AZ-Interview So macht Dirk Bauermann den deutschen Basketballern Mut

Dirk Bauermann trainierte von 2003 bis 2011 die deutsche Basketball-Nationalmannschaft. Foto: Swen Pförtner/dpa

Ex-Bundestrainer Dirk Bauermann macht den deutschen Basketballern nach dem Vorrunden-K.o. bei der WM Mut. Das Aus erklärt er so: "Die Bürde der Erwartungshaltung war zu viel fürs junge Team".

 

München - Der 61-jährige Dirk Bauermann trainierte von 2003 bis 2011 die deutsche Nationalmannschaft. Von 2010 bis 2012 war er Coach des FC Bayern.

AZ: Herr Bauermann, haben Sie den Schock über das Vorrunden-Aus der deutschen Basketballer nach nur zwei Spielen schon verdaut?
DIRK BAUERMANN: Ein Schock war es nicht, ich bin ja nicht direkt beteiligt. Mir tun einfach die Spieler, Trainer und Verantwortlichen leid. Jeder, der selbst Sport betreibt, weiß, wie weh solche Niederlagen tun, wie sich das am nächsten Morgen anfühlt, wie schlecht man schläft. Das ist sehr bitter.

Bauermann: "Das junge Team kam mit dem Druck nicht zurecht"

Woran hat’s Ihrer Meinung nach gelegen?
Eine wirkliche Analyse können nur diejenigen vornehmen, die direkt an der Mannschaft dran sind. Ich glaube, dass man sehen konnte, dass diese relativ junge Mannschaft in dieser Zusammensetzung noch nie ein großes Turnier gespielt hat und dass sie mit dem Druck und den hohen Erwartungen nicht zurechtgekommen ist. Das hat sich insbesondere im Spiel gegen die Franzosen (74:78, d.Red.) gezeigt: Als das Team fast hoffnungslos hinten lag und nichts mehr zu verlieren war, haben sie plötzlich stark aufgespielt. Das zeigt einerseits, wie hoch das Potenzial der Mannschaft ist, aber andererseits, dass die Bürde der Erwartungshaltung am Ende etwas zu viel war.

Hat man sich vielleicht zu sehr auf NBA-Star Dennis Schröder verlassen, der ja diese Leaderrolle einnehmen wollte?
Ich würde in jedem Fall sagen, dass die Mannschaft eigentlich eine Breite hat, die sich bei dieser WM nicht gezeigt hat. Maxi Kleber unter Form, Daniel Theis im ersten Spiel nicht gut, Johannes Voigtmann im ersten Spiel sensationell, aber im zweiten kein wirklicher Faktor, Paul Zipser nicht richtig im Turnier – woran das gelegen hat, kann ich aus der Distanz nicht sagen.

"Schröder hätte noch einen erfahrenen Aufbauspieler gebraucht"

Schröder und andere Spieler haben die fehlenden Emotionen, den fehlenden Zusammenhalt auf dem Feld angeprangert.
Auch das kann am Ende damit zu tun haben, dass man mehr Angst davor hatte, auszuscheiden, als die Chancen zu sehen, Großes zu erreichen. Wenn man mit der Angst vor der Niederlage spielt, lähmt das und hemmt die eigene Leistung.

Wie haben Sie die Leistung von Schröder selbst gesehen?
Ich glaube, dass es ihm ganz gutgetan hätte, wenn er noch einen erfahrenen Aufbauspieler neben sich gehabt hätte. Maodo Lo und Ismet Akpinar sind bei aller Qualität eben noch keine abgebrühten Veteranen. Eine Mannschaft zu führen und gleichzeitig zu punkten und zu verteidigen, das ist eine große Last. Wenn man sich andere Teams bei der WM wie Serbien anschaut, dann ist da die Last ein bisschen anders verteilt, als es bei uns der Fall war. Für die Umstände hat er es ordentlich gemacht.

Bauermann: "Rödl ist ein hervorragender Trainer"

Ist Bundestrainer Henrik Rödl noch der richtige?
Wenn alle vor der WM finden, er ist der richtige Mann, dann kann man doch nach zwei Spiele nicht sagen, er sei das nicht mehr. Er ist ein hervorragender Trainer, der mit dieser Mannschaft bisher absolut überzeugt hat. Warum soll sich daran nach zwei Spielen etwas geändert haben? Ich habe das größte Vertrauen in ihn.

Was bedeutet der WM-K.o. für den deutschen Basketball? Nach dem Rücktritt von Nowitzki hätte eine neue Generation die Chance gehabt, sich ins Rampenlicht zu spielen.
Diese Generation ist ja nicht am Ende, sondern erst im ersten Drittel einer Entwicklung. Insofern bin ich sicher, dass man von ihr noch Großes erwarten kann. Ich glaube, nachhaltig wird den Basketball in Deutschland dieses Aus nicht zurückwerfen, dafür hat diese Generation zu viel Potenzial.

Bauermann: "Bonga kann eine echte Macht sein"

Mit Isaac Bonga und Moritz Wagner drängen die nächsten jungen Spieler, die gerade in der NBA Fuß fassen, nach.
Das lässt einen sehr optimistisch sein. Bonga ist ein Guard, der, wenn er sich weiter entwickelt, eine echte Macht sein kann auf dieser Position. Auch Moritz Wagner ist ein großes Talent, aber für die Mannschaft insgesamt wird Bonga mittelfristig wichtiger sein.

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