Freitagmorgen gab es ausnahmsweise mal vor einem Heimspiel ein gemeinsames Frühstück. Generell halte ich nichts davon, vor einem Spiel den gewohnten Ablauf zu verändern. Ich bin kein Freund von Aktionismus.

Claus Schromm und die Sache mit den 45 Punkten

Es steht viel auf dem Spiel.
Die Gefahr bei vier Absteigern ist, dass ein Team absteigen wird, das damit jetzt noch nicht rechnet. Die letzten fünf Wochen einer Saison sind immer verrückt. Man steigt aber nie am letzten Spieltag ab. Man steigt in der Summe der 38 Spieltage ab.

Klingt nach großer Überzeugung.
Das Ziel ist, dass wir am Samstagnachmittag hier feiern. Das Ziel war von Anfang an, dass wir drinbleiben. Selbst, als wir oben standen, habe ich gesagt: "Wir wollen erstmal die 45 Punkte holen!" Das hat jetzt leider länger gedauert als gedacht.

Und am Samstag wird Claus Schromm zum Feierbiest?
Mir ist egal, wer diesen Titel gewinnt. Die Leute, die Rot und Blau tragen, sollen was zu feiern haben – und nicht Lotte. Sie sind in einer größeren Drucksituation. Die hätten gerne unsere 42 Punkte.

Claus Schromm: "Wir wollen unser Ding rocken"

Anders gefragt: Sie spüren gar keine Last, wenn Sie mitten im Abstiegskampf an den Sportpark kommen?
Am schlimmsten ist es zu Hause, wenn du in der Früh aufwachst. Da grübelt man, überlegt, warum und weshalb. Am schönsten ist da die Arbeit mit der Mannschaft, welche Energie die Jungs auf den Platz bringen. Sie geben uns Trainern viel Kraft.

Neben Haching kämpft auch Nachbar Sechzig noch gegen den Abstieg – hätten Sie das für möglich gehalten?
Nein. Die Serien der Löwen und die von uns suchen ihresgleichen. Am liebsten wäre mir, wenn wir und der Löwe am Samstag den Klassenerhalt feiern könnten. Wenn sie Fortuna Köln schlagen, wäre das nicht verkehrt für uns. Aber: Sechzig ist für uns kein Thema. Wir wollen unser Ding rocken!

1860-Trainer Daniel Bierofka wirkt in dieser Drucksituation etwas dünnhäutig. Welchen Rat würden Sie ihm unter Trainerkollegen geben?
Es gibt ja nur eines: An die eigene Stärke glauben. Sie haben ein Heimspiel vor voller Hütte. Wir haben auch ein Heimspiel vor toller Kulisse. Da heißt es: Zwei Mal Heimsieg und Ende!

Lesen Sie hier: Bierofkas Appell - Zünden, siegen, feiern!

 

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