AZ-Interview mit Hofspielhaus-Chefin Christiane Brammer: "Ich laufe keine Kurzstrecke"

Der Regisseur Dominik Wilgenbus (rechts, in Schwarz) mit seinem Blumenkohl-Ensemble vor dem Hofspielhaus. Rechts: Theater-Chefin Christiane Brammer Foto: Julia Fromm & Thomas Wild/AZ

Das Hofspielhaus in der Falkenturmstraße zeigt Jacques Offenbachs „Herr Blumenkohl gibt sich die Ehre“ als Brettl-Operette.

 

Christiane Brammer: Geboren 1965 in Frankfurt. Sie studierte Gesang in Augsburg und München. Seit 2000 spielt sie die Bea Faller in der Dauerserie „Die Fallers“ des SWR

Im Januar feierte das Gärtnerplatztheater seinen 150. Geburtstag mit dem damaligen Eröffnungsstück „Salon Pitzelberger“. Nun bringt Christiane Brammers Hofspielhaus in der Falkenturmstraße die gleiche Operette von Jacques Offenbach heraus, diesmal unter dem Titel „Herr Blumenkohl gibt sich die Ehre“. (Infos hier)

AZ: Frau Brammer, es gibt über 30 Operetten von Offenbach. Wieso spielen Sie nun auch den „Herrn Blumenkohl“?

CHRISTIANE BRAMMER: Seit der Eröffnung des Hofspielhauses wünsche ich mir, dass Dominik Wilgenbus etwas bei mir macht. Er ist einfach genial, und er hat mir diese Operette vorgeschlagen. „Herr Blumenkohl“ war nur dreimal in der Reithalle zu sehen, und wir haben ein anderes Publikum. Außerdem ist unsere Aufführung viel intimer.

Wie inszeniert Wilgenbus dieses Stück?

Als Brettl-Operette. Das Publikum wird von Herrn Blumenkohl in seinen Salon eingeladen. Und das geht nur in einem kleinen Raum wie dem Hofspielhaus.

Am Ende werden Opern von Donizetti parodiert, die heute keiner mehr kennt.

Dominik Wilgenbus hat eine ganz eigene Fassung erstellt und den Text aus dem Französischen neu übersetzt. Die Musik ist für Cello und Klavier arrangiert. Das macht es kurzweilig. Und die Opern muss man nicht kennen, um Spaß zu haben. Man braucht keine Vorbildung dafür.

Danach wollen Sie mit der Aufführung durch München ziehen.

Kostenlose Operette für alle – das ist mein großes Ziel. Ich suche dafür noch Sponsoren. Leider fördert das Kulturreferat dieses Projekt nicht. Geplant ist, dass wir auf einem Brauereiwagen durch München ziehen und auf dem Platzl oder dem St.-Anna-Platz spielen.

Braucht man dafür nicht eine Genehmigung?

Die braucht man in München für alles. Aber ich habe auch das Hofspielhaus auf die Beine gestellt, und daher werde ich es auch schaffen, dass wir Operette im Freien spielen. In Salzburg gibt es das während der Festspiele seit Jahren – zuletzt mit Unterstützung einer Brauerei.

Von denen gibt es in München ja genügend.

Ich bin dran.

Wollen Sie weitere Operetten spielen?

Sehr gern - am liebsten mit Dominik Wilgenbus. Ich stelle gerade den Spielplan für das nächste Jahr zusammen. Der „Herr Blumenkohl“ wird weiter auf dem Spielplan stehen.

Wo kommen die Sänger her?

Mit den meisten hat Dominik Wilgenbus schon bei der Münchner Kammeroper zusammengearbeitet. Torsten Frisch spielt die Titelrolle, zwei junge Cellisten wechseln sich bei der Begleitung ab.

Wie ist Ihre Bilanz nach einem halben Jahr Hofspielhaus?

Wir hatten wunderbare Aufführungen. „Die Sphinx von Giesing“ war ein großer Erfolg, den wir weiter spielen werden. Nach Theater und Kabarett spielen wir jetzt eine Operette. Die Künstler sind diszipliniert, das Publikum dankbar. Aber es ist sehr schwierig, ohne öffentliche Förderung Theater zu spielen, auch wenn uns der Bezirksausschuss unterstützt hat. Ich werde einen Verein gründen und nach Sponsoren suchen. Aber ich habe nicht vor, nur eine Kurzstrecke zu laufen.

 

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