AZ-Interview mit der Ex-Biathlon-Weltmeisterin Miriam Neureuther: "Felix ist ein toller Papa"

, aktualisiert am 16.03.2019 - 19:19 Uhr
Felix und Miriam Neureuther sind seit Dezember 2017 verheiratet. Foto: imago/Sammy Minkoff

Aktuell sitzt die ehemalige Biathletin Miriam Neureuther vor dem Fernseher und sieht ihren früheren Teamkolleginnen zu, wie sie sich bei der Biathlon-WM schlagen.

München - 2011 und 2012 wurde die frühere Biathletin wurde unter ihrem Geburtsnamen Gössner Weltmeisterin mit der deutschen Staffel. Seit Dezember 2017 ist sie mit Skistar Felix Neureuther verheiratet, im Oktober 2017 kam Tochter Matilda zur Welt. Im AZ-Interview spricht Miriam Neureuther über ihr Leben als Mutter, Werte in der Erziehung und Ehemann Felix, der am Samstag bekanntgab, seine Karriere zu beenden.

AZ: Frau Neureuther, bei der Biathlon-WM ist das deutsche Team recht erfolgreich. Wie sehr fühlen Sie mit den früheren Teamkolleginnen mit?
MIRIAM NEUREUTHER: Ich versuche natürlich, so viel wie möglich im Fernsehen mitzubekommen. Und je nachdem, wie es ausgeht, freut man sich oder leidet mit. Ich kenne ja die Mädels und Jungs alle noch sehr gut. Ich bin jetzt eher der Fan, der zuhause vor dem Fernseher mitfiebert und die Daumen drückt.

Neureuther: "Die Laura darf man nie abschreiben – wirklich nie"

Ein großer Erfolg ist Denise Herrmann mit der Goldmedaille in der Verfolgung gelungen. Sie ist ja erst vor drei Jahren vom Langlauf zum Biathlon umgestiegen. Was können Sie mit Ihrer Erfahrung dazu sagen: Wie schwer fällt es, das Schießen zu erlernen?
Ich glaube, sie hatte dafür ein gewisses Talent, weil sie das echt schnell gelernt hat und eine gute Schützin geworden ist. In manchen Situationen ist sie vielleicht noch nicht so routiniert und hat den einen oder anderen Ausreißer mehr. Aber generell kann man sagen: Eine großartige Leistung!

Hätten Sie geglaubt, dass Laura Dahlmeier nach all ihren gesundheitlichen Problemen eine solche Leistung mit zweimal Bronze bringen kann?
Die Laura darf man nie abschreiben – wirklich nie! Ich kenne keinen Menschen, der sich so punktuell und zielorientiert vorbereiten kann wie sie. Sie hat auch mal den Mut, ein Rennen auszulassen, wenn sie das für ihren Formaufbau benötigt. Sie ist bei den Höhepunkten mental extrem stark und weiß, was sie will und was sie dafür machen muss. Und sie hat für sich wieder einen super Weg gefunden nach dem Motto: "Wenn es mit dem Laufen nicht zu hundert Prozent klappt, dann bin ich halt im Schießen bei 110 Prozent."

Neureuther: "Jeder, der Mama oder Papa wird, weiß, dass sich das Leben um 180 Grad dreht"

Man hat manchmal den Eindruck, sie powert sich in der Loipe fast bis zum Zusammenbruch aus.
Das ist schon ein Phänomen, dass sie so krass an die Grenzen gehen kann. Es gibt selbst bei den Topsportlern wenige, die das so gut können. Sie macht ja auch viele Touren in den Bergen, ich glaube, dort lernt sie die Stärke im Kopf. Dieses Durchhaltevermögen kommt ihr auch im Biathlon zugute.

Sie selbst sind ja in den vergangenen Jahren etwas weg vom Leistungssport. Wie sehr hat sich durch die Geburt Ihrer Tochter Matilda, die im Oktober 2017 zur Welt gekommen ist, Ihr Leben verändert?
Jeder, der Mama oder Papa wird, weiß, dass sich das Leben um 180 Grad dreht. Als Leistungssportler muss man ein bisschen Egoist sein, man ist nur für sich selbst verantwortlich: dass man genug isst, dass man genug schläft, dass man genügend trainiert. Jetzt dreht sich alles nur noch um Matilda, die Perspektiven verschieben sich. Aber das ist ja das Schöne! Genau so soll und muss es sein.

Neureuther: "Liebe zur Natur und Bodenständigkeit. Das sind die wichtigsten Dinge"

Wie sehr verändert einen die Verantwortung, die man für ein Kind trägt?
Am Anfang war es für mich, wie wohl für viele Eltern, total ungewohnt, dass ich jetzt für dieses kleine Lebewesen verantwortlich bin, dass ich jetzt dafür da bin, dass sie groß wird und alles schafft. Das ist natürlich eine große Umstellung – und gleichzeitig die schönste überhaupt! Es ist das größte Glück, dass man ein Kind bekommen kann.

Sie sind ja sehr viel in der Natur und den Bergen unterwegs. Würden Sie sich manchmal mehr Bewegung, mehr Freiheiten wünschen?
Das zielorientierte Training eines Leistungssportlers muss natürlich voll zurückstecken. Aber Bewegung bekomme ich als Mama genug, dafür sorgt Matilda schon, wenn sie mal wieder hierhin und dorthin unterwegs ist. Sie liebt es, draußen zu sein, und man kann sie überall mit hinnehmen, sei es im Radlanhänger oder auf den Berg.

Welche Werte sind Ihnen in der Erziehung wichtig?
Die Liebe zur Natur und Bodenständigkeit. Das sind die wichtigsten Dinge.

Mit der Bodenständigkeit ist das wohl nicht so einfach, schließlich wächst Matilda ja in einer echten Promi-Familie auf. Wie wollen Sie sicherstellen, dass Sie eine ganz normale Kindheit verbringt?
Wir versuchen, als Eltern Normalität vorzuleben. Das fängt mit Kleinigkeiten an: Matilda wird nicht mit Geschenken überhäuft, sondern zu Geburtstag oder Weihnachten gibt es ein Geschenk und fertig. Felix und ich sind in bestimmten Dingen sehr strikt, Laptops oder iPads kennt Matilda zum Beispiel noch gar nicht.

Neureuther: "Aus meiner Sicht ist Felix ein toller Papa"

Ihr Mann, Skistar Felix Neureuther, ist während der Saison viel unterwegs. Wie meistert er den Spagat zwischen Sport und Familie?
Es gibt Phasen, da fällt es ihm echt schwer, wenn er mich und Matilda verlassen muss. Und es gibt Phasen, wenn die Matilda mal eine Woche kaum geschlafen hat, da denkt er vielleicht: "Juhu, endlich mal wieder eine Nacht durchschlafen." (lacht) Aber natürlich vermisst er uns und deshalb haben wir versucht, öfter bei den Rennen dabei zu sein.

Wie müssen wir uns Felix als Vater vorstellen?
Aus meiner Sicht ist er ein toller Papa. Er beschäftigt sich viel mit Matilda, er schimpft aber auch mit ihr, wenn sie verbotene Sachen macht.

Er kann also auch den strengen Papa rauskehren?
Ja klar, sonst tanzen uns die Kinder ja auf der Nase rum.

Neureuther: "Am Windeln wechseln hat Felix große Freude dran"

Wie sieht denn die Aufgabenverteilung zuhause zwischen Ihnen aus?
Felix hat natürlich alle Freiheiten, die er fürs Trainieren braucht. Wenn er zu Hause ist, versuchen wir, so viel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen.

Wechselt er auch Windeln?
Ganz klar, da hat er große Freude dran.

Die letzten Jahre sind gesundheitlich und sportlich nicht immer reibungslos für Felix gelaufen. Wie bauen Sie ihn auf, wenn er mal enttäuscht nach Hause kommt? Oder reicht es, wenn ihm die Tochter entgegenläuft und ihn anlacht?
Wenn man Kinder hat, relativiert das vieles. Klar, der Sport ist ihm wichtig und macht ihm unglaublich Spaß, aber durch Matilda hat sich die Sichtweise schon verschoben. Man lernt, was wirklich wichtig ist im Leben. Und er weiß, dass der Leistungssport sowieso mal ein Ende hat – ob jetzt heute oder morgen, spielt ja keine Rolle.

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