Schulweghelferin im AZ-Interview München: Warum Radler die größte Gefahr für unsere Kinder sind

AZ-Interview mit Petra Baumhakl (57). Die Stielerschule ehrt sie als "treue Schulweghelferin". Foto: Daniel von Loeper

Petra Baumhakl (57) ist seit 20 Jahren Schulweghelferin an der Stielerschule. Im Interview mit der AZ spricht sie über die Schüler, deren Sicherheit und die Schwierigkeit des Findens neuer Helfer.

 

München - Neon-gelbe Jacke, rote Kelle und Gummistiefel gehören zur Ausrüstung dieser netten Münchnerin: Seit 20 Jahren hilft Petra Baumhakl morgens Grundschülern über die gefährliche Lindwurmstraße. Die Kinder laufen, rollern oder radeln so sicher auf ihrem Weg in die Stielerschule. Für ihr Engagement wurde die 57-Jährige am Mittwoch in der Schule an der Theresienwiese geehrt.

AZ: Frau Baumhakl, wieso sind Sie Schulweghelferin?
PETRA BAUMHAKL: Ich gehöre hier ins Viertel. Als meine Söhne Grundschüler waren, ist das gekommen: Kindern auf dem Schulweg zu helfen. Danach ist es mir geblieben. Mir macht das nichts aus.

Seit 20 Jahren stehen Sie jeden Schultag von 7.30 bis 8 Uhr an der Lindwurmstraße.
Es gefällt mir, dass ich jeden Morgen aufstehe und Gutes tue. Ich mache das mit Herzblut. Außerdem stehe ich gerne früh auf, meist um 5 Uhr.

Bei Schlechtwetter kostet das doch starke Überwindung?
Bei strömenden Regen sind mir die Gummistiefel voll Wasser gelaufen. Das gehört zur guten Tat. Am Monatsende habe ich eine Aufwandsentschädigung von 60 Euro.

Baumhakl: "Schnelle Radfahrer sind die größte Gefahr"

Was ist für die Schüler am gefährlichsten?
Als größte Gefahr schätze ich schnelle Radfahrer ein. Sie sind oft rücksichtslos, fahren bei Rot und achten nicht auf die Kinder. Das ist nicht lustig. Ich schwinge meine Kelle und schimpfe.

Was ist noch gefährlich?
Schlimm finde ich, dass es Münchner Grundschulen gibt, wie in Milbertshofen, die überhaupt keine Schulweghelfer finden, obwohl es schon einen tödlichen Unfall gab. Doch auch in der Stielerschule steht mittags niemand zur Verfügung. Die Kinder gehen auf eigene Gefahr nach Hause.

Schwatzen Sie eigentlich mit den Schulkindern?
Dafür ist keine Zeit. Aber ich gebe den Kindern aufmunternde Worte mit. Ich frage: alles okay? Dann gibt es immer wieder einen offenen Schuh zu binden, einen Schulranzen zu schließen oder meine Hilfe beim Schulbrotverstauen.

Werben Sie neue Helfer?
Das ist schwer. Dabei müsste es Rentner geben, die eine kleine Aufgabe suchen. Es muss nicht jeden Tag sein. Interessenten wenden sich gerne an die Polizei, die nächste Grundschule oder an das KVR. Schön ist: Die Schüler sind sehr süß zu mir – und die Eltern sind so dankbar.


Zahl der Schulwegunfälle steigt

Alles ist fremd und aufregend, wenn im September Erstklässler mit der Schule beginnen. In Bayern steigt die Zahl der Schulwegunfälle (um 3,7 Prozent auf 707 im Jahr 2018). Deshalb appelliert das Innenministerium an Familien in München „besonders achtsam zu sein“: Eltern sollten bereits jetzt den Schulweg mit ihren Kindern trainieren.

Noch Mitte der 70er Jahre verunglückten in Bayern rund 35 Schulkinder im Jahr tödlich. 2015 und 2016 starben keine Schüler. 2018 stieg die Zahl der getöteten Schulkinder auf vier.

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