AZ-Interview mit EHC-Star Derek Roy: "Ich bin wieder ganz nahe an 100 Prozent"

Derek Roy hat 787 Mal in der NHL gespielt und ist vom Niveau in der DEL sehr angetan. Foto: Rauchensteiner

Monatelang ist EHC-Superstar Derek Roy nach einer Schulter-OP ausgefallen. Hier spricht er über die harte Zeit, "die schwerste Verletzung meiner Karriere", die Playoffs und seine Zukunft in München.

 

München - Der ehemalige NHL-Star (787 Spiele) Derek Roy wechselte vor dieser Saison zum EHC Red Bull München, verletzte sich aber gleich an der Schulter. Nach fast fünfmonatiger Pause steht er jetzt wieder auf dem Eis. Mit seinem Team tritt er am Freitag (19.30 Uhr) in Nürnberg an.

AZ: Herr Roy, lange, viel zu lange hat man Sie nach Ihrer schweren Schulterverletzung nicht mehr auf dem Eis gesehen. Jetzt endlich sind Sie – rechtzeitig zu den Playoffs – wieder fit, können für den EHC Red Bull München auflaufen. Wie frustrierend war diese monatelange Pause für Sie ganz persönlich?
DEREK ROY: Natürlich ist es genau das, was man auf keinen Fall erleben will. Man kommt zu einem neuen Verein, will zeigen, was man drauf hat, will dem Klub helfen – und dann verletzt man sich gleich. Ich bin ja auch schon ein paar Jahre in dem Geschäft...

Roy: "Das war die schwerste Verletzung die ich je hatte"

Sie sind 36.
Ja, aber das war wohl insgesamt die schwerste Verletzung, die ich in meiner gesamten Karriere hatte. Ich hatte zwar schon ein paar andere Operationen, aber so lange bin ich noch nie ausgefallen. Daher war es natürlich am Anfang schon frustrierend. Gerade, wenn man auf der Tribüne sitzt und zum Zuschauen verdammt ist, wenn man nichts tun kann, um der Mannschaft zu helfen. Zum Glück haben die Red Bulls ja großartig und sehr erfolgreich gespielt, so dass es nicht ganz so wehtat. Schlimmer wäre es gewesen, wenn sie Probleme gehabt hätten und man selber nichts, aber auch gar nichts tun kann. Aber diese Gedanken, diesen Frust muss man schnell hinter sich lassen. Man kann ja nicht monatelang jeden Tag nur frustriert durch die Gegend laufen. Als dann nach der Operation der Zeitplan feststand, ich ein Datum im Kopf hatte, an dem ich wieder aufs Eis könnte, hatte ich ein Ziel. Und dafür habe ich alles gegeben. Wir haben in Salzburg viel an der Schulter gearbeitet, denn zum einen musste ich natürlich die Kraft und Stärke zurückkriegen, gleichzeitig musste aber alles locker bleiben.

Wussten Sie gleich, dass die Verletzung ernster ist?
Ich hatte vorher schon kleine Probleme, aber nichts Ernstes. Und dann bin ich in einer Partie zu Fall gekommen, und ein anderer Spieler ist ziemlich komisch auf mich drauf gefallen. Ich habe zu Ende gespielt, aber sobald das Adrenalin aus meinem Körper war, habe ich gemerkt, dass ich die Schulter nicht richtig bewegen kann. Ich habe noch gedacht, dass ich nur ein bisschen Pause brauche, ich einfach durch den Schmerz durchspielen kann, denn als Eishockeyspieler ist man Schmerzen zu einem gewissen Grade gewohnt. Aber ich habe gemerkt, dass ich einfach keine Kraft habe. Daraufhin haben wir uns dann zur Operation entschieden, damit ich eben rechtzeitig zu den Playoffs wieder fit bin.

Roy: "Mit unserem Kabinen-DJ bin ich sehr zufrieden"

Sie sind als Hardrock- und Heavy-Metal-Fan bekannt, Metallica ist Ihre Lieblingsband. Wie sehr gefällt Ihnen etwa die Einlauf-Show beim EHC, wenn die Mannschaft zum AC/DC-Gassenhauer "Hells Bells" aufs Eis kommt, eine riesige Glocke vom Hallendach herabgelassen wird?
Das war das einzig Gute an meiner Verletzung: Dass ich mir die Show in aller Ruhe anschauen konnte. Ich bin echt beeindruckt, was da inszeniert wird. Daumen hoch von mir.

Und wie ist Ihr Urteil über den Kabinen-DJ?
(lacht) DJ Kasti.

Stürmer Maximilian Kastner.
Ich bin sehr zufrieden mit seiner Songauswahl. Da ist für jedes was dabei, von amerikanischer Musik bis zu deutschem Schlager. Und auch für mich ist immer wieder was dabei. Aber ich bin trotzdem froh, dass ich die Show jetzt wieder auf dem Eis erlebe, nicht mehr von der Tribüne aus.

Roy: "Ich bin schon sehr nahe an den 100 Prozent"

Wie war der Moment, dann endlich wieder auf dem Eis zu stehen?
Ich muss zugeben, ich war ein bisschen nervös. (lacht)

Trotz 787 Spielen in der NHL?
Ja, ich hatte nicht so viel Skate- oder Schusstraining, daher weiß man nicht genau, wo man steht. Aber es wird jeden Tag besser, und ich denke, dass ich jetzt schon sehr nahe an den 100 Prozent meines Leistungsvermögens bin. Ich liebe die Playoffs, dafür spielen und leben wir. Keiner will jetzt nach Hause fahren. Jetzt schon Urlaub, das wäre die absolute Höchststrafe.

Roy: "Ich bin vom Spielniveau in der DEL sehr angetan"

Sie sind einer der Spieler, den der EHC geholt hat, um die Mannheim Adler wieder vom DEL-Thron zu stürzen.
Ich denke schon, dass ich einer der Spieler bin, auf den auch die Mitspieler schauen werden, wenn es darum geht, den Sieg klar zu machen. Dafür bin ich da, das ist auch mein Selbstverständnis. Ich muss auch sagen, ich bin von dem Spielniveau in der DEL sehr angetan. Es wird sehr schnell, sehr physisch auf dem Eis agiert. Mir macht die Liga Spaß, und uns gefällt auch die Stadt München sehr. Es ist toll, hier spazieren zu gehen, all die großartigen Bauten und Monumente zu sehen, die ganze Geschichte.

Dann sollten Sie auf jeden Fall länger in München bleiben. Die Fans wollen mehr von Ihnen sehen.
Mehr als mich monatelang auf der Tribüne, ja, das ist nicht das, was wir alle uns vorgestellt haben.

Lesen Sie hier: Rückkehrer-Trio - Die Comebacker des EHC vor den Playoffs

 

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