AZ-Interview mit Bayern-Topscorer Nihad Djedovic: "Wir sind besser als Bamberg"

„Es liegt an uns“: Nihad Djedovic (l.) will Konkurrent Bamberg diesmal übertrumpfen. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

In der AZ spricht Bayerns Topscorer Djedovic über die Konkurrenz, seine kommende Vaterschaft und die EM-Chancen der Deutschen.

 

AZ: Herr Djedovic, Ihre Kollegen sind alle noch bis zum Start der Vorbereitung am 20. August im Urlaub. Warum sind Sie schon in München?

NIHAD DJEDOVIC: Einerseits, weil meine Frau schwanger ist und in einem Monat unser Kind bekommt, und andererseits, weil ich mich schon auf den Trainingsstart vorbereiten will. Mit Laufen und Krafttraining. Deswegen bin ich einige Tage früher dran.

Im September werden Sie Vater. Wie geht es Ihrer Frau und wie groß ist die Vorfreude?

Meiner Frau geht es gut, wir freuen uns sehr. Wie es sich anfühlt, Eltern zu sein, sehen wir, wenn das Kind da ist. Wir können es uns noch gar nicht vorstellen.

Einige Teamkollegen sind bereits Väter, Dusko Savanovic zum Beispiel. Holen Sie sich Tipps?

Alle haben ihre eigenen Tipps. Aber wenn du das Baby dann hast, wirst du selbst sehen, was du tun musst. Das geht einfach nach Gefühl.

Eigentlich würden Sie im September für Bosnien und Herzegowina bei der Europameisterschaft spielen, müssen nun aber ein Jahr pausieren, weil sie im April die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen haben. Sind sie traurig, die EM zu verpassen?

Enttäuscht bin ich nicht, denn ich wollte die deutsche Staatsbürgerschaft ja. Aber ich bin auch traurig, nicht für Bosnien spielen zu können. Ich musste meinen bosnischen Pass zurückgeben, dachte aber, die sportliche Staatsbürgerschaft zu behalten. Aber das ist nicht möglich gewesen.

Sie haben angekündigt, wieder für Bosnien spielen zu wollen. War die deutsche Nationalmannschaft keine Option?

Nein, das war für mich keine Option.

Wie sehen Sie die Chancen für Deutschland in der Gruppe mit Island, Italien, Serbien, Spanien und der Türkei?

Weiterzukommen wird schwer, das ist eine Todesgruppe. Deutschland ist kein Favorit, andere Teams spielen schon viele Jahre Top-Basketball und haben Top-Spieler. Aber Deutschland kann den Faktor Heimvorteil ausspielen.

Die Vorrunde ist in Berlin, Dirk Nowitzki ist dabei, und sollte die Qualifikation für Olympia geschafft werden, macht er vielleicht weiter. Klingt nach ein bisschen Druck für Deutschland.

Druck haben sie nicht, denn die anderen Teams sind besser. Alle haben das Ziel Olympia, aber das ist eben schwer. Einige Ü30-Spieler haben aufgehört, für Deutschland spielen jetzt viele jüngere Spieler, so ein Umbruch dauert Jahre. Wie viele genau, das werden wir sehen. Aber sicherlich haben sie großes Potenzial.

Kommen wir zum FC Bayern. In den letzten Jahren sind immer ein, zwei Schlüsselspieler wie Tyrese Rice oder Malcolm Delaney gegangen. Diesen Sommer nicht. Dafür sind mit Deon Thompson, Alex Renfroe und Maxi Kleber Top-Spieler dazu gekommen. Sie sind seit 2013 dabei. Ist die Mannschaft besser als in den letzten Jahren?

Ich hoffe es. Du kannst Top-Leute verpflichten, aber das ist keine Garantie, dass du gut spielen wirst. Ich bin sehr froh, dass Deon wieder zurückkommt, denn er kennt das System der Trainer. Die anderen Spieler müssen es möglichst schnell kennenlernen. Wir alle müssen es verinnerlichen und danach spielen. Es ist nicht leicht, wir werden zehn Monate kämpfen und arbeiten – aber am Ende lohnt es sich. Wir wissen, dass das System produktiv ist.

Letzte Saison haben im alles entscheidenden Spiel gegen Bamberg nur fünf Punkte zum Sieg gefehlt. Sind Sie besonders heiß auf die Revanche?

Ich bin bereit. Ich will den Titel wieder haben. Wir waren nah dran, aber wenn du als Tabellenerster in die Playoffs gehst, ist es 50 Prozent leichter. Das haben wir im letzten Jahr gesehen und auch im vorletzten, als wir Erster waren. Wir müssen wieder als Erster in die Playoffs gehen.

Ist Bamberg wieder der große Konkurrent?

Bamberg wird ein Top-Team sein, wie jedes Jahr. Aber es liegt an uns. Ich bin mir sicher, dass wir das bessere Team sind.

 

0 Kommentare