AZ-Interview Motivationstrainer Erich Lejeune über den Löwen-Abstiegskampf

Erich Lejeune: "Die Löwen müssen mit dem Herzen denken" Foto: dpa/AZ

Vor dem wichtigen Spiel gegen Heidenheim erklärt Motivationstrainer Erich Lejeune erklärt in der AZ, was 1860 vor dem Abstieg retten kann.

München - Der 72-Jährige Erich Lejeune ist Unternehmer und arbeitet außerdem als Motivationscoach und Moderator bei TV München.

AZ: Herr Lejeune, die Löwen stecken mal wieder im Schlamassel. Können sie sich am letzten Spieltag noch vor dem Abstieg retten?
ERICH LEJEUNE:
Ich hoffe es. Die Löwen sollen am Sonntag nur an die Fans denken, nicht an den Abstieg. Das ist ganz wichtig. Man ist, was man denkt. Es kommt drauf an, wie man sich programmiert. Alle Spieler müssen sagen: Erstens, wir haben ein Ziel, wir gewinnen heute. Zweitens: Wir wollen gewinnen. Und drittens: Wir gewinnen.

Ist man nach einer so verkorksten Saison nicht schon falsch programmiert?
In so einer Situation muss man mit dem Herzen denken, nicht mit dem Kopf. Wenn man zu verkopft ist, macht man Fehler. Die verkorkste Saison muss man jetzt abhaken.

Das klingt einfach.
Das ist auch einfach! Fußball spielen können Sie ja. Und mit der Motivation ist es so, sie funktioniert, wenn man dran glaubt. Die Löwen haben ja ein klares Ziel, das kann nur heißen, die Klasse zu halten. Und es darf nicht sein, das Sechzig in die dritte Liga absteigt. Das geht gar ned. Die müssen jetzt positiv bleiben, an die nächste Saison denken. An die Zukunft.

Zukunftsdenken gab es bei den Löwen ja während der ganzen Saison. Aufstieg, Träume vom Europapokal...
Ja, aber das war nicht realistisch. Sechzig ist ein Münchner Verein und doch weit weg von der arabischen Welt. Man muss aufpassen, dass das Münchner Herz nicht verlorengeht. Die Spieler sollen sich daran erinnern, was der Verein und die Fans schon alles geleistet haben.

Jetzt soll es ein kurzfristig anberaumtes Trainingslager in Bad Wörishofen richten. Was ist dort noch rauszuholen?
Das ist eine rein mentale Geschichte – dass die Spieler zusammen ein Team bilden, dass sie sich verbinden und sich einschwören. Wichtiger wäre aber, dass sich der Trainer mal einen Sechzig-Schal umbindet, das ist meine Meinung.

Was soll das bringen?
Er muss zeigen, dass er die Farben, den Verein richtig versteht. Blau und Weiß!

Wie schwer wiegt es, dass Trainer Vitor Pereira keine Erfahrung im Abstiegskampf hat?
Das ist schon ein Faktor. Aber ein Trainer muss einfach wissen, wie man drin bleibt. Er darf keine Unsicherheit ausstrahlen. Und er sollte nur die Spieler aufstellen, die absolut vom Klassenerhalt überzeugt sind. Eine wichtige Rolle spielt auch Daniel Bierofka, der ist ein Kämpfer, der muss die Mannschaft richtig einpeitschen.

Ist ein Bierofka in dieser Situation vielleicht sogar wichtiger als ein Pereira?

Er spielt zumindest eine gleichwertige Rolle. Ganz sicher.

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