AZ-Interview Wolfgang Fierek: "Believe me, Oider!"

Harley-Liebhaber Wolfgang Fierek mit seiner Frau Djamila. Foto: Petra Schramek

Der Schauspieler Wolfgang Fierek führt Touristen durch die USA. Im Interview mit der AZ spricht er über Harleys, Duzen und sein Englisch.

 

München – Er ist ein bayerisches Original. Wolfgang Fierek, bekannt durch Erfolgsserien wie „Ein Bayer auf Rügen“ oder „Tierarzt Dr. Engel“ hat Zeit seines Lebens schon viel gemacht um Geld zu verdienen. Ob als Mechaniker, Kellner, Sänger oder Harley-Händler, der Mann ist wandlungsfähig. Sein neustes Baby: Er fährt als Touristenführer mit deutschen Reisegruppen, auf der Harley durch die USA. Wir sprachen mit dem Asphaltcowboy vor der Abreise zum ersten Trip über seine Freedom Tour:

AZ: Was sagt Ihre schrille Homepage über den Menschen Wolfgang Fierek aus?

WOLFGANG FIEREK: Dass er es gerne bunt mag und dass er kein Leisetreter ist. Das Leben ist trist genug, deswegen gestalte ich es mir gerne etwas farbiger. Mein Motto: Lieber heute als morgen!

Klingt sehr jugendlich! Und das ist gut so, denn ich weigere mich, mich meinem Alter entsprechend zu verhalten. Deswegen duzt Sie auch jeder.

Stimmt, Herr Fierek sagt höchstens mein Banker. Hat wohl damit zu tun, dass die Leute glauben, dass durchs Fernsehen eine gewisse Vertrautheit besteht. Und durch mein lockeres Auftreten sind da nicht die Barrieren wie bei manch anderen Kollegen, die etwas distanzierter unterwegs sind. Ich kann damit leben, obwohl ich mit zunehmendem Alter auch gerne etwas mehr Distanz habe.

Was verändert sich noch mit zunehmendem Alter?

Die Reihenfolge der Prämissen: Meine Frau Djamila, die Schauspielerei, Harley fahren, Freiheit. Früher hätte ich Freiheit an erster Stelle genannt. Aber durch Djamila habe ich gelernt, dass Freiheit und Partnerschaft sich nicht ausschließen müssen. Sie hat es menschlich verstanden, mich laufen zu lassen. Und ich bin keiner, der das ausnützt, sondern weiß ganz genau, wo die Grenzen sind, wenn man sich für die Ehe-Gemeinschaft entschieden hat.

Wie war das vor Djamila?

Ich habe nichts anbrennen lassen und mein Leben genossen. Ich war niemand Rechenschaft schuldig und habe mich dementsprechend verhalten, obwohl ich immer die Vision hatte, die Frau des Lebens zu finden. In Djamila habe ich die vor 21 Jahren gefunden. Mit ihr hat sich alles geändert. Mit ihr geht's nicht nur um Spaß und Sex, sondern da ist vor allem ganz viel gegenseitiger Respekt. Echte Liebe halt.

Wie wichtig war es, dass sie Motorräder mochte?

Überhaupt nicht, sie hat erst später den Führerschein gemacht. Frauen sind trendabhängig und wenn Harley fahren nicht so ein cooler Trend gewesen wäre, hätte ich sie dazu nicht überreden können. Wir haben in den letzten 20 Jahren viele Kilometer gemeinsam hinter uns gebracht.

Warum sind Sie so vernarrt in Harleys?

Zum einen, beeinflusst durch meinen Vater, der ein Motorrad-Enthusiast war, zum anderen weil ich ein Techniknarr bin. Als gelernter Feinmechaniker liebe ich schöne Dinge, die durch Technik entstehen. Ich liebe auch Revolver, selbst wenn ich keinen haben will. Aber ich finde, ein technisches Gerät kann Würde und Sexappeal ausstrahlen. Wenn ich eine Harley auf dem Seitenständer lehnen sehe, ist das für mich genauso sexy, wie für andere, ein an der Hauswand lehnender James Dean.

Hat man einen anderen Blick aufs Leben, wenn man auf dem Bike sitzt?

Man sagt, die Straße sei ein guter Zuhörer. Man kann gut nachdenken auf dem Bike und du nimmst deine Umwelt intensiver war. Wenn ich bei mir zurzeit durchs Dorf fahre und die blühenden Rosensträucher rieche, dann ist das schon was anderes, als mit dem Auto. Da entsteht mit der Zeit eine herrliche Symbiose von Natur und Technik. Ich kenne jede Schraube an meiner Maschine und kann jeden Ton, den sie macht, analysieren. Das ist eine sensible Angelegenheit. Ähnlich wie früher die Cowboys, denen der Gaul unterm Arsch weggestorben ist, wenn sie ihn nicht pfleglich behandelt haben.

Trotz aller Fachkenntnis hätten Sie vor zehn Jahren beinahe den Löffel abgegeben. Warum steigt man nach so einem schlimmen Unfall wieder aufs Bike?

Weil das Eine mit dem Anderen nichts zu tun hatte. Ich bin sicher, dass mir dieser Unfall mit dem Fahrrad oder Auto genauso passiert wäre, da das Schicksal mir einen neuen Weg zeigen wollte. Und dadurch, dass ich gänzlich unschuldig an dem Vorfall war, war es für mich kein Unfall, sondern ein Geschehnis. Ein Unfall war es für den anderen, der die Verkehrsregeln nicht beachtet hat, für mich war es ein Denkzettel, der mein Leben verändert hat.

Inwiefern?

Es hat mir meine Sterblichkeit vor Augen geführt, mich Gott ein Stück näher gebracht. Ich achte heute mehr auf meine Gesundheit. Meine Frau ist 15 Jahre jünger und die soll nicht mit einem alten Zausel, mit Bluthochdruck und verkalkten Arterien, leben müssen. Zumal wir noch viel vorhaben.

Nämlich? Wir orientieren uns zunehmend nach Amerika, wo wir ein größeres Grundstück besitzen, auf das wir ein kleines Boutique-Hotel bauen wollen. Außerdem habe ich gerade mein neues Business-Modell, die Freedom-Tour (fiereksfreedomtours.com), gestartet. Drei Wochen lang fahre ich als Guide mit einer deutschen Reisegruppe auf der Harley durch den Mittleren Westen und zeige meinen Kunden das Amerika, das ich so liebe.

Wie ist Ihr Englisch?

Besser als mein Hochdeutsch! Believe me, Oider!

 

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