AZ-Interview über den Parade-Sportsmann Marcus H. Rosenmüller bringt Bert Trautmann ins Kino

Bert Trautmann (David Kross) wurde sowohl mit dem Order of the British Empire als auch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Foto: SquareOne Entertainment

Marcus H. Rosenmüller bringt das Leben des legendären Torhüters Bert Trautmann auf die Kinoleinwand. Im Interview berichtet er von den Höhen und Tiefen beim Dreh.

 

München - Für so eine Geschichte ist das Kino erfunden worden. Der deutsche Soldat Bernhard Trautmann gerät Ende des Zweiten Weltkriegs in britische Kriegsgefangenschaft und wird auf der Insel vom Feind zum Volkshelden, weil er als Torhüter von Manchester City legendäre Taten vollbringt. 1956 im englischen Cup-Finale zwischen Manchester City und Birmingham City brach sich Trautmann in der 75. Spielminute das Genick, spielte aber weiter – Auswechslungen gab es damals noch nicht – und hielt mit seinem Einsatz den Sieg fest. Erst drei Tage später erfuhr er nach dem Röntgen davon, wie nah er am Tod vorbeigeschrammt war. Regisseur Marcus H. Rosenmüller hat das Leben des 2013 gestorbenen Torhüters nun verfilmt. Das deutsch-englische Kinodrama über Fußball, die Liebe und die Kraft der Versöhnung startet am Donnerstag.

AZ: Herr Rosenmüller, sind Sie Fußballfan?
MARCUS H. ROSENMÜLLER: Ja, vor allem liebe ich es, selbst zu spielen. So pathetisch es auch klingen mag: Beim Fußball gibt es nur den Augenblick, kein Vorher und Nachher. Leider kann ich heute seltener spielen, weil ich ein bisschen Knieprobleme habe. Aber ich bin bis heute Mitglied in meinem Verein SG Hausham.

Schlägt Ihr Herz auch für einen Profiverein?
Ich bin FC Bayern-Fan, mag aber auch die Sechziger – und schaue als nächstes, wie Ingolstadt gespielt hat. Und manchmal mag ich bestimmte Fußballer so sehr, dass ich dann auch ihre Vereine mag. Wegen Claudio Pizarro bin ich jetzt auch Bremen-Fan.

Ist die Fanliebe in England noch intensiver als in Deutschland?
Ich glaube schon. Da spielt Fußball noch eine zentralere Rolle.

Trautmann - ein bescheidener Gentleman

Der Held Ihres Films, Bernhard "Bert" Trautmann, wird in England und insbesondere bei Manchester City-Fans bis heute gewaltig verehrt.
Man muss im Film ja oft dramatisieren, und da hat man auch mal ein schlechtes Gewissen. Ich habe mich zum Beispiel bei den Zeitungsschlagzeilen im Film gefragt: Übertreibe ich da nicht ein wenig? Aber dann habe ich bei Manchester City einen Einblick in alle Berichte über Trautmann bekommen. Das ist unglaublich, wie viele Artikel über ihn erschienen sind. Am Stadion von Manchester City hängt ein Riesenplakat von ihm, eine Kurve ist nach ihm benannt. Und als ich Tonaufnahmen im Stadion machen durfte, kamen ältere Leute zu mir und sagten: Ihr Leben hat sich verändert, als sie Trautmann als Kind spielen gesehen haben. Die hatten Tränen in den Augen! Einer hat ein Gedicht über Trautmann geschrieben.

Wieso wird er dermaßen verehrt?
Weil er ein einzigartiger Torhüter war – und wegen seines Charakters. Er war ein Gentleman, war bescheiden und hat alles für den Verein gegeben. Die Legendenbildung hat nicht erst mit dem Genickbruch eingesetzt, das war nur das i-Tüpfelchen. Er ist vorher schon zum besten Fußballer Englands gewählt worden. Als erster Ausländer!

Sie haben Bert Trautmann in seinen letzten Lebensjahren getroffen. Wie haben Sie ihn erlebt?
Sehr höflich, gentleman-like und bodenständig. Und er war noch immer ganz Fußballer, das hat man gemerkt. Die historischen Fußballszenen spielen eine wichtige Rolle in Ihrem Film. Man lernt an der Filmhochschule aber nicht, wie man ein FA-Cup-Finale inszeniert. Woher konnten Sie das? Uns war die Gefahr bewusst und wir haben uns viele Fußballszenen angeschaut und gefragt, wieso etwas gut aussieht und anderes nicht. Wir haben die Brennweiten analysiert und gefragt, wo die Kamera stehen muss. Und wir haben bei jedem Fußballspiel versucht, emotional noch etwas anderes zu erzählen, zum Beispiel, dass sich seine spätere Freundin beim Zuschauen langsam in ihn verliebt.

Spielzug für Spielzug nachgestellt

Welche Fußballer haben die Spiele nachgestellt?
Für die Szenen in St. Helens habe ich ein Casting in Belfast gemacht, und für die größeren Spiele in Manchester und Wembley haben wir hier in München gecastet, mithilfe des Bayerischen Fußballverbands – und mit meinem ehemaligen Fußballtrainer Peter Wagner von der SG Hausham. Der hat dann auch die Choreographie der Spielzüge übernommen. Im Film wurde jeder Pass exakt so geschlagen wie beim Finale in Wembley.

Ein Film ist ein Millionenunternehmen. Woher wussten Sie, dass Ihr früherer Trainer das so gut choreographieren kann?
Das war ein bisschen Glück. Ich wusste, dass er wahrscheinlich Lust haben und mir helfen würde. Dass er das dann so akribisch machte, hat mich beeindruckt. Auch mein Regieassistent und der Kameramann haben gesagt: Das ist ja der Wahnsinn, wie der das macht. Da mussten auch die Spieler, die bei einem Spielzug gar nicht beteiligt waren, authentische Sachen machen.

Gibt es denn keine Leute, die so etwas professionell machen?
Nein. Wie viele Fußballfilme gibt es denn in Deutschland? In anderen Ländern gibt es auch nicht so viele.

Dialekt und seine Tücken

Der Film spielt größtenteils in Manchester, und Sie haben im nordenglischen Dialekt gedreht. Selbst wenn man gut Englisch spricht, versteht man wenig. Wie war das für Sie beim Dreh?
Es ist mir immer ein Herzensanliegen, dass die Filme authentisch sind, und da der Film in Manchester spielt, war klar, dass ich das so machen möchte. Aber ich konnte nichts kontrollieren, sondern musste vertrauen. Und vertraut habe ich vor allem dem Darsteller John Henshaw, der aus der Gegend kommt, und meinem Koproduzenten Chris Curling. Ich bin dann mit den Proben reingekommen, habe dann erst alles verstanden, weil das so ein wahnsinniger Dialekt ist.

Wussten Sie denn beim Dreh immer, ob sprachlich alles stimmt?
Nein. Manchmal kam John Henshaw und sagte, das war jetzt nicht hundertprozentig, dann gab es eine kleine Korrektur. Aber im Großen und Ganzen ging es, weil wir die Rollen entsprechend besetzt haben. Und die Schauspieler, die nicht so sprechen, haben einen Coach bekommen.

Fertigstellung hat sich verzögert

Hatten Sie vor dem ersten Drehtag Bammel?
Nein, aber Monate vorher schon. Durch die Proben ging das weg. Ich habe ja ein bisschen Erfahrung, meinen Abschlussfilm und Teile von "Beste Chance" habe ich teilweise auf Englisch inszeniert, und ich habe am Cuvilliéstheater eine Oper auf Englisch inszeniert. Es geht immer um Energie, nicht ums konkrete Wort. Und ich bin kein strenger Regisseur, wenn die Schauspieler gar nichts verstanden haben, sagen sie: Rosi, kannst Du das bitte noch mal in anderen Worten erklären?

Könnten Sie sich nach dem Dreh fließend unterhalten?
Ich müsste erst wieder reinkommen, bis ich den Slang verstehe. Ich war mit John in manchen Kneipen, da habe ich eineinhalb Stunden lang nichts verstanden, sondern nur noch gefühlt, worum es geht. Wovon sie konkret geredet haben – keine Ahnung. Ich wusste nur, es geht um Fußball. Am 4. April kommt schon Ihr nächster Film ins Kino, der Kinderfilm "Unheimlich perfekte Freunde". Das war ein bisschen Zufall. Die Fertigstellung von "Trautmann" hat ein wenig länger gedauert. Es gab die Option, "Unheimlich perfekte Freunde" ein bisschen später zu starten. Aber die Kinder sollen im Sommer an den See gehen und nicht ins Kino.

 

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