AZ-Interview mit Rosi und Christian Neureuther Karriereende von Felix: "Das Leben fängt jetzt erst an"

Sportliche Familie (v.l.): Felix Neureuther, seine Frau Miri, Mama Rosi Mittermaier und Vater Christian Neureuther. Foto: imago

Rosi Mittermaier und Christian Neureuther sprechen über den Ski-Rücktritt ihres Sohnes und die Zukunft: "Der Felix hat schon sehr gehadert. Aber am meisten profitiert die kleine Matilda".

München - AZ-Interview mit Rosi Mittermaier und Christian Neureuther. Die Eltern von Felix Neureuther waren beide selbst erfolgreiche Skifahrer. Mittermaier gewann bei Olympia 1976 zwei Goldmedaillen.

AZ: Frau Mittermaier, Herr Neureuther, wie sah Ihr Sohn aus, als er am Tag eins nach seiner Karriere als Skirennläufer nach Hause kam?
CHRISTIAN NEUREUTHER: Gut. Also so, als wäre er nicht so früh ins Bett gegangen. Wir haben ihn aber auch nur eine Stunde lang gesehen.

Wie haben Sie das letzte Weltcuprennen Ihres Sohnes erlebt?
ROSI MITTERMAIER: Das war ein Wahnsinnstag, sehr schön, sehr spannend. Wir sind schon früh aufgestanden und waren wahrscheinlich aufgeregter als der Felix. Abseits der Piste, zuhause, ist das nämlich alles ein bisschen aufregender. Aber das wissen die Läufer gar nicht, die da am Start stehen.
NEUREUTHER: Das ZDF hat am Sonntag das geschafft, was Fernsehen schaffen muss: Emotionen erzeugen. Dafür sind wir dankbar.

Wie froh sind Sie als Mutter, dass es für den Bub nun mal ein Ende hat mit der Quälerei?
MITTERMAIER: Froh bin ich nicht, weil es war ja eine herrliche Zeit, und ich weiß ja, was für eine Leidenschaft bei diesem Hochleistungssport mit dabei ist. Das ist ein spannendes Leben. Der Felix hat schon sehr gehadert. Uns hat er es auch erst vor Kurzem angedeutet, als er vom Rennen in Kranjska Gora zurückkam: "Mein Knie ist so dick, jetzt muss ich wieder Kernspin machen." Wir haben ihm nicht reingeredet. Es war seine Entscheidung, er muss damit glücklich sein, dann ist man als Mutter natürlich überglücklich – und froh, dass es doch so gut abgegangen ist. Schließlich ist das schon ein Sport, der sehr fordert. Aber solange das Sachen sind, die gut verheilen, ist alles gut. Das Leben ist noch lang, es fängt ja jetzt erst an!

Sie haben Ihre Karriere damals einigermaßen schmerzfrei beenden können – oder gab es bleibende Schäden?
NEUREUTHER: Naja, wenn ich sehe, wie sie jeden Morgen aus dem Bett kriecht – da muss der Sport doch irgendwie seine Spuren hinterlassen haben. . . (lacht)
MITTERMAIER: Mei, es hat ein paar Bein- und Armbrüche gegeben, aber nicht so viele Verletzungen an den Gelenken wie heutzutage am Knie. Das hat sich verändert: Durch die Carving-Ski geht halt alles auf die Gelenke. Kreuzbandrisse ohne Sturz, nur durch ein bisserl Verschneiden! Das ist tragisch. Wenn man all die Mädchen sieht: So viele Kreuzbandrisse! Das tut mir im Herzen weh. Da ist der Sport schon sehr extrem geworden.

Frau und Kind werden sicher froh sein, dass der Papa künftig nicht mehr so oft humpeln muss.
MITTERMAIER: Am meisten profitiert von Felix’ Rücktritt die kleine Matilda. Die läuft schon mit Skistöcken durchs Wohnzimmer. Aber das hat sie gar nicht vom Felix, sondern von der Mama, weil die ja beim Langlauf auch immer mit Stöcken geht. Und seine Frau, die Miri, profitiert natürlich auch davon, dass der Felix jetzt mehr da ist. Insofern ist alles wunderbar. Und wenn man weiß, wo es den Felix überall zwickt, hinten und vorn... Er kann gar nicht gescheit die Hand geben, weil da an dem gebrochenen Daumen noch die Schrauben drin sind, er muss immer noch die linke Hand geben. Da weißt du schon Bescheid. Er hat ja eine schöne Zeit gehabt.

Und für Sie bedeutet das künftig wieder weniger Fernsehen am Wochenende, oder?
MITTERMAIER: Im nächsten Jahr haben wir dann alle Freunde von Felix, denen wir zuschauen und denen wir wie bisher weiterhin die Daumen drücken: dem Ted (Ligety, Anm. d. Red.), dem Julien (Lizeroux, d. Red.) und all den anderen.
NEUREUTHER: Aber du willst dir doch nen Neuen suchen, hast du gesagt.
MITTERMAIER: Stimmt, ich muss jetzt mal ein bisschen in die jüngeren Jahrgänge gehen.
NEUREUTHER: Also ich glaube nicht, dass uns langweilig wird, wenn der Stefan Luitz, der Thomas Dreßen und alle Freunde vom Felix fahren, fiebern wir genauso mit. Wobei: Wir brauchen nicht reden: Wenn der eigene Bua fährt, ist das eine eigene Liga, keine Frage.

Wann waren Sie zum letzten Mal mit dem Junior beim Skifahren?
NEUREUTHER: Am vergangenen Mittwoch waren wir noch zusammen beim Langlaufen. Aber beim Skifahren? Letztes Jahr nicht wegen dem Kreuzbandriss, dieses Jahr auch noch nicht. Aber im nächsten Jahr dann, wieder ein bisschen korrigieren. . .
Wie geht nun das Leben des Ex-Rennläufers Felix Neureuther weiter? Erst mal die Füße hoch?
NEUREUTHER: Der hat viel zu tun! Kinder-Camp, Presse-Camp, Schul-Camp, am Donnerstag muss er nach Hamburg. Da gehen sie mit einem Zahnarzt-Mobil in die sozialen Brennpunkte der Stadt, zu Leuten, die auf der Straße leben. Auf der Reeperbahn war er mit so einem Projekt für Obdachlose auch schon, kurz nach der WM in Are. Es ist ganz gut, wenn du dann sowas siehst.
MITTERMAIER: Da kam er ganz beeindruckt nach Hause und hat gesagt: „Du, da geht’s uns schon sehr gut.“ Das ist wichtig, das tut gut, wenn man zwischendrin mal wieder so was sieht. Aber er ist eh bodenständig. Der Felix braucht nicht viel.

Andere Leute würden an seiner Stelle jetzt mal einen äußerst ausgiebigen Urlaub nehmen.
MITTERMAIER: Ich glaube, er kommt gar nicht dazu.
NEUREUTHER: Vor Ende Mai ist da keine Zeit. Aber das ist wichtig. Stell dir mal vor, du kommst nach Hause und weißt am nächsten Tag nicht, was du tun sollst.

 

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