AZ-Interview Michael Liendl: "Ich bin unbequem"

Michael Liendl verrät im AZ-Interview sein Elfer-Geheimnis. Foto: sampics/ Augenklick

Michael Liendl spricht im AZ-Interview über den Neustart bei den Löwen und Ismaiks schwieriges Verhältnis zu Ex-Coach Runjaic.

 

Troia - Der 31-Jährige Österreicher spielt 2015 beim TSV 1860. In der Hinrunde war er mit sechs Treffern und einer Vorlage Topscorer.

AZ: Herr Liendl, ist hier im 16-tägigen Mammut-Trainingslager schon der Lagerkoller ausgebrochen?
Noch nicht. 16 Tage sind ein absolutes Novum. Essen, trainieren, essen, schlafen - so schaut unser Tag meistens aus. Man wird sehen, wie die Stimmung nach elf, zwölf Tagen ist. Kann leicht sein, dass wir uns an die Gurgel gehen. (lacht)

Sie haben kürzlich einen Lauftest als einer der ersten Spieler abgebrochen. Warum?
Das ist schon richtig, ich habe nicht am längsten durchgehalten. Wir stehen mitten in der Vorbereitung. Ich habe ja schon ein, zwei davon hinter mir. Es soll so sein, dass es anstrengend ist. Aber der eine läuft eben ein bisschen mehr, der andere ein bisschen weniger. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich wenig gelaufen wäre, das sagen auch meine Statistiken.

Auch andere Zahlen sprechen für Sie: Mit sechs Treffern und einem Assist sind Sie Topscorer, wurden vom „Kicker“ zum zweitbesten defensiven Mittelfeldspieler gekürt.
Das war ein positiver Nebeneffekt. Ich habe weiter hinten als Sechser auch öfter mal den vorletzten Pass gespielt, nicht den letzten. Sicher hätte ich das ein oder andere Tor mehr machen können oder müssen. Aber in 13 Spielen sieben Scorerpunkte - es gibt schlechtere Bilanzen.

"Strafstöße müssen auch erstmal sitzen"

Ihre Kritiker würden sagen, fünf davon waren Elfmeter.
In der Bundesliga hat man ja gesehen, was alles verballert wurde. Strafstöße müssen auch erstmal sitzen.

Sie haben eine 100-prozentige Trefferquote. Wie lautet Ihr Elfmeter-Geheimnis - lange den Torwart anschauen?
Könnte man so sagen: lange schauen und trainieren. Man muss auch seine Stärken stärken. Ich denke, was meine Leistung betrifft, habe ich ein gutes halbes Jahr gespielt, für die ganze Mannschaft hätte es freilich besser laufen können.

Trotz ihrer Werte hatten Sie nicht immer das beste Standing?
Ab und zu unerklärlich, oder?

"Was soll ich dazu sagen?"

Spielen Sie auf Ex-Trainer Kosta Runjaic an, der Sie aus dem Kader strich?
Was soll ich dazu sagen? Es war oft unverständlich für mich, aber man muss akzeptieren, wie der Trainer entscheidet. Ich hätte mir für das, was ich geleistet habe, mehr Rückendeckung gewünscht. Ich bin ein Typ, der gewisse Dinge anspricht, unbequem ist. Nicht damit ich gut dastehen kann oder jemandem schade, sondern wenn ich etwas als falsch erachte. Manch einer nimmt das eben persönlich. Ich bin aber lange genug dabei, um das einordnen zu können.

Wie lange sind Sie noch dabei?
Ihr Heimatklub Sturm Graz soll Interesse haben. Man wird sehen. Wir haben einen neuen Trainer, werden komplett neu aufgestellt. Es wäre nicht seriös, etwas zu sagen, denn ich weiß nicht, was passiert. Vielleicht heißt es in einer Woche: Wir brauchen dich nicht mehr. Vielleicht spiele ich noch lange hier.

Sie sind nun 31, welches Karriereziel haben Sie noch?
Ich bin fit und stehe noch nicht direkt vor meiner Pension, aber ich würde mir gerne noch ein kleines Abenteuer erfüllen.

Okotie als Vorbild?

Nach dem Vorbild von Landsmann und Ex-Löwe Rubin Okotie in China?
Warum nicht? Oder Amerika, Australien. Ich habe immer gesagt: Das würde mich reizen.

Hasan Ismaik hat große Investitionen bei 1860 angekündigt.
Habe ich gelesen. Fakt ist: Wir brauchen Verstärkung. Wenn du als 14. im Abstiegskampf bist, kannst Du nicht hergehen und sagen: Wir sind ein Top-Team. Wir haben nicht viel Zeit, und ich denke, dass uns gute Spieler, die wissen, wie es in der Zweiten Liga zugeht, weiterhelfen. Es ist Ismaiks gutes Recht, so viel Geld zu investieren. Es gibt aber auch dann keine Garantie dafür, dass man dann in zwei Jahren Bundesliga spielt. Das Geld muss gut angelegt sein. Ansonsten wären ja alle anderen Klubs blöd, die mit Ruhe und Konstanz arbeiten.

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Pereira hat dennoch angekündigt, in der nächsten Saison angreifen zu wollen und von Titeln gesprochen.
(schmunzelt) Dieses Jahr irgendwie durchkommen und nächste Saison steigen wir auf? Schön wärs! Aber man kann die Zweite Liga nicht einfach überspringen. Man muss step by step dahinkommen, wo dieser supercoole Verein mit seinem ganzen Potenzial hin soll und auch hingehört: in die Bundesliga. Da wären doch alle anderen Klubs blöd, die mit Ruhe und Konstanz arbeiten.

 

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