AZ-Interview rund um Haching gegen Sechzig Schwabl: "Es geht um dreieinhalb Punkte – mindestens"

Robert Reisinger (54, links) ist seit 2017 Präsident des TSV 1860, Ex-Profi Manfred Schwabl (52) ist seit 2012 bei der Spielvereinigung Unterhaching im Amt. Foto: Sigi Müller

Vor dem Derby zwischen dem TSV 1860 und der SpVgg Unterhaching sprechen die Präsidenten Robert Reisinger und Manfred Schwabl über die 3. Liga, Stadionfragen und die Zukunft. Teil 1 des großen AZ-Interviews.

Robert Reisinger (54) ist seit 2017 Präsident des TSV 1860, Ex-Profi Manfred Schwabl (52) ist seit 2012 bei der Spielvereinigung Unterhaching im Amt. 

AZ: Herr Schwabl, sind Sie schon zu Ihren Schinkennudeln eingeladen worden, die Sie nach den Schmierereien einiger Löwen-Fans im Hachinger Sportpark von den Löwen-Bossen gefordert haben?
MANFRED SCHWABL: Ich schau' stündlich auf mein Handy, aber da kommt einfach nix.
ROBERT REISINGER: Hast Du meine SMS nicht bekommen? Ich muss wohl eine falsche Nummer haben (beide lachen).
SCHWABL: Nein, passt schon – wir machen die jetzt auch im Sportpark. Mannis Schinkennudeln heißen sie und müssen genauso sein wie bei der Christl im Löwen-Stüberl. Was die Nudeln betrifft, sind wir schon mal auf einem guten Weg.

Aus sportlicher Sicht sieht es auch nicht schlecht aus: Unterhaching ist Zweiter, Sechzig Siebter – am Mittwoch kommt es zum Showdown. Wie stehen die Chancen?
SCHWABL: Ich sag' 50:50.
REISINGER: Ich gehe demütig an die Aufgabe ran: Das ist ein gestandener Drittligist, wir sind Aufsteiger - die Favoritenrolle liegt klar bei Haching. (schmunzelt)
SCHWABL: Ich glaub' Dir kein Wort! Sechzig ist kein gewöhnlicher Aufsteiger, auch Cottbus und Uerdingen nicht. Als ich 1860 als Geheimfavorit bezeichnet habe, wurde ich nur belächelt.
REISINGER: Da lach' ich heut noch.


Robert Reisinger und Manfred Schwabl im Gespräch mit den AZ-Reportern Matthias Eicher (links) und Patrick Mayer (rechts).

Warum, Herr Reisinger? 1860 liegt in der oberen Tabellenhälfte, hat wie zuletzt in Rostock und gegen Wehen Wiesbaden noch viele Punkte verschenkt.
REISINGER: Die Liga ist so ausgeglichen, dass man bei uns sicher nicht von einem Geheimfavoriten sprechen kann. Wenn wir zwei Spiele in Folge verlieren, stehen wir unten. Sind wir dann vom Abstieg bedroht?

Wie die AZ kürzlich erfuhr, treibt Sechzig dennoch die Planungen für den Fall des Durchmarsches voran.
REISINGER: Wir planen nicht mit dem Aufstieg, aber wir müssen für den Fall gerüstet sein, sollte er uns in den Schoß fallen. Alles andere wäre aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein Wahnsinn.

Herr Schwabl, Ihre Aufstiegspläne mit Haching sind, wie Sie sagten, auf zwei bis drei Jahre ausgelegt.
SCHWABL: Haching braucht in der Bundesliga oder der Zweiten Liga doch normal kein Mensch. So ehrlich müssen wir als kleiner Klub doch sein. Wenn ich sehe: 1860, Lautern, Cottbus – diese ganzen Traditionsklubs – wir würden uns in der Dritten Liga sportlich super wohlfühlen. Hier könnten wir unsere Spieler ausbilden, durch Verkäufe den ein oder anderen in die oberen Ligen schicken – und wenn es gut läuft, hochgehen. Jetzt haben wir die Situation: Wir müssen hoch.

Wegen der geringen Fernsehgelder in der Dritten Liga.
SCHWABL: In der Dritten Liga gibt es unter eine Million Euro. Der Schnitt in der Zweiten Liga liegt ungefähr bei zehn Millionen. Wir reden also von einem Zehntel! Das ist ein Systemfehler! Und trotzdem werden in der Dritten Liga hohe Anforderungen an die Klubs gestellt. Die Dritte Liga wurde 2008 gegründet – als Nachwuchsliga! Zehn Jahre später hat mit Erfurt das letzte Gründungsmitglied Insolvenz angemeldet. Und es wird weitere Insolvenzen geben. Es müsste fünf Klubs auf einmal zerreißen, damit sich endlich etwas ändert.

Schwabl: "Wir reden am Mittwoch weiter"

Herr Reisinger: Wie lange haben die Löwen Zeit, um hochzugehen?
REISINGER: Wenn das nur so einfach wäre. Von 20 Drittliga-Vereinen wollen zehn bis zwölf hoch. Ein Aufstieg ist schwer planbar. Wir müssen die KGaA dahin bekommen, dass sie aus eigenen finanziellen Mitteln überlebensfähig ist. Unser Plan ist auf drei Jahre ausgerichtet. Wir hätten eigentlich die besseren Voraussetzungen als Haching: Man muss sehen, woher wir kommen. Manni, wie viele Mitglieder habt ihr?
SCHWABL: Knappe 1.000.
REISINGER: Wir haben ungefähr 23.000. Das Grünwalder Stadion ist immer ausverkauft, auch auswärts haben wir einen super Support: Kürzlich waren 1.500 Leute in Rostock. Ich will nicht despektierlich klingen, aber Manni wäre schon froh, wenn er mal so viele dahoam hätte.
SCHWABL: Wir reden am Mittwoch weiter.

Apropos Mittwoch und (Löwen-)Fans im Hachinger Sportpark: Im Derby wird Manni Schwabl deutlich mehr Auswärtsfans begrüßen können, Sechzig hat – zum Ärger einiger Hachinger Fans – ein großes Gästekontingent von 5.700 Tickets.
SCHWABL: Wenn ich 5.000 Plätze in der Nordkurve habe, dann soll mir ein normal denkender Mensch erklären, warum ich nur 2.500 Fans reinnehmen soll. Ich bin ja offen für konstruktive Vorschläge, aber diese Entscheidung war alternativlos. Ich habe auf das Festgeldkonto geschaut und kann nicht sagen, dass es direkt überfüllt ist, dass wir die Plätze freilassen, nur um die Sechzger zu ärgern.

Wenn wir schon beim Thema Stadion sind: Sechzig hat eine Spielstätte, die nicht zweitligatauglich ist. Inwieweit sind die Zukunftspläne ans Grünwalder gekoppelt?
REISINGER: Unsere Wurzeln liegen in Giesing. Ich weiß, dass bei 1860 die Tradition vorherrscht, getätigte Fehler zu wiederholen. Solange ich Präsident bin, sollten wir das nicht nochmal machen. Wir haben das Stadtviertel Giesing mit unserer Rückkehr belebt. Man merkt, wo wir herkommen und wo wir bleiben müssen.

Reisinger: "Verbesserungspotenzial in der Vermarktung"

Wie könnte ein Szenario aussehen?
REISINGER: Da müssen wir sehen, inwieweit das bis nächstes oder übernächstes Jahr – ein Jahr kannst du ja mit einer Ausnahmegenehmigung spielen – machbar wäre. Wir arbeiten derzeit ein Konzept aus, damit die Stadt weiß, was ein Umbau kosten würde und wir wissen, woran wir uns als Mieter beteiligen können. Es kann jedenfalls nicht kleingeredet werden, dass wir ein Stadtteilverein sind. St. Pauli ist auch ein Stadtteilverein und trotzdem Global Player.

Außerdem tobt die nimmermüde Diskussion um die geringe Rentabilität des Grünwalder Stadions.
In der Vermarktung haben wir Verbesserungspotenzial, aber wir arbeiten daran. Unser Geschäftsführer Michael Scharold hat dafür gesorgt, dass es seit dem letzten Spieltag gegen Wehen eine elektrische Werbebande gibt und dadurch etwas mehr Werbefläche. Wir sind auch an einer neuen Anzeigetafel dran. Wir müssen auch sehen, was mit den VIPs geht: Mir würde eine VIP-Gastronomie wie in Haching direkt am Stadion viel besser gefallen, aber dazu haben wir leider noch nicht die Möglichkeit. Und was ich an dieser Stelle klarstellen muss: Das Argument, dass die Stadt in einer Bringschuld ist, ist doch Blödsinn. Wir dürfen nicht vergessen: 1860 hatte 20 Jahre lang kein Interesse, im Grünwalder Stadion zu spielen. Wir sind es, die zuerst aufzeigen müssen, was wir wollen und wie wir es umsetzen können. Dann ist die Stadt gefragt.

In welcher Größenordnung könnte sich die Kapazität bewegen?
Momentan läuft ja ein Antrag, der eine Kapazität von 18.600 Zuschauer prüft. Ich finde, 20.000 Zuschauer inklusive Modernisierungsmaßnahmen und einem VIP-Bereich wäre eine Hausnummer für uns.

 

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