AZ-Interview mit Nahost-Experte "Das ist keine historische Wende im Syrien-Konflikt"

Professor Werner Weidenfeld ist sich sicher: Die US-Angriffe gegen Assad werden weder im syrischen Konflikt noch in der Weltpolitik große Folgen haben. Foto: dpa/ho

Ein Experte erklärt, welche Folgen der Angriff der USA haben wird – und welche nicht.

 

AZ-Interview mit Werner Weidenfeld. Der Professor für Politikwissenschaft ist Direktor des Zentrums für angewandte Politikforschung.

AZ: Herr Weidenfeld, droht nun der Dritte Weltkrieg, wie einige befürchten?
WERNER WEIDENFELD: Nein. Einen Weltkrieg haben Sie, wenn viele Akteure entlang der gleichen Konfliktlinie und mit der gleichen strategischen Perspektive arbeiten wollen, wenn das eine Eigendynamik annimmt und sich die Schauplätze des Konfliktes ausdehnen. Das ist hier nicht der Fall. Hier haben wir einen ganz konkreten Konflikt: Syrien, eine dramatische Unmenschlichkeit – und darauf hat Präsident Trump geantwortet.

War diese Antwort richtig?
Trump wollte vermitteln, dass er sich diese zusätzliche mörderische Aktivität in Syrien nicht tatenlos anschaut. Nicht mehr und nicht weniger.

Ging es Trump tatsächlich um die Gräuel in Syrien – oder wollte er von innenpolitischen Problemen ablenken?
Es ging um die Gräuel in Syrien und die Wirkung, die diese dramatischen Bilder haben. Darauf muss jemand wie Trump eine Antwort geben. Und natürlich kalkuliert er damit, dass diese Art von Aktion in Amerika und bei den Verbündeten nicht unpopulär ist; dass man wertschätzt, dass auf Gräuel geantwortet wird. Aber dass er von anderen Dingen ablenken wollte – da unterstellen Sie Trump viel zu viele multidimensionale Rationalitäten.

Welche Folgen wird das Engreifen der USA haben?
Das Verhältnis zu Russland wird konfliktträchtiger. Als Trump ins Amt kam und sich vergleichsweise freundlich gegenüber Putin geäußert hat, hatten viele die Befürchtung: Jetzt kommt eine ganz weiche Welle in Richtung Russland. Nun hat er etwas völlig anderes gemacht. Daran sehen Sie, was die eigentliche Politik von Trump ausmacht: seine Unberechenbarkeit.

Wie wird Moskau reagieren?
Russland wird die verbale Attacke gegen die USA weiter pflegen.

Nur die verbalen?
Ja.

Wird der Luftangriff ein Umdenken bei Assad bewirken?
Nein. Assad ist ein innenpolitisch orientierter Machtmensch. Er hat über Jahre hinweg diese Art von Politik in Syrien betrieben – und sich gehalten. Da können Sie tun, was sie wollen, er wird jetzt nicht über Nacht eine andere Philosophie entwickeln.

Wie stark schwächt ihn der Verlust der Luftwaffenbasis?
Für sein innenpolitisches Überleben reicht, was er hat. Der Konflikt wird kriegerisch weitergehen. Das ist keine historische Wende.

 

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