AZ-Interview Magdalena Neuner: "Ich habe eine ganz gute Balance gefunden"

Heimatverbunden: Magdalena Neuner in Wallgau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Quelle: Unbekannt

Magdalena Neuner im AZ-Interview über ihr Dasein als Mutter: "Es ist schon eine Herausforderung, Mama zu sein - die größere Herausforderung, als jeden Tag seinen Trainingsplan abzuspulen."

Vor fünf Jahren beendete die 30 Jahre alte Doppel-Olympiasiegerin ihre Biathlon-Karriere. Mit Ehemann Josef hat sie eine Tochter (Anna-Lena, 3) und einen Sohn (Josef, 9 Monate). Die Familie lebt in Wallgau.

AZ: Frau Neuner, rank und schlank wie eh und je. Wie geht's Ihnen?
MAGDALENA NEUNER: Ich wiege weniger als zu meiner aktiven Zeit. Durch die Kinder bin ich so gefordert, dass ich kaum ans Essen denke. Ich gehe in meiner Mutterrolle voll auf. Es ist schon immer viel Action - aber das brauche ich auch. Ich habe eine ganz gute Balance zwischen Arbeit und Familie gefunden.

Fünf Jahre ist Ihr Karriereende nun her - wie lange kommt es Ihnen vor?
Fünf Jahre! Unglaublich, gell? Manchmal, wenn ich ans Training oder gewisse Abläufe denke, kommt es mir nicht so lange vor, manchmal aber auch wie ein anderes Leben. Als wäre es schon Ewigkeiten her oder gar kein Teil von mir gewesen. Ganz eigenartig zu wissen, dass das schon wieder fünf Jahre her ist. Aber es ist auch viel passiert in den letzten fünf Jahren.

Sie denken tatsächlich manchmal ans Training?
Wenn ich meine Teamkollegen treffe oder in die Gegend komme, wo wir trainiert haben. Kürzlich war ich auf einer Straße, auf der wir früher viel gerollert sind. Da kommt das natürlich hoch.

Werden Sie 2018 wieder als Expertin für die ARD bei Olympia dabei sein?
Ich weiß es noch nicht. Im Moment eher nein. Es ist halt doch eine lange Reise nach Südkorea, und ich wäre sehr lange von den Kindern weg. Sicherlich gibt es auch schönere Orte, aber Olympia ist immer besonders, war es auch in Sotschi. Dieses Erlebnis im Stadion, das Event an sich, diese Emotionen, wenn jemand Olympiasieger wird: Das ist egal, wo das ist.

Wie sehr nehmen Sie die Kinder in Beschlag?
Der Kleine krabbelt und kann schon stehen - auf den muss ich jetzt auch ständig ein Auge haben. Und die Große hat halt ihren Kopf. Aber sie kommt jetzt in den Kindergarten. Sie sind ja keine Kita-Kinder, sie kommen vom Dorf. Das ist ganz gut, dass sie da jetzt neu gefordert wird. Es ist schon eine Herausforderung, Mama zu sein - die größere Herausforderung, als jeden Tag seinen Trainingsplan abzuspulen.

Haben Sie fünf Jahre nach dem Leistungssport nun abtrainiert?
Ich denke, mein Körper ist mittlerweile umgestellt. Klar mache ich im Moment zu wenig Sport, weil das einfach meine Zeit mit zwei Kindern nicht zulässt. Ich versuche einfach, mich immer wohl zu fühlen. Ich bin mit den Kindern immer draußen und aktiv, fahre Rad oder gehe spazieren. Aber Training wie früher? Das wird in drei, vier Jahren wieder ein bisschen mehr, aber im Moment ist es schwierig.

Wie oft sind Sie noch die öffentliche Gold-Lena?
Im Schnitt bin ich fünf Tage zuhause und zwei Tage unterwegs. Für mich steht die Familie schon an erster Stelle, aber phasenweise bin ich schon viel unterwegs: Termine für meine Partner Erdinger, DAK Gesundheit und BMW, für die ich nach wie vor sehr aktiv bin. Man kommt dann anders heim und freut sich wieder auf die Familie. Ich glaube, ich bin so eine zufriedenere Mama.

Haben Sie daheim in Wallgau so etwas wie eine Mama-Clique?
Nein, dafür bin ich nicht so der Typ. Die Große geht zwar in eine Spielgruppe, aber da sind sehr normale, bodenständige Mamas, nicht diese Über-Über-Mamas, die meinen, ihr Kind in Watte packen zu müssen. Ich versuche mich intuitiv in meine Kinder zu versetzen und sie normal aufwachsen zu lassen. Ich mache mir über Vieles Gedanken, aber man muss auch nicht alles übertreiben.

Dürfen die Kinder fernsehen?
Ja.

Biathlon auch? Jubelt dann die ganze Familie, wenn die Scheiben fallen?
Die Große war im Winter schon recht biathlonbegeistert. Wenn der Weltcup im Fernsehen läuft, will sie ihre Langlaufski anziehen und durchs Wohnzimmer laufen - was für die Möbel nicht so toll war. Nach einer halben Stunde sagt sie dann aber schon: "Jetzt schauen wir aber wieder was Gescheit's!" Als die Nadine Horchler in Antholz gewann und ich auf dem Sofa vor Glück weinen musste, war die Kleine ganz fertig: "Mama, warum bist denn so traurig?"

 

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