AZ-Interview mit EHC-Verteidiger Blake Parlett: "Es hätte viel schlimmer kommen können"

"Es waren gewaltige Schmerzen, als der Puck einschlug", sagt Parlett. Foto: Rauchensteiner/AK

Ein Puck trifft Blake Parlett, seit dieser Saison Verteidiger des EHC Red Bull München, im Gesicht, er verliert mehrere Zähne. In der AZ spricht er über die Verletzungen, die Schmerzen und das Duell gegen die Straubing Tigers.

 

München - Blake Parlett im AZ-Interview: Der 30-jährige Verteidiger wechselte zu dieser Saison zum deutschen Vizemeister EHC Red Bull München.

AZ: Herr Parlett, wie gut können Sie denn im Moment überhaupt reden, nachdem Sie vor zwei Wochen im Training des EHC Red Bull München von einem Schlagschuss direkt ins Gesicht getroffen wurden?
Blake Parlett:
Reden ist gar nicht so das Problem. Es tut noch ein bisschen weh und ich werde sicher noch einige Mal beim Zahnarzt vorbeischauen müssen, da ich doch ein paar Zähne verloren habe und auch ein Knochen in der Mundhöhle gebrochen ist, aber zum Glück ist immerhin der Kiefer nicht gebrochen. Das ist das Wichtigste. Es hätte alles noch schlimmer kommen können. Wäre der Puck zum Beispiel zwei Zentimeter höher eingeschlagen, hätte es meine Augen treffen können. Von dem her sage ich einfach: Alles ist soweit gut.

Wie viele Zähne haben Sie denn verloren?
Zwei in der oberen Reihe sind ganz raus und dann sind noch ein paar weitere abgebrochen. Wie gesagt: Ich bin jetzt erstmal Stammgast beim Zahnarzt. Ich hatte zuletzt wirklich sehr viel Pech mit den Pucks. Es ist ja bereits das zweite Mal, dass ich in gut zwei Monaten am Kopf getroffen wurde. Ich hoffe, das war es jetzt auch. Mir reicht es.

Sie tragen zu Ihrem Schutz zur Zeit einen Vollvisierhelm. Werden Sie den auch weiter nutzen, wenn die Verletzungen alle ausgeheilt sind?
Im Moment geht es einfach nicht anders, aber wenn ich wieder ganz okay bin, werde ich wieder zum Halbvisierhelm zurückkehren.

Parlett nach Verletzung: "Ich kann wieder spielen - das tut gut"

Warum? Es heißt doch, dass man aus Schaden klug wird.
Ja, aber das Vollvisier ist für mich wirklich unangenehm zu tragen. Ich habe wirklich Probleme, gescheit Luft zu bekommen.

Was hat denn Ihre Familie gesagt, als Sie mit Ihren schweren Verletzungen nach Hause kamen?
Natürlich waren sie erschüttert, sie hassen es, wenn sie sehen müssen, dass ich verletzt bin, dass ich Schmerzen habe. Und ich kann Ihnen versichern, es waren gewaltige Schmerzen, als der Puck einschlug. Nicht so sehr in diesem Moment, da ist der Körper unter Strom, da ist man voller Adrenalin. Aber der Schmerz kommt danach. Und er kommt gewaltig. Leider gehören Verletzungen zum Eishockey einfach dazu. Zum Glück ist das Schlimmste für mich jetzt ausgestanden – und ich kann wieder spielen. Das tut gut.

"Extra-Motivation" für Spiel gegen Straubing

Beim letzten Spiel passierte Außergewöhnliches. Der EHC, der Seriensieger, verspielte in Ingolstadt eine 3:0-Führung und verlor am Ende 4:6.
Ja, das ist sehr uncharakteristisch für uns. Und auf eine gewisse Art war das ein gesunder Weckruf für uns alle. Man darf nie glauben, dass man ein Spiel gewonnen hat – auch nicht, wenn man nach wenigen Minuten mit 3:0 führt. Wir werden unsere Lehren daraus ziehen und besser werden.

Wie ist die Stimmung nach so einem Spiel in der Kabine?
Jeder ist brutal angefressen. Wir hassen es, zu verlieren. Und wir sind es in dieser Saison auch einfach nicht gewohnt. Wir werden uns nie dran gewöhnen. Wir hätten das gerne schnellstmöglich geradegebogen, aber leider ist das nächste Spiel erst am Freitag. Wir müssen die Pleite also bis dahin mit uns herumtragen. Aber wir werden sie als Extra-Motivation benutzen. Letztlich machen dich solche Niederlagen stärker, weil der Fokus wieder geschärft ist. Wir hatten einen Traumstart in die Saison, aber unglücklicherweise gewinnt man Meisterschaften nicht, indem man zu Saisonbeginn gewinnt. (lacht)

Jetzt geht es am Freitag im absoluten Topspiel der Liga gegen Straubing – das Team, das im Oktober die Siegesserie der Red Bulls beendet hat.
Stimmt. Das ist jetzt ein sehr wichtiges Spiel für uns. Erster gegen Zweiter und dann eben noch die Vorgeschichte der Niederlage. Wir werden extrem motiviert sein, wir wollen auf jeden Fall den Sieg holen und den Abstand wieder vergrößern. Straubing hat eine wirklich starke Mannschaft.

Lesen Sie hier: EHC München - Die Sünden der roten Bullen

 

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