AZ-Interview zu den Löwen TSV 1860: Benny Lauth - "Sechzig wäre eine reizvolle Aufgabe"

Ikonen des TSV 1860: Ex-Stürmer Benny Lauth (Mi.) und Ex-Trainer Werner Lorant (re.), hier neben Markus Othmer vom BR. Foto: imago/MIS

Im Interview mit der AZ spricht Ex-Löwe Benny Lauth über ein mögliches Engagement beim TSV 1860. Und er tadelt die Sechzig-Bosse sowie Investor Hasan Ismaik.

 

München - 18 Jahre. Zwischen 1992 und 2004 sowie zwischen 2008 und 2014 spielte Benny Lauth für den TSV 1860, zuerst in der Bundesliga, später in der Zweiten Liga. Der heute 37-jährige Ex-Profi vom Schliersee gilt als steter Beobachter der Löwen.

Und so äußerte sich der Rekordtorschütze der Sechzger nun im AZ-Interview zur aktuelle Lage in Giesing.

AZ: Herr Lauth, stellen Sie sich vor, Sie hätten 100 Millionen auf der hohen Kante. Warum würden Sie in 1860 investieren und was würden Sie verändern?
BENJAMIN LAUTH: Puh, da gibt es viele Baustellen: Man müsste die Mannschaft und das Grünwalder Stadion zweitligatauglich machen. Vor allem die Jugend braucht eine Menge Geld. So ein Geldgeber müsste jedenfalls ein großes Löwenherz haben, sonst würde er sich das wohl nicht antun.

Benny Lauth: TSV 1860 zu gut für den Abstieg

Sie sind dem Verein jedenfalls immer verbunden geblieben. Wie schätzen Sie aktuell die Lage ein?
Aus sportlicher Sicht passt es: Daniel Bierofka ist schon so lange im Amt wie schon ewig kein Trainer mehr. Er hat 1860 nach dem Absturz aus der Regionalliga geführt und scheint jetzt schon vorzeitig den Klassenerhalt zu schaffen. Die Mannschaft ist zu gut für den Abstieg, aber für oben reicht es auch noch nicht ganz. Das ist für mich aber auch das einzig Zufriedenstellende: Leider passt es bei Sechzig momentan nur auf dem Platz.

Wie meinen Sie das?
Sagen Sie mir mal, in welchem Stadion sie spielen sollen? Das Nachwuchsleistungszentrum ist nicht mehr zeitgemäß: Es bräuchte weitere Plätze, neue Umkleiden. Wenn mir einer erklären will, dass die Jugend noch so gut ist wie früher, ist das Schwachsinn. Es sind ja kaum mehr hauptamtliche Jugendtrainer dort. Und die Streitereien zwischen den Bossen und Investor Ismaik blockieren den ganzen Verein. Was mich stört: Es gibt so viele Baustellen, aber keine Lösungen. Sechzig hat keinen Plan für die Zukunft – ich kann zumindest als Außenstehender keinen erkennen.

Benny Lauth: Nicht nur auf Daniel Bierofka hoffen

1860 hat nicht nur einen Plan, sondern gleich zwei, die sich widersprechen. Was bevorzugen Sie: Konsolidierungskurs oder Investitionskurs?
Das "Homecoming" ins Grünwalder war schön, vielleicht hat dieser Verein das auch gebraucht. Aber wenn 1860 jetzt fünf Jahre in der Dritten Liga herumkrebsen oder wieder absteigen würde, dann würde das auch keinen mehr interessieren. Es können nicht nur alle auf Bierofka hoffen und sagen: Er macht das schon. Er kann auch nur mit dem arbeiten, was man ihm zur Verfügung stellt. Es müssen Strukturen geschaffen werden, um das, was er aufgebaut hat, weiterzuführen. Und selbst, wenn 1860 aufsteigen würde: Dann hätte man immer noch kein Stadion und keine gute Jugend.

Ergo: Es braucht den eingangs genannten Geldgeber.
So viel Geld habe ich leider nicht (lacht). Leider ist das gar nicht so witzig, denn Sechzig ist immer noch so ein toller Verein, eine tolle Marke – also auch für Investoren oder Sponsoren interessant. Das Problem ist nur: Jetzt streiten sich zwei Gesellschafter. Wenn ein neuer Geldgeber kommt, streiten sie zu dritt! Jeder wird vorsichtig sein, da zu investieren, bevor man nicht eine gewisse Basis geschaffen hat.

Benny Lauth: TSV 1860  "für mich immer spannend"

Sie wurden schon öfter bei Sechzig gehandelt, auch in der Ära Bierofka. Was müsste passieren, dass Sie zu Sechzig zurückkehren?
Die Löwen haben immer mal wieder nachgefragt, wie es aussieht. Konkret ist es dabei aber nur ein Mal geworden: Es gab ein Gespräch mit Ian Ayre (Ex- Liverpool-Boss und ehemaliger 1860-Geschäftsführer, d. Red.), da hätte ich an seiner Seite agieren und von ihm lernen können. Das war sehr interessant – aber zwei Wochen später war er wieder weg und 1860 ist danach abgestiegen. Da hat sich auch wieder gezeigt, wie schnell man bei 1860 zwischen die Fronten geraten kann. Momentan ist nichts geplant, aber Sechzig wäre eine reizvolle Aufgabe und wird für mich immer spannend bleiben – weil jeder weiß, was es für ein toller Verein ist.

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