AZ-Interview Maria Höfl-Riesch über Neureuther: "Felix kann stolz sein"

Der Abschied: Felix Neureuther am Wochenende nach seinem letzten Rennen in Soldeu. Foto: imago

Im AZ-Interview erinnert sich Maria Höfl-Riesch an die gemeinsame Schulzeit und die Anfänge von Neureuther. Zu einer möglichen TV-Karriere sagt sie: "Eigentlich ist er prädestiniert dafür."

 

München - Maria Höfl-Riesch im AZ-Interview: Die heute 34-Jährige ging als Kind mit Felix Neureuther in eine Klasse. Sie ist eine der erfolgreichsten deutschen Skifahrerinnen und gewann drei Goldmedaillen bei Olympia.

AZ: Frau Höfl-Riesch, erinnern Sie sich noch an den 20. März 2014?
MARIA HÖFL-RIESCH: Klar, das war eine Woche nach meinem Sturz in Lenzerheide, als ich auf dieser Pressekonferenz in München mein Karriereende bekannt gegeben habe. Das war natürlich auch hochemotional. Bei mir lief der Rücktritt nur etwas anders als jetzt beim Felix. Durch den Sturz bei der Abfahrt in Lenzerheide kam das Karriereende ja doch sehr unvorhergesehen. Ich hatte leider nicht das Glück, mein letztes Rennen genießen zu können, schon vorher zu wissen, dass es nach diesem Rennen vorbei sein wird.

Sie haben ein paar Wochen vor dem Ende noch Gold und Silber bei Olympia in Sotschi gewonnen. Da deutete noch nichts auf ein Karriereende hin. Oder gab es vorab Überlegungen, nach Olympia die Segel zu streichen?
Doch, das war schon auch ein Thema. Bei mir war es ähnlich wie beim Felix in den letzten Wochen: Ich wurde nach Olympia auch ständig gefragt, ob ich weiterfahre oder nicht. Aber ich bin halt damals noch um den Gesamtweltcup gefahren, da war schon noch viel Druck und eine große Anspannung. Deswegen wollte ich mich in den letzten Wochen der Saison nicht zu sehr mit dem Thema Rücktritt beschäftigen, keine Energie verschwenden. Aber irgendwo im Hintergrund ist es schon rumgeschwirrt.

Nochmal zurück zum Sportskamerad Neureuther: Sie haben ja in Partenkirchen gemeinsam die Schulbank gedrückt, korrekt?
Die ersten vier Klassen in der Grundschule. Ich bin dann auf ein Mädchen-Gymnasium und er aufs Werdenfels-Gymnasium.

Auch auf der Piste waren die Wege zunächst identisch.
Genau: als Kinder im Skiclub Partenkirchen, von zehn bis zwölf oder 14 dann im Skigau Werdenfels, auf internationaler Ebene haben sich die Wege dann ein bisschen getrennt. Aber wir haben uns schon gegenseitig durch unsere Karrieren begleitet, das kann man schon so sagen.

Das heißt, Sie und Felix hatten zunächst auch den gleichen Trainer?
Wer uns ganz lange zusammen trainiert hat, ist Markus Anwander (der spätere Damen-Bundestrainer, Anm. d. Red.), damals in der Skigau-Werdenfels-Mannschaft.

Wie war der Herr Neureuther denn so als Kader-Mitglied? Einen Ruf als Trainingsweltmeister hatte er ja noch nie...
In dem Alter, als wir da zusammen trainiert haben, war das ja noch nicht so wichtig. Das Skifahren war natürlich wichtig, und das hat Felix genauso ernst genommen wie ich. Ansonsten war er immer ein Mega-Bewegungstalent. Wenn wir Konditionstraining hatten, gab es nichts, was Felix nicht konnte. Er war immer schon wahnsinnig talentiert bei allen Sachen, die auch ein bisschen Mut erfordert haben. Das konnte er alles immer sehr gut. Erst später hat er dann ja öfter selbst gesagt, dass er im Training schon noch Potenzial nach oben hat, was er dann auch ein Stück weit professionalisiert hat. Bei mir war das ja auch ein bisschen so: Ich war auch nicht die Allerfleißigste.

Und Sie hat es mit den Kreuzbandrissen viel früher erwischt als den Felix.
Der erste mit 20, der nächste mit 21: Auf der einen Seite ein blöder Zeitpunkt, weil ich eine WM und Olympia verpasst habe, auf der anderen Seite bin ich im Nachhinein ganz froh, dass es mir so früh passiert ist. In jungen Jahren steckt man das glaube ich noch etwas einfacher weg – und man lernt daraus auch etwas. Ich war zuvor immer ein bisschen faul, hab’ mich um das ein oder andere Konditionstraining rumgedrückt – durch die Verletzungen habe ich dann einfach viel mehr Professionalität gelernt.

Schwerwiegende Operationen blieben Neureuther bis zum Kreuzbandriss vor eineinhalb Jahren dagegen erspart...
Er war immer so nebenbei verletzt. Nie etwas, wo er ewig lang Pause machen musste, aber halt immer Sachen, die ihn irgendwie behindert haben.

Jetzt hat ihn sein Körper endgültig ausgebremst, der Abschied fiel ihm sichtlich schwer. Nach Ihrem Karriereende haben Sie öfter betont, dass Sie den Rennsport nicht wirklich vermissen, dass Sie eher froh waren, als es vorbei war.
Es gibt schon Momente, in denen man zurückdenkt an diese coole Zeit, an die Erfolge – aber nie mit Wehmut. Es sind positive, schöne Erinnerungen, mit Stolz natürlich auch. Und Felix kann natürlich auch stolz auf seine Karriere zurückblicken. Ich hoffe, es geht ihm dann genauso wie mir. Im Moment geht es für ihn ja genauso weiter: Die Saison ist vorbei, jetzt ist erst mal ein bisschen Ruhe und Pause – nur dass er halt in ein paar Wochen nicht wieder zu trainieren anfangen muss. Das wird er jetzt erst mal genießen: Dass der Druck weg ist, dieser strikte Vorgabeplan für jeden Tag. Höchstens wenn dann die neue Saison losgeht, wird ein bisschen Wehmut aufkommen. Aber wenn er sich mit seiner Entscheidung hundertprozentig sicher war... Hinzu kommt, dass bei ihm ja das Thema Familie ein entscheidender Faktor war – das bringt ihn dann schon weg von irgendwelchen Wehmutsgedanken.

Sie sind ja dem Weltcup als TV-Expertin erhalten geblieben. Wäre das auch was für Neureuther?
In ein paar Interviews habe ich gelesen, dass er das schon machen möchte, in irgendeiner Form dem Skisport erhalten bleiben möchte, vielleicht auch fürs Fernsehen. Natürlich ist er der Typ dafür, verkauft sich super, ist sehr beliebt, hat Ahnung von der Materie, ist eigentlich prädestiniert dafür. Auf der anderen Seite hat er gesagt, er möchte nicht mehr so viel reisen, mehr zu Hause bleiben. Da muss man dann halt einen Mittelweg finden, wie man das in Zukunft unter einen Hut bringt. Aber insgesamt wird es für ihn definitiv entspannter als vorher.

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