AZ-Interview Wann wollten Sie Ihren Mann zuletzt umbringen, Sonya Kraus?

"Ohne Männer wäre die Welt nicht katastrophal, aber langweilig": Sonya Kraus. Foto: Amanda Dahms

Fast täglich will sie ihren Mann umbringen. Warum sie es nicht tut, verrät Sonya Kraus im AZ-Männer-Gespräch.

 

Durch das "Glücksrad" wurde sie bekannt, doch nur Buchstaben umzudrehen, war ihr zu doof. Sonya Kraus (44) redet viel lieber ("talk talk talk") und schreibt auch gern. Jetzt erscheint ihr sechstes Buch "Baustelle Blödmann – Und heute bringe ich ihn um" (Bastei Lübbe, 11 Euro). Zeit für ein Gespräch über, na, klar: Männer.

AZ: Liebe Frau Kraus, wann wollten Sie Ihren Mann zuletzt umbringen?
SONYA KRAUS:
Ach, ständig. Oft auch täglich.

Was hält Sie doch davon ab?
Ich weiß, ich würde mildernde Umstände bekommen. Doch meist steht der Messerblock zu weit weg, dann beiß’ ich lieber in die Türklinke, als ihm an die Gurgel zu gehen.

Was stört Sie am meisten?
Da gibt es 100 Beispiele.

Eines reicht.
Schlimm finde ich die "Wo ist. . ?"-Krankheit. Wenn er was sucht, also dauernd, und mich fragt, antworte ich neuerdings: Auf dem Dachboden. Die Pointe ist, dass wir keinen Dachboden haben. So hoffe ich, dass er merkt, dass ich nicht für alles zuständig bin.

Hilft die Dachboden-Taktik?
Jein. Wir Frauen sind zu gut für diese Welt. Natürlich kann ich seine Bananenschale solange auf dem Tisch liegenlassen, bis eine Horde Fruchtfliegen da ist. Ich kann sie aber auch einfach wegschmeißen. Ohne sich dann aufzuregen? Genau. Es ist leichter, sein eigenes Verhalten zu ändern, als das des Mannes. Dennoch appelliere ich an uns Frauen, häufiger mal den Tunnelblick zuzulassen, in der Hoffnung, dass Männer dann vielleicht mehr sehen – und einsehen.

Trotzdem halten Sie es seit über 20 Jahren mit Ihrem Mann, der nicht in der Öffentlichkeit auftauchen möchte, aus und haben zwei Söhne. Sind Sie doch milde?
Nein. Ich habe viel Temperament, bin eine Amazone und kann anstrengend sein. Er ist The Rock. Wir sind beide Alphatiere und da knallt es gern.

Sind Sie sich im Herzen vielleicht zu ähnlich?
Wir haben beide Eier. Er außen, ich innen. Aber ich habe das Glück, einen Kerl zu haben, der sehr selbstironisch ist. Wer sich nicht aufregt, hat keine Emotion. Reibereien halten eine Beziehung ja auch lebendig. Wenn mich jemand fragt, wer hat bei Euch daheim die Hosen an...

...antworten Sie?
Wir beide. Hosenröcke. Das ist spannend. Interessant ist, dass es bei uns im Alltag knallt. Wenn Schulferien sind, nehme ich mir frei. Das ist mein Luxus. Ich gebe kein Geld für Kleidung, Klunker oder Karren aus, sondern für Ferien. Die sind wie Oasen. Mein Kerl und ich verstehen uns in dieser Zeit ohne Alltagsstress immer blendend.

Wie schaut es mit seinen Hausmann-Qualitäten aus?
Nächste Frage, bitte.

Er macht gar nichts?
Moment! Doch! Er kann toll Essen bestellen und mich auch toll zum Essen ausführen. Für die Regel "Du besorgst, ich bezahle", was in dem Fall er ist, bin ich mir nicht zu schade. Ich liebe es, einen Kindergeburtstag zu organisieren, Geschenke einzupacken, eine Torte zu backen und nebenbei durch den Supermarkt zu sprinten, um zwei Wagenladungen Lebensmittel zu kaufen, die in Windeseile weggeputzt werden. Es gibt nix Schöneres. (lacht ironisch)

Sie werden gleich erneut lachen, aber es gibt viele, die glauben, Sie packen alles: Haushalt, Kinder, Job. Und sehen dabei stets super aus.
Das könnte funktionieren, wenn der Tag 48 Stunden hätte. Die Wahrheit ist: Ich bin ständig kurz vorm Beinahe-Burn-out. Verzweifelt, supermüde, irre geschafft. Früher war ich eine Nachteule, heute falle ich um 22 Uhr ins Bett. Dabei bin ich privilegiert.

Inwiefern?
Meine Mama wohnt bei uns in Frankfurt. Sie fängt viel auf. Sei es, dass sie da ist, wenn der Paketbote kommt, ihm die Tür öffnet und ich nicht zur Post fahren muss, die eh längst geschlossen hat, wenn ich ankomme. Das sind Kleinigkeiten, die Großes bewirken können. Ich bin ja eine klare Verfechterin der familiären Dorfgemeinschaften. Alle wohnen und helfen zusammen. Leider dominiert heute immer mehr die urbane Gesellschaft, jeder macht alles nur für sich. Dabei ist das viel anstrengender.

Schöner Nebeneffekt: Durch die Anwesenheit Ihrer Mutter sind Sie doch nicht in einem absoluten Männer-Haushalt.
Stimmt, selbst unser Hund ist männlich, wobei der am ehesten zu erziehen ist. Durch meine großartige Mama lichtet sich die schwere Testosteron-Nebelschwade, die alles zu ersticken droht.

Bei Ihren beiden Söhnen besteht noch Rettung durch Ihre Erziehung, oder?
Oh ja, das ist meine große Lebensaufgabe, mein Ziel, sie zu fabelhaften Männern zu erziehen, die Frauen lieben, schätzen, respektieren. Für die die Gleichstellung der Geschlechter supernormal ist und die auch gender-neutral sind. Ich möchte sie zu emanzipierten Männern machen, die eine gute Herzensbildung haben. Wenn sie mit Puppen spielen oder sich die Nägel lackieren wollen, sollen sie das gerne tun. Wobei sie sich für Puppen gerade weniger interessieren. Wenn sie später mit tollen Frauen oder mit tollen Männern nach Hause kommen, weiß ich schon jetzt, dass ich mich riesig freuen werde.

Wie männlich sind Sie?
Dadurch, dass ich in der entscheidenden Phase, der Pubertät, ohne Vater aufgewachsen bin, fehlt mir da vielleicht das typische Rollenbild. Ich habe mich schon immer für Männer-Themen interessiert: Fußball, Heimwerken, alles.

Was ist Ihr Rückzugsort, wenn Sie abschalten wollen?
Die Badewanne ist ein prima Ort. Ansonsten gehe ich, wenn es die Zeit erlaubt, zwei Mal die Woche zum Ballett. Nicht zum Zuschauen, sondern zum Mittanzen. Das ist so unmännlich, das tut so gut.

 

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