AZ-Interview zu "Der geilste Tag" Das würden Schweighöfer und Fitz vor ihrem Tod machen

Der Trip durch Afrika bringt sie an ihre Grenzen: Matthias Schweighöfer (l.) als Andi und Florian David Fitz (u. M) als Benno. Foto: Warner/dpa

Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer bereiten sich in der Tragikomödie „Der geilste Tag“ auf ihren Tod vor. Im AZ-Interview verraten sie, wie sie selbst ihre letzten Stunden verbringen würden. Und mit wem.

 

München - In ihrem ersten gemeinsamen Film beschäftigen sie sich nach dem Sinn ihres verbleibenden Lebens. So heißt es in „Der geilste Tag“ für Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer Tschüss, Münchner Hospiz und Hallo, Afrika! Die AZ hat die beiden deutschen Filmschauspieler in München getroffen.

AZ: Herr Fitz, in „Vincent will Meer“ spielen Sie einen Kranken und in „Hin und weg“ und jetzt in „Der geilste Tag“ einen Todkranken. Was reizt Sie am Thema Krankheit und Tod?

FITZ: Das Spannende ist der besondere Blick aufs Leben. Wenn ich jemanden spiele, der Tourette hat, oder jemanden, dessen Leben endet, ändert sich die Perspektive und es werden andere Fragen gestellt. Vor allem, wenn man nicht so päpstlich an das Thema herangeht, sondern ein bisschen fröhlicher und unkorrekter.

Würden Sie es lieber wissen, wenn Sie nur noch wenige Wochen zu leben hätten, oder würden Sie lieber überraschend sterben?

FITZ: Hm, das ist nicht so leicht zu sagen. Wenn man es weiß, ist die Herausforderung, sich nicht zu sehr zu stressen, fast übermenschlich.

SCHWEIGHÖFER: Aber immerhin kann man sich dann verabschieden. Ich würde meinen Kindern schon Tschüss sagen wollen. Wenn ich kein Vater wäre, wäre mir das egal, weil ich für sonst niemanden Verantwortung trage.

FITZ: Wenn ich das Gefühl hätte, es gäbe noch etwas zu klären, hätte ich gerne Zeit. Egoistisch gedacht, würde ich es lieber nicht wissen wollen.

Wie sähe denn Ihr „geilster Tag“ aus?

SCHWEIGHÖFER: Mir würde es reichen, mit meinen lieben Menschen zusammen zu sein und es uns schön zu machen.

FITZ: Es geht mir weniger darum, was alles noch zu erleben ist, als wie man die Dinge aufnimmt, die einem entgegenkommen.

Im Film veröffentlichen Benno und Andi im Internet einen Blog über ihre Reise und machen scheinbar gut gelaunte Selfies, obwohl sie keine Lust haben. Ist das ein kritischer Blick auf die junge Social Media Generation, die vergessen hat, den Moment zu leben?

FITZ: Es ist einfach ein lustiges Phänomen. Früher gab’s das auch, da waren die Dias vom Urlaub schöner als der Urlaub selber. Heute ist es nur krasser pointiert. Man sieht und teilt das Bild halt gleich, das heißt, die Fiktion entsteht während man eigentlich noch da ist.

Herr Schweighöfer, Sie spielen Andi, der an einer Lungenfibrose leidet. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

SCHWEIGHÖFER: Ich habe mit einer Ärztin gesprochen, die versucht, diese Krankheit zu behandeln. Es wäre praktisch nicht möglich, solche Dinge zu tun, wie es Andi in seinem Krankheitsstadium erlebt.

FITZ: Man muss die Realität nicht eins zu eins bedienen, aber man muss es in der Realität des Filmes ernst nehmen.

Sie haben unter anderem in Afrika gedreht. Dabei leiden Sie an Flugangst, Herr Schweighöfer. Wie haben Sie den Flug dorthin überlebt?

SCHWEIGHÖFER: Ich habe mich vorher als Vorbereitung hypnotisieren lassen. Es hat mir für den Flug aber auch nicht wirklich geholfen. Ich hab immer noch Flugangst.

Wie haben Sie es denn dann geschafft?

SCHWEIGHÖFER: Das darf ich Ihnen leider nicht sagen.

Waren irgendwelche Drogen im Spiel?

SCHWEIGHÖFER: Das leider auch nicht.

Sie sind Schauspieler und Regisseur, bei „Der geilste Tag“ hat ihnen aber Herr Fitz als Regisseur Anweisungen gegeben. War das komisch?

SCHWEIGHÖFER: Nein, das war sehr schön. Er hat das sehr gut gemacht. Äußerst vorbildlich und tolerant. Er hatte eine Vision und der bin ich gefolgt. Wenn er keine gehabt hätte, hätten wir uns ganz schön in die Haare gekriegt.

War die Arbeitsatmosphäre bei den Dreharbeiten in Afrika anders in Deutschland?

SCHWEIGHÖFER: Wir hatten unser Haupt-Team mit dabei, aber die afrikanische Arbeitsmentalität ist eine andere als in Deutschland. Die gehen viel gelassener an Dinge ran, bei denen wir schon durchdrehen.

Im Film küssen Sie sich. Wie war das für Sie?

SCHWEIGHÖFER: Wirklich schön. Bestimmt sind jetzt viele Frauen ganz neidisch auf mich, weil sie sich gewünscht hätten, Florian einmal zu küssen.

FITZ: In der Szene ist es nun mal lebensrettend, aber es war doch nur ein Küsslein.

AZ-Kritik zu "Der geilste Tag"

Es gibt eine Menge kitschiger Kalendersprüche. „Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens“ zum Beispiel. In „Der geilste Tag“ verändert dieser Satz für Benno (Florian David Fitz) alles. Überraschend bekommt er eine Krebs-Diagnose. Überlebenschance? Keine. Im Münchner Hospiz lernt er Andi (Matthias Schweighöfer) kennen, der an einer Lungenfibrose leidet. Die Männer beschließen, ihr Lebensende – ohne auf finanzielle Ausgaben Rücksicht zu nehmen – abenteuerlich auf einem Trip durch Südafrika zu verbringen.

Florian David Fitz spielt in „Der geilste Tag“ nicht nur die Hauptfigur, er hat auch das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Nach dem Kinoerfolg „Hin und weg“ ist es nun der zweite Film des 41-Jährigen, in dem er sich auf das Sterben vorbereitet. Dem Thema gebührt laut Fitz mehr Offenheit: „Der Tod ist wie das Geborenwerden, Essen und Schlafen eine der natürlichsten Sachen der Welt.“ Er lockert die letzten Lebenstage der todkranken Hauptfiguren durch Action und Slapstick auf. Insgesamt ähnelt der Film allerdings den meisten Schweighöfer-Filmen: Übertrieben unrealistische Szenarios (Andi wird in der Wildnis von einer Löwin angepinkelt) gepaart mit schmalzigen Sprüchen („Es gibt den Tod nicht. Nur den Moment davor“). Neben der Unterhaltung und des eigentlich ernsten Themas fehlt der Tiefgang. Das mag Schweighöfers klamaukiger Art geschuldet sein, einen hysterischen Hypochonder zu spielen. Vielleicht liegt es auch daran, dass man nicht unbedingt in illegalen Aktionen die Erfüllung seines restlichen Lebens sehen muss. Zumindest kommt der Zuschauer nicht umhin, sich selbst zu fragen, wie man sein restliches Leben ohne spätere Reue gestalten möchte. Und zwar bevor man eine einschneidende Diagnose bekommt.

 

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