AZ-Interview mit David Fitz Die Ankunft des Herrn: "Jesus liebt mich"

Den kenn’ ich doch irgendwoher, diesen netten, etwas alternativen Typ mit Bart: Florian David Fitz ist Jesus. Foto: dapd

Er ist sexy, klug und jetzt auch noch göttlich. Zumindest spielt Florian David Fitz den Gottessohn in „Jesus liebt mich“.

Das Buch „Jesus liebt mich“ von David Safier war ein Bestseller. Florian David Fitz hat sich locker an das Thema gehalten und sein Drehbuch daraus entwickelt. Die Frage, wer ist Gott, was will er von uns und vor allem, was wäre, wenn Jesus nochmal zurückkäme, um zu entscheiden, ob wir die Apokalypse verdient haben? Florian David Fitz hat daraus eine Komödie gemacht, ohne es sich leicht zu machen.

AZ: Herr Fitz, wie kann man Jesus spielen, ohne größenwahnsinnig zu sein?

FLORIAN DAVID FITZ: Das ist in einem amüsanten Film schon mal einfacher. Ziel war eine Komödie, aber kein Klamauk. Der Witz entsteht dadurch, dass sich die heutige Welt an Jesus reibt. Es sollte nicht Monty Python werden.

Aber die Truppe hat 1979 vordergründig Jesus gar nicht angetastet, sondern die Parallelfigur Brian eingeführt.

Die Beunruhigung über Blasphemie ist heute generell ja geringer geworden.

Aber die Diskussion nimmt ja – nicht nur wegen des radikalen Islams – auch im Christentum wieder zu.

Das liegt am zunehmenden Gefühl, dass Religion auch Respekt verdient. Ich selbst aber bin aus der katholischen Kirche ausgetreten.

Und was haben Sie als Grundlage für Ihr Jesus-Bild hergenommen?

Ich habe mir das neue Testament nochmal vorgenommen.

Aber da ist Jesus eben nicht nur der Sanfte, sondern auch der, der Händler aus dem Tempel rausfegt, Menschen verflucht und hart sein kann.

Aber mir hat mal eine Jüdin in New York gesagt: Wir Juden glauben an Schuld und Strafe, ihr Christen an Vergebung. Aber im Film geht es ja hauptsächlich um die Entwicklung von Marie, die Jessica Schwarz spielt.

Im Gegensatz zu Ihnen als Jesus, darf sie uns als Menschen repräsentieren.

Ja, weil sie stets das Gute will – manchmal auf selbstsüchtige Weise, manchmal scheitert sie, aber sie ist eben doch im Kern gut.

Bei Jesus läuft die Entwicklung entgegengesetzt.

Jesus kommt göttlich auf die Welt und wird immer mehr Mensch, wird immer mehr in den Dreck mit reingezogen. Zum Schluss schlägt er dem Teufel eins in die Fresse. Da ist er völlig Mensch geworden.

Es gibt ja schon den ernsten Scorsese-Film von 1988, „Die letzte Versuchung Christi“.

Ja, hier wird Jesus so weit Mensch, dass er dem Heilsplan Gottes und damit seinem Opfertod entkommen will. Noch am Kreuz spielt er durch, wie es gewesen wäre, mit Maria Magdalena Sex zu haben und eine Familie zu gründen.

Sie sind ja auch ein deutsches Sexidol. Darf Jesus denn so sexy sein wie Sie?

Wenn er menschlich sein darf, dann darf er doch auch gut aussehen, oder? Und Jesus war auch keine asexuelle Figur. Die Verklärung der Enthaltsamkeit, der Zölibat kam erst viel später. Und da ging es eher darum, den Reichtum für die Kirche zu sichern, weil ein eheloser Priester niemandem etwas vererben konnte und so alles bei der Kirche blieb.

Das ist sehr weltlich gedacht.

Aber die Frage bleibt natürlich: Muss ein Prophet rein sein und sich auf das Wesentliche konzentrieren, also unabgelenkt von Sex und Beziehungen?

Jesus sagt im Film, als er auf den „Stellvertreter Gottes auf Erden“ angesprochen wird: „Papst? Den kenn’ ich nicht!“

Die Idee dahinter ist, dass sich die Kirche auf der Erde eingerichtet hat – mit der Verwaltung und Klerus und Hierarchien. Wenn Jesus heute wieder käme, würde er sich wundern, was sich alles zwischen den Gott und die Menschen geschoben hat. Aber es gab ja immer wieder Bestrebungen, den Glauben auf seine wesentliche Botschaft zurückzuführen. Franz von Assisi war so einer, oder natürlich Luther.

Dostojewski beschreibt im Kapitel „Der Großinquisitor“, wie Jesus wieder auf die Welt kommt, der Großinquisitor ihn sogar erkennt, aber sagt: Du störst! Und er lässt ihn wieder beseitigen.

Das ist die Wahrheit. Jesus würde auch heute stören mit seinem Pazifismus. Religionen sollen ja eigentlich verhindern, dass wir uns die Köpfe einschlagen. Aber der Film geht darüber hinaus und sagt: Übernimm Verantwortung, versuche das Richtige zu tun und lass’ notfalls auch Liebgewonnenes los. Die Freiheit, auch das Böse zu tun, geht ja schon mit dem Apfel los, den Adam und Eva essen. Aber wir haben dafür die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden und damit Verantwortung.

Und welche Rolle spielt da „der liebe Gott“?

Mir war es wichtig, dass es nicht einfach so läuft: Ich vertraue mich Gott an und der repariert das dann – mein Leben und die Welt.

Kino: CinemaxX, Mathäser, Münchner Freiheit, Sendl. Tor, R: Florian D. Fitz (D, 100 Min.)

 

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