AZ-Interview mit Pippi-Darstellerin Inger Nilsson: "Weltmeister wird das Taka-Tuka-Land"

"Sie steht halt für viele Charakterzüge, die jeder gerne hätte", sagt die schwedische Schauspielerin Inger Nilsson über ihren Filmcharakter Pippi Langstrumpf. Foto: dpa

Als Darstellerin von Pippi Langstrumpf wurde Inger Nilsson weltbekannt. Im WM-Gespräch redet sie über Schweden, darüber, was Pippi und Zlatan Ibrahimovic gemein haben – und über die Autorin Astrid Lindgren.

 

Die jetzt 59-jährige Schwedin wurde in ihrer Kindheit als Darstellerin von Pippi Langstrumpf weltberühmt. Sie arbeitet weiterhin als Schauspielerin.

AZ: Frau Nilsson, denkt man bei uns an Schweden, kommen einem gleich Abba, Ikea, Elche, der Nobelpreis, Königin Silvia, Astrid Lindgren und Pippi Langstrumpf in den Sinn. Gratulation, dass Sie es geschafft haben, als Pippi-Darstellerin eine nationale Identifikationsfigur zu werden!
INGER NILSSON: (lacht) Vielen Dank, aber das ist viel zu viel der Ehre. Aber: Es ist schön, dass Pippi Langstrumpf immer noch unvergessen ist. Sie steht halt für viele Charakterzüge, die jeder gerne hätte. Pippi ist so, wie jeder von uns irgendwo gerne sein würde. Sie ist stark, sie ist mutig, sie ist stolz, sie ist abenteuerlustig und setzt sich für die richtigen Dinge ein. Ich glaube, das ist das Erfolgsgeheimnis der Figur, dass jeder von uns ein bisschen Pippi in sich trägt und wenn er es nicht tut, es zumindest gerne würde.

Wir sprachen schwedische Berühmtheiten an – was symbolisiert für Sie noch Schweden?
Unser Sommer. Die Winter sind oft sehr kalt, sehr grau, aber wenn die ersten Sonnenstrahlen des Sommers kommen, hält uns nichts drinnen, weil wir dort so viele Monate waren. Alle Schweden strömen auf die Straßen, die Natur und das Leben explodiert. Wir nehmen jede Sekunde des Sommers in uns auf, weil wir wissen, der nächste Winter naht. Ich frage mich dann oft, wo kommen denn die ganzen Menschenmassen her? Wo waren sie all die Monate? (lacht)


Inger Nilsson (links) und die deutsche Schauspielerin Helene Grass 2016 bei einer Laudatio in Lübeck. Foto: Markus Scholz/dpa

Inger Nilsson: "Wer Schweden feiern sehen will..."

Wie fußballinteressiert sind die Schweden eigentlich? Am Samstag geht es bei der Weltmeisterschaft ja gegen Deutschland.
Wir sind schon eine Fußball-Nation, wenn auch sicher nicht in dem Ausmaße wie Deutschland oder etwa Italien. Und die Euphorie war sicher noch größer, als Zlatan Ibrahimovic noch für Schweden gespielt hat. Zu seinen Zeiten wusste immer jeder, wann Schweden spielt. Er ist eine Legende bei uns. Aber wir Schweden lieben Fußball schon, wenn auch nicht so sehr wie Eishockey!

Da ist Schweden gerade wieder Weltmeister geworden.
Ja, und es gab in Stockholm eine riesige Parade für die Champions. Wer Schweden feiern sehen will, der soll bei so einem Anlass vorbeikommen, da ist einiges los. Leider habe ich es dieses Mal verpasst, weil ich arbeiten musste. Aber ich liebe diese Feiern. Ich bin nicht der größte Sport-Fan, aber die Stimmung, die dann herrscht, liebe ich ungemein.

Inger Nilsson: Deshalb würden sich Zlatan und Pippi so gut verstehen

Warum wird Ibrahimovic so verehrt in Schweden?
Weil er ein unglaublicher Charakter mit einer einzigartigen Persönlichkeit ist. Mit ihm wurde es nie langweilig. Ich kenne vom Namen her keinen aktuellen schwedischen Nationalspieler. Aber Zlatan kennt jedes Kind. Er sprach ja von sich selber auch oft in der dritten Person. "Zlatan findet das nicht gut", sagte er etwa. Der Unterhaltungswert war enorm. Und er hat ja eine extrem schwere Kindheit gehabt, er ist sein ganzes Leben ein gewaltiger Kämpfer gewesen, das imponiert mir. Ich würde ihn liebend gerne mal treffen.

Zlatan und Pippi hätten sich sicher bestens verstanden.
Da bin ich mir sicher. Beide sind ja Rebellen, die ihren Weg gehen, aber das Herz am rechten Fleck haben. Die beiden in einer Mannschaft, das wäre sensationell, das hätte die Welt noch nicht gesehen.

Und dann treten Sie für das Taka-Tuka-Land an, die fiktive Insel, auf der eine von Pippis berühmtesten Geschichten stattfindet.
(lacht) Wunderbar, das wäre grandios. Weltmeister wird dann das Taka-Tuka-Land.

Sie hatten das Privileg, Astrid Lindgren, die Autorin der Pippi-Langstrumpf-Kinderbücher, kennenzulernen. Wie war Sie zu Ihnen, der Darstellerin von Pippilotta Viktualia Rullgardina Krusmynta Efraimsdotter Långstrump?
Sie war eine sehr interessante Frau. Die Menschen haben immer eine völlig falsche Vorstellung von ihr. Sie glauben, dass sie dieser Großmutter-Typ war, der stets irgendwelche Geschichten erzählt hat. In Wirklichkeit haben wir über alles geredet, über die Dinge, die in der Welt vorgehen, sie hat einen aufgebaut und Mut gemacht. Wir haben uns sehr gut verstanden – bis zu Ihrem Tode.

Im Januar 2002.
Genau, wir waren immer in Kontakt. Sie war zwar nicht die Person, die mich für die Rolle ausgewählt hat, aber als sie mich gesehen hat, hat sie herzhaft „Ja!“ gesagt, das war eine große Ehre für mich.

War die Rolle für Sie, die Sie zu einem weltweiten Kinderstar gemacht hat, Segen oder Fluch? Es wird im Fußball viel über den Druck geredet, dem die Spieler ausgesetzt sind.
Ich verstehe die Diskussion, aber ich kann nur sagen: Ich weiß nicht, wie es ist, unbekannt zu sein. Ich stand immer im Rampenlicht. Man arrangiert sich. Ich will die Rolle als Segen sehen, sie hat mir vieles ermöglicht. Aber natürlich hatte man viele Neider, gerade unter Produzenten und Schauspielern. Da war so eine Stimmung, wenn ich kam, dass man mir das Gefühl am Set gab: "Was willst du hier? Du hattest deinen Moment, du hast schon allen Ruhm der Welt. Jetzt sind wir dran." Aber das gehört wohl dazu, ich empfinde Pippi heute wirklich als Segen für mich. Es war nicht so, dass ich eine Postkarte erhalten habe, auf der stand: "Herzlichen Glückwunsch, Sie haben den Hauptpreis in unserer Lotterie gewonnen, Sie werden Darstellerin von Pippi Langstrumpf!" Ich musste hart dafür arbeiten.

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