AZ-Interview Paul Kalkbrenner über Sex, Drugs und Techno

Gut gelaunt, aber noch etwas müde (deshalb die Sonnenbrille): Paul Kalkbrenner im "Charles". Foto: Sebastian Widmann, dapd

Der Berliner Star-DJ Paul Kalkbrenner zeigt sich in der AZ von seiner privaten Seite: Warum er daheim keine Musik hört, was er nach der Wende getan hat und wie er das Bayern-Spiel verdaut

 

Die Nacht ist sein (Arbeits-)Tag: Paul Kalkbrenner (34) ist einer der erfolgreichsten deutschen DJs. Seinen Hit „Sky and Sand“ (108 Wochen in den Charts) kennt jeder, der zumindest einmal im Leben Radio gehört hat oder auf einer Party war. Am 3. Juni wird er sein bisher größtes Konzert geben. Open Air auf dem Königsplatz vor 21000 Fans (Karten: www.ticketmaster.de). Mit der AZ sprach der Ostberliner im „The Charles“ über Sex, Drugs und Techno.

AZ: Guten Morgen, Herr Kalkbrenner – ist Ihr ganzes Leben eine einzige Party?

PAUL KALKBRENNER: Sorry, meine Stimme klingt noch müde. Ich war gestern im Bob Beaman. Sonst gehe ich unter der Woche kaum mehr weg. In Techno-Clubs erkennen mich – ich will jetzt nicht angeben – zu viele Menschen. Die starren mich an und sagen nichts. Das find ich seltsam. Als müsste ich mit jedem ein Gespräch anfangen. Ich bin echt häuslich geworden, faulenze gern oder schaue mit meiner Verlobten Simina (eine DJane, Anm. d. Red.) fern.

Welche Musik läuft daheim? Gar keine! Ich brauche die Stille, dann höre ich meine Musik in mir drinnen. Das machen viele Raver falsch: Früh morgens kommen die heim und hören noch weiter laute Musik. Dabei kommt in der Stille der richtige Techno. Leiser, aber heftiger.

Sie haben keine grünen Augenbrauen, brüllen nicht „Hyper! Hyper!“ ins Mikro und haben trotzdem Erfolg. Ihr Trick?

Ich bleib mir treu.

Klingt zu einfach.

Es gab Stationen, da hätte ich noch viel mehr Kohle machen können. Aber ich will nicht, dass ich zu kommerziell und aufgesetzt rüberkomme. Der Fan honoriert das.

Gibt’s viele Groupies?

Das Gute an großen Partys ist, dass mir niemand in den Mixer greifen kann. Meine Arbeitsfläche gehört mir, Groupies haben da keinen Platz. Die Arbeitswege müssen freigehalten werden.

Wie sieht’s mit Drogen aus?

Wir sind im Freistaat, oder? Das ist privat. Fakt ist: Ich trinke mehr Wasser als früher, Red Bull ist auf Dauer eklig.

Bei der Wiedervereinigung waren Sie zwölf, was haben Sie als erstes getan?

Ich bin rüber, sofort zu McDonald’s und hab mir das Papier vom Burger mit nach Hause genommen, weil es so geil gerochen hat. Seit der Wende bin ich auch riesiger Cola-Fan.

Und Bayern-Fan – wie kommt’s?

Die waren schon immer meine Helden! Ich konnte früher nur selten West-Fernsehen schauen. Nach der Wende hab ich mir jedes Spiel von denen angesehen. Ich war ja auch zum Finale gegen Chelsea im Stadion. Scheiße war’s.

Welches Lied lindert den Schmerz?

Keins. Da hilft keine Musik. Diese schreckliche Niederlage ist auch noch nicht so ganz bei mir angekommen. Die Erkenntnis sickert langsam durch und das tut richtig weh.

 

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