AZ-Interview mit Michael Steinmaßl "Das ist nichts anderes als Angstmache"

Michael Steinmaßl (32) ist Landwirt im Landkreis Traunstein und setzt sich für das Volksbegehren Artenvielfalt ein. Foto: privat

Michael Steinmaßl (32) ist Landwirt im Landkreis Traunstein und Mitglied im Bioland-Vorstand Bayern. Im Interview mit der AZ verrät er, warum er sich für das Volksbegehren Artenvielfalt einsetzt und weshalb er sauer auf den Bauernverband ist.

AZ: Herr Steinmaßl, es ist ungewöhnlich, dass Landwirte für das Volksbegehren Artenvielfalt werben. Wieso haben Sie unterschrieben?
MICHAEL STEINMAßL: Das Artensterben ist eine der größten Bedrohungen unserer und nachfolgender Generationen. Fast die Hälfte der Gesamtfläche Bayerns wird landwirtschaftlich genutzt. Deshalb müssen wir hier den Hebel ansetzen, um zum Beispiel Lebensräume für Tiere zu schützen. Der Appell an die Freiwilligkeit hat die vergangenen Jahrzehnte nicht gereicht, um das Artensterben einzudämmen. Beschränkungen sind dringend nötig, auch damit kleine Betriebe im Gegensatz zu Konzernen eine Chance und Lebensberechtigung haben.

Der Bayerische Bauernverband (BBV) sieht das anders. Er warnt davor, Ja zu sagen zum Volksbegehren.
Der BBV vertritt auch nicht die Interessen der Kleinen – jahrzehntelang hat der BBV kleine Betriebe hängengelassen, die später aufgeben mussten. Der Verband steht auf der Seite der landwirtschaftlichen Industrie und der Konzerne. Die haben Angst, dass ihr Treiben eingeschränkt wird. Dazu verbreitet der BBV Falschbehauptungen, um die Großen zu schützen.

"Die Kunden wollen mehr Bio aus Bayern"

Sie werfen dem Bauernverband "Fake News" vor?
Zum einen warnt der BBV davor, staatliche Fördergelder bei der Entwicklung und beim Umbau der Landwirtschaft zu mehr Biolandbau würden wegfallen. Das ist gelogen und nichts anderes als Angstmache. Wer freiwillig Umweltleistungen erbringt, etwa beim Öko-Kulap (Kulturlandschaftsprogramm, d. Red.), die den EU-Vorgaben entsprechen, wird auch in Zukunft Unterstützung vom Staat erhalten.

Und die zweite Unwahrheit?
Das ist eher eine Fehlinterpretation. Volksbegehren-Gegner behaupten, es werde eine Öko-Quote vorgeschrieben. Das Volksbegehren schreibt dem Staat ein Ziel vor, das er mit geeigneten Maßnahmen erreichen muss. Dies kann durch Verbraucherbildung und Absatzmöglichkeiten für Bio-Produkte, etwa in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, erreicht werden. Dabei wachsen Märkte für Öko-Lebensmittel jetzt schon kontinuierlich. Die Kunden wollen mehr Bio aus Bayern. Milch beispielsweise kommt zum großen Teil aus Österreich. Das muss sich ändern.

 

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