AZ-Interview Volz: "In England ist jeder ein bisschen Comedian"

Moritz Volz war unter Friedhelm Funkel lange nicht mehr beachtet worden, gegen den KSC feierte sein Comeback in der Startelf, auch von Ahlen setzt auf ihn. Foto: Rauchensteiner/AK

Moritz Volz kickte lange in England. Warum er London liebt, obwohl er zu Beginn seiner Zeit dort gehänselt wurde: „Das war ein krasser Schock!” Wie ihn die Zeit abgehärtet hat

 

AZ: Herr Volz, wann waren Sie das letzte Mal in London?

MORITZ VOLZ: Ich war gerade jetzt in der Sommerpause da und habe vor allem viel Zeit mit alten Freunden verbracht.

Was fasziniert Sie noch an der Stadt?

Ich habe zwölf Jahre dort gelebt. Es ist eine super Stadt, die viel zu bieten hat. Für mich ist London kein touristischer Hotspot, sondern Heimat. Es ist immer wieder wie nach Hause kommen.

Was können die Deutschen von den Engländern lernen und umgekehrt?

Die Deutschen sind oft genauer. Die Engländer lieben zwar ihre Traditionen, sind aber auch offen für Neues.

Sie haben es in Ihrer Anfangszeit in England nicht leicht gehabt, sind wegen Ihres Akzents gehänselt worden. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Die Schwierigkeiten am Anfang waren mehreren Faktoren geschuldet. Zum einen war ich selbst schüchtern, dazu kam eine sprachliche Barriere. Ich denke, dass die Engländer und die Deutschen vom Typ her ähnlich sind. Was natürlich anders ist: der Humor. In Deutschland werden Dinge ernster genommen, die Themen, über die man lachen darf, sind quasi vorgegeben. Und die Engländer nehmen bei keinem Thema ein Blatt vor den Mund. Da kommt alles auf den Tisch.

Wie war das für Sie?

Das war natürlich ein krasser Schock für mich. Vor allem dann, wenn auf einmal NaziWitze gemacht wurden.

Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich habe das einfach ignoriert, weil ich nicht zeigen wollte, dass es mir nahegeht. Ich war damals erst 16 Jahre alt und nicht daran gewöhnt. Aber man lernt mit der Zeit damit umzugehen und weiß irgendwann, dass es nicht böse gemeint, sondern einfach die Art des englischen Humors ist. In Deutschland ist es ja oftmals so, dass Witze erst einmal erklärt werden müssen, damit Leute darüber lachen. Oder dass man einen Witz ankündigen muss. Da ist es in England schon alltäglicher – jeder ist ein bisschen Comedian.

Und wie haben Sie die Zeit erlebt, in der Sie in England auf einmal Publikumsliebling waren und sogar ein Lied über Sie geschrieben wurde?

Das war toll. Es waren gute Erfahrungen, verschiedene Dinge ausprobieren zu dürfen – zum Beispiel eine Kolumne in der „Times” zu schreiben.

Woher kam das Talent dafür?

Das war ein Prozess. Das hat angefangen mit der Webseite, die ich im Jahr 2006 kurz vor dem Beginn der WM gestartet habe. Da habe ich dann als Fan von der WM im Internet gebloggt. Und daraufhin kamen verschiedene Angebote – unter anderem von der „Times” und auch von Fernsehsendern.

Was haben Sie in England für sich selbst gelernt?

Ich habe sicherlich gelernt, offen für andere Menschen und Kulturen und nicht immer festgefahren zu sein in meinen eigenen Ansichten. Und sicherlich auch eine gewisse Toleranz zu haben, zu wissen, dass andere Menschen auch immer verschieden ticken.

Können Sie sich vorstellen, nach der aktiven Karriere zurück nach London zu gehen?

Das ist eine Möglichkeit. Ich habe ja auch noch eine Wohnung dort. Ich kann mir vorstellen, dem Fußball auch in irgendeiner Weise treu zu bleiben. Denn je älter ich werde, desto mehr Interesse habe ich auch daran, das Spiel wirklich zu verstehen. Aber ich habe auch noch andere Interessen.

Kochen?

Ja, aber da reicht es alleine vom Tempo her nicht, dass ich damit irgendwann mal Geld verdiene. Das ist wirklich nur ein Hobby. Dann eher als Essenskritiker.

 

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