AZ- Interview mit Zwei-Sterne-Koch Tohru Nakamura: „Ich bin einfach superhappy“

Der Chefkoch Tohru Nakamura aus München freut sich. Im Guide Michelin steht er jetzt mit zwei Sternen. Foto: dpa

Tohru Nakamura vom Werneckhof hat seinen zweiten Stern erkocht. Die AZ hat mit dem Münchner Küchenchef gesprochen.

 

Seit Donnerstag hat München mit Tohru Nakamura (34) einen neuen Zwei-Sterne-Koch, gekürt von den strengen Testern der Gourmetbibel Guide Michelin. Die AZ hat mit dem Küchenkünstler gesprochen, der seit Frühjahr 2013 Küchenchef in Geisels Werneckhof ist.

AZ: Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Stern, Herr Nakamura.
TOHRU NAKAMURA: Vielen Dank. Es ist schön, dass die Leistungen des letzten Jahres derart honoriert wurden.

Haben Sie damit gerechnet? Schließlich wurden Sie ja als heißer Anwärter für zwei Sterne gehandelt.
Es gab eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass wir aufgewertet werden, auch unsere sehr positive Gästeresonanz ist ein Barometer. Mit dem zweiten Stern kann man aber nicht rechnen, nur darauf hoffen. Dass wir Tag für Tag Höchstleistungen bringen, ist selbstverständlich.

Sie sprechen sicher nicht im Pluralis Majestatis, sondern meinen mit „wir“ Ihr Team.
(lacht) Klar! Abgehoben bin ich nicht und werde ich auch nie sein. Ohne ein Spitzenteam, das gemeinsam und voll Elan an einem Strang zieht, wäre so ein Erfolg nicht möglich.

Bei aller Bescheidenheit: Sie waren schon „Entdeckung des Jahres“ und „Koch des Jahres“, haben 18 Gault-Millau-Punkte erkocht und zwei Sterne.
Da steckt natürlich eine lange Entwicklung dahinter, das kommt nicht von heute auf morgen. Man braucht auch einen gewissen Ehrgeiz und sehr viel Begeisterung für den Beruf. Talent allein macht noch gar nichts aus. Das hat einen kleinen Anteil am ganzen Erfolg.

Der wirklich sensationell ist, vor allem das Tempo.
Manchmal kann ich das selbst noch gar nicht so richtig realisieren. Ich bin einfach superhappy, was da alles passiert. Das Gefühl von damals, als 2013 nach nur einem halben Jahr im Werneckhof, bereits die Auszeichnung mit dem ersten Michelin-Stern kam, werde ich nie vergessen.

Wie war das beim zweiten?
Ich war gerade am Viktualienmarkt beim Kaffeetrinken, als ich den Anruf bekam, dass wir zwei Sterne bekommen. Ich war einfach glücklich.

Wen haben Sie sofort über die frohe Botschaft informiert?
Michael Geisel, meinen Chef. Seine Reaktion war erstmal ein längeres Schweigen. Er war vor Freude richtig baff. Nachdem ich quasi die berufliche Familie informiert hatte, kam dann natürlich die private. Meine Frau hat ja mitgefiebert und die Nervosität der letzten Tage mitbekommen. Sie ist mindestens so glücklich wie ich über die Auszeichnung.

Ihre Frau ist auch Köchin, im Restaurant Anna.
Ja, weil wir denselben Beruf haben, kann sie alles auch so gut nach- und mitempfinden. Besonders schön war, dass sie jetzt auch im Werneckhof das Team unterstützen konnte.

Als Sie in Berlin bei der Sterne-Gala waren?
Genau, da fehlten ja meine beiden Hände in der Werneckhof-Küche. Schon praktisch, wenn es in der eigenen Familie noch einen weiteren guten Koch beziehungsweise eine gute Köchin gibt.

Wie war die Verleihung?
Als mein Name aufgerufen wurde, war das schon ein bewegender Moment. Greifbar wurden die zwei Sterne bereits zuvor hinter der Bühne – als ich eine mit zwei Sternen bestickte Kochjacke bekam.

Nach wenigen Stunden standen Sie schon wieder am Herd.
Natürlich, das Leben geht weiter. Die Gäste haben reserviert. Am Sonntag wird im Team noch groß gefeiert und da lassen wir uns mal bekochen.

 

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