AZ-Interview mit Stadträtin OB-Kandidatin Frank: "Ich bin kein klassischer CSUler"

"„Werde nicht von heute auf morgen nur noch Autofahren": Auch wenn sie Oberbürgermeisterin werden sollte, will Kristina Frank (CSU) vornehmlich mit dem Radl unterwegs sein Foto: Sigi Müller

Im AZ-Interview spricht Kristina Frank über ihren Plan für die OB-Wahl 2020, ihre Fußball-Leidenschaft und ihre Liebe zum Radl.

 

München - Seit etwa einem Monat ist raus, dass Kristina Frank 2020 für die CSU bei der OB-Wahl antreten wird. Wer ist diese Frau? Wie tickt sie und was will sie in München bewegen? Die AZ hat sich mit ihr auf dem Viktualienmarkt getroffen.

AZ: Frau Frank, was wurden Sie seit der Bekanntgabe Ihrer Kandidatur am häufigsten gefragt?
Kristina Frank: Das war wahrscheinlich die Frage, warum die CSU 2020 mit einer Frau zur Kommunalwahl antritt.

Und Ihre Antwort? Warum tut die CSU das?
Ich glaube nicht, dass es primär darum geht, dass ich eine Frau bin. Die CSU schickt mich als Person ins Rennen. Ich glaube, man muss tatsächlich etwas wegkommen von der Diskussion Mann oder Frau als Kandidat. Man sollte eher das sehen, wofür jemand steht.

Frank: "Es wird Zeit für eine Frau auf dem OB-Sessel"

Und wofür stehen Sie?
Ich stehe für einen sehr münchnerischen Kurs. Für einen Kurs, der auch die Bedürfnisse junger Familien in den Vordergrund stellt. Natürlich stehe ich inhaltlich als gebürtige Münchnerin eher für eine liberale Einstellung, für diesen Teil der Volkspartei CSU und weniger für die klassischen, vor allem ländlich geprägten CSU-Positionen.

Aber dass die CSU bei einem solchen Spitzenposten mit einer Frau antritt, ist ja nun auch keine Selbstverständlichkeit.
Ich glaube, dass auch Spitzenpositionen ausgeglichen sein müssen. Genauso wie es in der Gesellschaft ungefähr gleich viele Männer wie Frauen gibt, müssen auch in der Politik Männer und Frauen ausgewogen vertreten sein. Schließlich vertritt die Politik das gesamte Volk!

Im Oberbürgermeister-Sessel saß bislang aber noch eher selten eine Frau.
In München saß dort noch nie eine Frau! Deswegen wird es Zeit, dass eine Frau diese Position übernimmt. Eine weibliche Oberbürgermeisterin könnte ganz andere Schwerpunkte setzen als es ein Mann tun würde.

Was werden Ihre Schwerpunkte denn sein?
Die Themen Mobilität und bezahlbares Wohnen spielen natürlich eine sehr entscheidende Rolle. Für mich persönlich ist aber auch die Digitalisierung wichtig, die für meine Begriffe in der Stadtpolitik bislang viel zu kurz kommt.

"Der Service muss zum Bürger und nicht der Bürger ins KVR"

Worum geht’s Ihnen da?
Es geht darum, die Möglichkeiten der Digitalisierung sinnvoll zu nutzen. Autonomes Fahren, Parkplatzsuche per App – solche Dinge. Es geht aber vor allem auch darum, dass die Münchner nicht wegen jeder Kleinigkeit ins Bürgerbüro gehen müssen, sondern vieles online von zu Hause aus erledigen können. Dass der Service zum Münchner kommt und nicht der Bürger ins KVR. Wie es in anderen Städten in Bayern und Deutschland heute schon üblich ist.

München mit einer Oberbürgermeisterin Kristina Frank wird also ein smartes München, in dem man wieder mehr Zeit für sich hat?
In der man vor allem weniger Zeit für die Dinge aufwenden muss, die man persönlich als lästig oder unnötig zeitraubend empfindet.

Wenn wir kurz auf den Anfang des Gesprächs zurückkommen: Was die meistgestellten Fragen betrifft, hätten wir gedacht, dass die Leute wissen wollen, ob Sie überhaupt anzapfen können.
(lacht) Das bin ich tatsächlich noch nie gefragt worden.

Aber könnten Sie’s?
Das werden wir dann sehen.

Noch nie gemacht?
Klar habe ich schon mal angezapft. Bislang ist immer Bier rausgekommen.

Nach wie vielen Schlägen?
Unterschiedlich.

"Ich will nicht, dass aus München eine 08/15-Stadt wird"

Was gehört für Sie zu München?
Natürlich die Wiesn, die Maß im Biergarten, aber auch die Berge, das Umland, dieses Leben und leben lassen. Das ist, was München schön und spannend macht. Ich will nicht, dass München eine 08/15-Stadt wird. Deshalb gibt es ganz viele Punkte, auf die wir achten müssen, auf eine ansprechende Architektur zum Beispiel. Eine Architekturdebatte in München, die Bürgermeister Manuel Pretzl angestoßen hat, war überfällig und muss unbedingt weitergeführt werden. Und natürlich gehören für mich noch andere Leidenschaften dazu, zum Beispiel die Liebe zu unseren beiden großen Fußballvereinen.

Wir dachten, für Sie gibt es nur einen großen Verein.
Mein Fußballherz schlägt für den FC Bayern – alles andere wäre gelogen. Aber ich finde es generell cool, wenn man sich für etwas begeistern kann, wenn man mitgehen und mitfiebern kann.

Haben Sie Ihre Dauerkarte eigentlich noch?
Ja, die habe ich seit 1996. Die Uefa-Cup-Begegnung gegen Barcelona, einen Tag vor meinem 15. Geburtstag – das war damals mein erstes Spiel. Aber zu jedem Heimspiel schaffe ich es heute nicht mehr ins Stadion, vielleicht noch zu jedem zweiten.

Wie kam’s zu Ihrer Fußballbegeisterung? Ist der Papa Fußballfan?
Meine Eltern schauen zwar wichtige Spiele, interessieren sich aber sonst gar nicht für Fußball. Ich habe damals schon in einer Mädels-Mannschaft gespielt, beim SV Untermenzing. Wir mussten ganz schön über Land fahren, um überhaupt Gegner zu finden. Mein damaliger Freund war ein großer Bayern-Fan und er und sein Spezl hatten jeweils eine Dauerkarte. Zum Glück wollte sein Freund nicht mehr so oft rausgehen, da hat er die Karte auf mich überschrieben – und ich habe sie seitdem nicht wieder hergegeben.

Wenn Sie OB werden, haben Sie dann überhaupt noch Zeit für Fußball?
Ich glaube, auch der Oberbürgermeister ist das ein oder andere Mal im Stadion. Das ist letztlich eine Frage, wie man Prioritäten setzt. Und ich glaube, ich wäre nicht ich, wenn ich nicht mehr in der Südkurve wäre.

Frank: Yoga statt Mittagessen im Büro

Wie machen Sie das denn generell? Sie sind ein aktiver Mensch, haben ein Kind, einen anspruchsvollen Job. Wie kriegt man das alles unter einen Hut?
Das ist manchmal echt schwierig. Aber man muss einfach schauen, dass man straff an die Dinge rangeht. Man darf nicht zu viel hadern. Wenn man eine Sache durchdacht hat, dann muss man eine Entscheidung treffen und nicht noch ewig hin und her tun. Wenn man das so macht, im Privaten wie im Berufsleben, dann kriegt man das schon irgendwie hin. Mir gibt das alles Energie, die Familie, der Sport, der FC Bayern. Gerade Sport ist für mich auch Akkuaufladen.

Wann machen Sie Sport?
Wann immer möglich, zum Beispiel statt Mittagessen. Für Yoga braucht man nicht viel, nur eine Matte. Das geht auch im Büro.

Und wie kriegen Sie das mit dem Kind hin? Haben Sie sich bei dem Kleinen die Genehmigung abgeholt, als OB-Kandidatin antreten zu dürfen?
Ich habe das mit meinem Mann und mit meiner Familie besprochen. Ferdinand ist jetzt zwei. Ich weiß nicht, ob ein Kind in diesem Alter überhaupt schon weiß, was eine Oberbürgermeisterin ist.

Aber Ihren Mann haben Sie schon für die Kinderbetreuung verpflichtet?
Mein Mann hat gerade eine neue, herausgehobene Position übernommen und ist deshalb beruflich ebenfalls sehr eingespannt.

Es wird also ein Wahlkampf mit Kind im Tragetuch.
Ferdinand lässt sich gar nicht mehr ins Tragebuch binden. Klar, es wird Anlässe geben, wo er gut teilnehmen kann. Ich habe beispielsweise ein paar Termine als Kommunalreferentin, die für Kinder absolut geeignet sind. Auf dem Hoffest in Riem gibt es jedes Jahr eine Hüpfburg aus Strohballen. Für Kinder ist das das Höchste. Zudem stehen dort Traktoren. Ferdinand liebt Traktoren! Aber es wird sicher viele Termine geben, wo es keinen Sinn macht, meinen Sohn mitzunehmen, weil sie viel zu langweilig für ihn wären.

Da müssen dann die Großeltern einspringen?
Wir haben zum Glück meine Schwiegereltern hier, meine Mama, meine Schwester, meinen Schwager, Babysitter – in dieser Kombination lässt sich das meist irgendwie regeln.

"Die Öffnungszeiten der Kitas müssen länger werden"

Klingt aber so, als müsste man die Kinderbetreuung in München ein bisschen aufpäppeln. Ein solches Netz hat ja nicht jeder in der Stadt.
Klar, das ist ein riesiges Thema. Die Öffnungszeiten der Kitas müssen dringend länger werden. Die Arbeitszeiten heute sind nicht mehr so, wie sie früher mal beim klassischen nine-to-five-Job waren. Die Arbeitszeiten haben sich dadurch verschoben, dass Wirtschaft heute globalisiert funktioniert. Deshalb finde ich den Vorstoß des Freistaats gut, auch mal an einen Kita-Bus zu denken. Wenn man die Möglichkeit hat, sein Kind nicht immer selbst in die Kita bringen zu müssen, entzerrt das die Sache schon ein wenig. Es könnte auch helfen, wenn die Kita um 7 Uhr aufmacht und nicht erst um acht. Dann müssten sich Eltern vor der Arbeit nicht mehr so abhetzen.

Das lässt sich jetzt aber nicht von heute auf morgen lösen.
Das ist ein ziemlich dickes Brett, das man da bohren muss. Auch das Thema mit den 14 Wochen Schulferien müssen wir angehen. Es ist für Eltern immer ein Riesenproblem, diese Zeit abzudecken, wenn der Hort geschlossen ist.

Ist da in den vergangenen Jahren zu viel verschlafen worden?
Naja, vor 2014 ist nicht ausreichend angepackt worden. Seitdem die CSU in der Stadtregierung ist, haben wir aber enorm angepackt. Wir haben eine große ÖPNV-Offensive gestartet, die Nahmobilitätspauschale erhöht, für den Radverkehr viel getan... 

...beim Radverkehr gibt aber schon noch viel Verbesserungspotenzial, oder? Sie fahren ja selbst viel Rad.
Ich fahre in der Stadt eigentlich nur Radl.

Lesen Sie hier: "Radentscheid" - Endlich ein lückenloses Fahrrad-Netz!

Auch morgens ins Büro?
Klar. Wir wohnen in Neuhausen. Da brauche ich 20 Minuten zur Arbeit.

Mit dem Auto ist man da nicht schneller.
Für mich ist das Radl das beste Verkehrsmittel. Aber da muss jeder für sich entscheiden, was für ihn am besten ist.

Verstehen Sie als Radlerin denn die Debatte um die vermeintliche Radlhauptstadt München?
Es ist schon vieles ganz gut, aber klar: Es gibt Verbesserungspotenzial – gerade jetzt im Winter. Da kommt’s schon ab und zu zu gefährlichen Situationen. Aber wir können ja auch nicht überall unter den Radwegen eine Fußbodenheizung verlegen.

"Wenn ich keine Chance hätte, würde ich nicht antreten"

Schade, Fußbodenheizung für alle Radwege wäre jetzt mal ein ordentliches Wahlversprechen für 2020 gewesen.
Ökologisch wäre das totaler Unsinn. Man kann sich als Radler auch anders gegen die Kälte wappnen, zum Beispiel mit Spikes an den Reifen oder speziellen Winterreifen.

Sie fahren mit Spikes?
Nein, leider nicht. Deswegen schmeißt es mich wahrscheinlich auch jeden Winter ein paar Mal.

Auweh!
Ja, ist aber bis auf ein paar Prellungen und Schürfwunden nie was Ernsthaftes passiert.

Als Oberbürgermeisterin wird’s eh vorbei sein mit dem Radlfahren.
Nein, das sehe ich nicht so. Ich werde sicher nicht von heute auf morgen nur noch Auto fahren.

Wahrscheinlich wird’s ja eh noch ein bisschen dauern. 2020 Reiter stürzen, wird schwierig, oder?
Natürlich ist es immer schwierig, den Amtsinhaber zu schlagen. Aber wenn es nicht mein Anspruch wäre, würde ich nicht antreten.

Aber 2026 könnte es einfacher werden.
2026 tritt Dieter Reiter auf jeden Fall nicht mehr an.

Sehen Sie da jemanden bei der SPD, der Ihnen als Konkurrent gefährlich werden könnte?
Bis dahin fließt noch so viel Wasser die Isar runter. Es wäre wirklich vermessen zu sagen, wer 2026 bei der SPD eine Rolle spielen könnte und wer nicht.

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