AZ-Interview Rydzek: "Ich glaube nicht, dass wir nochmal so gut sind"

Historisch: Bei der WM 2017 in Lahti holt Rydzek vier Mal Gold. Foto: Minkoff/Augenklick

Am Wochenende starten die Kombinierer um Johannes Rydzek in die Saison. Er spricht über die deutsche Dominanz und die Spiele in Südkorea.

 

München - Die AZ hat mit Johannes Rydzek gesprochen. Der 25-jährige Oberstdorfer läuft seit 2008 im Gesamtweltcup. Bei der WM 2017 in Lahti holte er alle vier möglichen Goldmedaillen.

AZ: Herr Rydzek, hinter Ihnen liegt eine fast perfekte Saison, bei den Weltmeisterschaften haben Sie alles abgeräumt, im Gesamtweltcup wurden Sie knapp Zweiter hinter Teamkollege Eric Frenzel. Ist das dieses Jahr noch zu steigern?
JOHANNES RYDZEK: Das vergangene Jahr war wirklich außergewöhnlich für das gesamte Team. Wir sind richtig gut gestartet, haben uns gegenseitig gepusht. Die Stimmung war einmalig und dann sind wir auf dieser Erfolgswelle durch die Saison geritten. Ob das diesmal nochmal so klappt? Ich denke nicht. Die anderen Nationen haben aufgeholt und aus ihren Fehlern gelernt. Wir müssen einfach versuchen, weiter an uns zu arbeiten.

Etwas Bammel vor dem Start der Olympia-Saison am Wochenende?
Nein, ich fühle mich gut und freu’ mich, wenn es endlich losgeht, ich habe richtig viel trainiert. Aber wo man steht, weiß man erst, wenn es losgeht.

Wie läuft ein Training im deutschen Team ab, wenn ein Vierfachweltmeister, dazu der Erste, Dritte (Fabian Rießle) und Fünfte (Björn Kircheisen) im Gesamtweltcup trainieren? Gibt es da Rivalitäten?
Nein, keiner von uns hat irgendwelche Starallüren. Wir unterstützen uns, wo es geht. Klar schaut man auch auf sich selbst, woran man individuell arbeiten muss. Aber einen Ego-Trip gibt es bei uns nicht.

Warum ist Deutschland in der Kombination so gut? Weder im Skispringen noch im Langlauf gehören die Deutschen zur absoluten Weltspitze.
Ich denke schon, dass wir im Skispringen gut aufgestellt sind, bei den Weltmeisterschaften gab es immerhin vier Medaillen. Aber alle drei Disziplinen lassen sich schwer vergleichen. Die Kombination ist eine ganz andere Sportart. Wir können nicht so leicht und schnellkräftig sein wie die Skispringer, aber auch nicht so muskulös wie die Langläufer. Unsere Aufgabe ist es, diese Gratwanderung hinzubekommen. Aber das ist auch das, was mir so viel Spaß macht. Ich wollte immer beides machen.

Skisprung und Langlauf scheint Ihnen aber noch nicht zu reichen. Im Sommer haben Sie einen Guinness-Rekord aufgestellt: der steilste Sprint der Welt. Sie sind eine Skisprung-Schanze hochgelaufen.
Ja, das stimmt, es war eine PR-Aktion von unserem Ausrüster. Die haben mich gefragt, ob ich für so ein Event zu haben bin. Es war brutal anstrengend, aber eine richtig coole Erfahrung. Dass mir das auch noch in Weltrekordzeit geglückt ist, war natürlich Wahnsinn.

Glaubt man Ihrem Instagram-Account, sind Sie nur draußen unterwegs. Wandern, Bergsteigen, Gleitschirmfliegen. Sind Sie sportbesessen?
(lacht) Was heißt besessen? Ich mach einfach, was mir Spaß macht. Das ist in erster Linie die Kombination, aber auch die Faszination für Berge. Das gibt mir so unglaublich viel. Ich mach das sicher nicht, weil ich es muss. Ich liebe es einfach.

Sprechen wir über die Olympischen Spiele. Sie haben ja schonmal Bedenken bezüglich des Austragungsortes Pyeongchang geäußert.
Ich habe nicht wirklich Bedenken, ich habe nur angemerkt, dass die politische Lage kritisch ist. Aber wir sind Sportler und müssen uns auf den Sport konzentrieren. Da verlasse ich mich auf andere Organisationen wie den DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund, d.Red.), der eng mit dem Auswärtigen Amt in Verbindung steht. Aussagen darüber, ob man teilnimmt oder nicht, sind noch verfrüht. Wenn von offizieller Seite das "Go" kommt, werde ich aber zu den Spielen fahren, vorausgesetzt, ich qualifiziere mich.

Trotzdem, zu Spielen nach Garmisch-Partenkirchen wären Sie lieber gefahren, oder?
Spiele in der Heimat wären für einen Sportler was unglaublich Schönes. Aber es wurde demokratisch darüber abgestimmt, sich nicht zu bewerben. Trotzdem glaube ich, dass die Südkoreaner richtig coole Spiele auf die Beine stellen. Wir hatten dort schon Wettkämpfe und ich muss sagen, wir waren beeindruckt.

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