AZ-Interview mit Haching-Boss Manni Schwabl: "Die Dritte Liga braucht eine Intensiv-Task Force"

Manfred Schwabl ist seit 2012 Präsident der SpVgg Unterhaching. Nach der Corona-Pause kann seine Mannschaft nun wieder trainieren: "Endlich geht es los." Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Haching-Boss Manni Schwabl spricht in der AZ über den geplanten Re-Start am 30. Mai, die zahlreichen Abbruch-Befürworter und wie sich Corona auf die Börsen-Situation der SpVgg auswirkt.

 

AZ: Herr Schwabl, am Donnerstag ist es endlich eingetrudelt – das Signal des DFB, dass die unterbrochene Saison der Dritten Liga nun am 30./31. Mai fortgesetzt werden kann. Wie wichtig war es für Sie und die SpVgg Unterhaching?
Manfred Schwabl:
Es ist ein starkes Signal: Endlich geht es los, endlich dürfen wir wieder Fußball spielen. Wir freuen uns auf elf Spiele in fünf Wochen, auch wenn das ganz schön knackig wird. Wir alle sind Sportler durch und durch und da gibt es doch nichts Schöneres als den Zweikampf auf dem grünen Rasen.

Der Widerstand aus den Reihen der Abbruch-Befürworter reißt nicht ab: Was sagen Sie dazu, dass Halle rechtliche Schritte prüft und Mannheims Geschäftsführer Markus Kompp von einer "Planung aus dem Reagenzglas" spricht, die praktisch nicht durchführbar sei?
Was soll ich dazu groß sagen? Eines muss man aber schon sehen: Wenn die Politik in Sachsen-Anhalt und Thüringen den Vereinen dort wirklich keine Freigabe für die Durchführung von Mannschaftstraining erteilt, wird es natürlich schwierig. Die Frage ist aber, tut man auch alles dafür, um die Freigabe zu erhalten? Das kann und will ich nicht beurteilen. Letztendlich müssen die Behörden vor Ort entscheiden. Was in Mannheim passiert, lasse ich einfach mal so im Raum stehen, weil dort ja jeden Tag was anderes kommt, warum man nicht mehr spielen soll. Für uns ist und war es immer der fairste Weg, die Dinge am grünen Rasen zu entscheiden und nicht am grünen Tisch oder am Schachbrett.

Schwabl über Corona-Krise: "Es wird Gewinner und Verlierer geben"

Die Mannheimer klagen, dass man vom DFB "in die Insolvenz gejagt" werde.
Ich weiß nicht, ob es zu Insolvenzen kommen wird – ich hoffe natürlich nicht. Aber es ist klar, dass es Gewinner und Verlierer geben wird. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns in einer nicht vorhersehbaren Krisensituation befinden, und da muss ich ganz klar sagen: Wir in Haching haben uns von Anfang an mit bestem Wissen und Gewissen auf den Tag X vorbereitet, der jetzt endlich auch naht. Der Auftrag an alle unsere Mitarbeiter war es im Vorfeld, das Hygienekonzept und sämtliche Vorgaben akribisch zu erfüllen, und das haben sie mit Bravour umgesetzt. Denn wenn es um die Gesundheit geht, darf man nicht wachsweich herangehen. Und alles andere können nicht wir entscheiden, das ist der Job der Politik und vom DFB.

Inwieweit wird die Corona-Krise Auswirkungen auf die finanzielle Situation bei Haching haben, gerade nach dem Börsengang?
Wir haben das relativ solide im Griff, denke ich. Nicht mehr, nicht weniger. Komplizierte Jonglierereien mit den Zahlen haben wir in der Dritten Liga schon seit Jahren. Es war ja schon vor Corona klar, dass gegen dieses finanzielle Ungleichgewicht etwas unternommen werden muss. Wenn diese Pandemie etwas Positives hat, dann vielleicht die Tatsache, dass jetzt Power in diese Sache reinkommt. Wir brauchen aber keine temporäre Task Force, wie sie jetzt Hals über Kopf schnell bis zum Ende der Saison kommen soll. Da die derzeitige Situation die Lage extrem verschlimmert hat, braucht die 3. Liga eine Intensiv-Task-Force – und das weit über die Saison hinaus. Ich bin froh, dass sich jetzt auch andere Leute dafür einsetzen. Etwa Felix Magath, der durch sein Engagement in Würzburg jetzt auch mal drauf geschaut hat, wie es unterhalb der beiden DFL-Ligen wirtschaftlich so läuft.

Dritte Liga: Haching-Boss hofft auf deutsche Nachwuchsförderung

Der einfachste Ausweg hieße nach wie vor: Aufstieg in die Zweite Bundesliga.
Solange sich wirtschaftlich in der 3. Liga nichts wesentlich positiv verbessert, ist der Aufstieg die einzige Kur: Es ist ein Riesen-Unterschied, ob du eine Million oder zehn Millionen an TV-Geldern zur Verfügung hast. Ich will aber in Zukunft keinen wirtschaftlich notwendigen Aufstieg aus der rein sportlich gesehen absolut geilen Dritten Liga im Sinn haben – sondern einen Aufstieg aus sportlichen Motiven.

Wie lässt sich die Lage der Dritten Liga verbessern?
Es krankt am strukturellen Grundsystem, weil die Schere zwischen uns und den beiden DFL-Ligen finanziell zu extrem auseinandergeht, aber das prangere ich ja auch schon seit Jahren an. Bislang leider ohne große Wirkung. Ich kann nur hoffen, dass es ab jetzt mehr Mitstreiter gibt, die sich dem Thema wirklich annehmen und den Finger in die Wunde legen. Ich hoffe sehr, dass zukünftig endlich ein größeres Augenmerk auf die deutsche Nachwuchsförderung gelegt wird, denn im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind wir grad alle dabei, den Anschluss komplett aus den Augen zu verlieren. Wir in Haching setzen ja auch schon seit Jahren auf die eigene Jugend. Unser Trainer Claus Schromm hat übrigens im Rahmen seiner Vertragsverlängerung als Vorgabe von mir mit auf den Weg bekommen, dass zukünftig 80 Prozent unseres Profikaders aus den eigenen Nachwuchstalenten bestehen soll. Krisen bergen also auch Chancen und ich würde mir sehr wünschen, dass diesbezüglich jetzt endlich ein Umdenken in Fußball-Deutschland stattfindet.

 

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