AZ-Interview mit Kombinierer "Es sind viele Tränen des Glücks geflossen!" - Eric Frenzel über Gold

"Wahnsinn! Ich bin überglücklich!", sagt Kombinierer Eric Frenzel nach seinem Gold-Coup bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang. Foto: dpa

Der deutsche Fahnenträger Frenzel holt – wie schon 2014 in Sotschi – Gold in der Kombination. In der AZ spricht er über den Triumph und schwere Zeiten. "Mir ist bewusst, dass mir etwas Besonderes gelungen ist."

 

Pyeongchang - Der 29-jährige Kombinierer Eric Frenzel war der deutsche Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spielen in Pyeongchang. Am Mittwoch krönte er sich zum zweiten Mal nach Sotschi 2014 zum Olympiasieger.

AZ: Herr Frenzel, jetzt dürfen wir Ihnen schon wieder gratulieren! Erst wird Ihnen die Ehre zu teil, das deutsche Team als Fahnenträger in die Eröffnungsfeier dieser Olympischen Spielen in Pyeongchang zu führen und jetzt wiederholen Sie Ihren Gold-Coup von Sotschi in der Kombination!
ERIC FRENZEL: Vielen Dank! Das hier ist einfach unbeschreiblich. Mir fehlen eigentlich die Worte. Für mich hat sich ein Kreis geschlossen. Gold in Sotschi, dazu alle Gesamtweltcups dazwischen gewonnen und jetzt Gold in Pyeongchang. Wahnsinn!

Hand aufs überglückliche Kombinierer-Herz, wie viele Tränen haben Sie jetzt schon vergossen?
(lacht) Ich kann Ihnen versichern, dass bereits sehr viele Tränen des Glücks geflossen und über mein Gesicht gelaufen sind.

Wie sehr hat es Sie für diesen Wettkampf motiviert und inspiriert, dass Sie eben die Ehre hatten, als Fahnenträger zu agieren?
Das war ohne Frage eine psychologisch stärkende Komponente, weil in der Übertragung der Fahnenträgerschaft auch viel Anerkennung für die gesamte sportliche Laufbahn lag. Ich habe das sehr genossen – es hat mir Stärke verliehen.

Ihre Saison verlief ja bisher alles andere als rund. Wie schwer war es, nachdem im Springen nicht viel lief, noch die Kurve zu kriegen?
Ganz ehrlich? Das war wirklich ein gewaltiger Kraftakt. Wir mussten handeln. Mein Manager Stephan Peplies hatte schon sehr früh in der Saison gemeint, wir müssten der Sache wirklich auf den Grund gehen, warum es bei mir im Springen einfach nicht so richtig klappt. Ich hatte immer das Gefühl, beim Springen nie richtig tief in die Hocke zu kommen. Das war sehr frustrierend. Vor Seefeld haben wir dann Nägel mit Köpfen gemacht.

Sie suchten Spezialisten auf.
Mein Manager hat über 25 Jahre ein Netzwerk mit Spezialisten aufgebaut, die für ihn arbeiten. Diesmal war die Abteilung Muskeln, Sehnen und Gelenke dran.

Wo genau lagen die Ursachen für Ihre Probleme?
Man hat Verklebungen rund um die Knie festgestellt, mit denen ich einfach nicht weit springen konnte. In einigen Sitzungen wurden diese gelöst, auch über diverse biomechanische Aspekte haben wir mit den Sportbiologen gesprochen. Dann habe ich noch meine Bindung gewechselt. Beide Komponenten haben mich wieder in die Spur gebracht.

Im wahrsten Wort-Sinne.
Stimmt. Zum Glück noch rechtzeitig. (lacht)

Wie sehr nagten in dieser Zeit des ungewohnten Nichterfolges Selbstzweifel an Ihnen?
Man muss sich nichts vormachen. Natürlich kamen tief in einem diese Zweifel, die Sie angesprochen haben, auf. Wenn man nicht weiß, was los ist, nagt das an einem. Man weiß nicht: Wird es wieder? Reicht es für Olympia? Für Gold? Aber diese Zweifel haben wir zusammen bewältigt. Man darf sich nicht lähmen lassen, muss gegen die Strömung schwimmen, damit einen der negative Sog nicht nach unten zieht. Ein ganz großer Teil der Medaille gehört meiner Familie, die mir immer den Rücken gestärkt hat.

Wie belohnen Sie sich jetzt für den Gold-Triumph?
Es sind ja noch zwei Wettkämpfe. Da gibt es ja noch denkbare Belohnungen.

Sind Sie sich bewusst, dass Sie hier Geschichte geschrieben haben, dass Sie mit diesem zweiten Gold einen Hauch Unsterblichkeit erlangt haben?
Ja, das mir etwas Besonderes gelungen ist, dessen bin ich mir schon bewusst. Ich bin überglücklich.

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