AZ-Interview Löwen-Keeper Jan Zimmermann: "Es geht bei null los"

Will in der Rückrunde möglichst immer das Löwen-Tor hüten: Torwart Jan Zimmermann. „Das ist mein Anspruch.“ Foto: sampics/augenklick

Torwart Jan Zimmermann spricht in der AZ über den Zweikampf mit Stefan Ortega ums Löwen-Tor, das Trainingslager unter Trainer Vitor Pereira und den Rückrundenauftakt gegen Fürth.

 

München - Torhüter Jan Zimmermann wechselte zu Beginn der Saison vom 1. FC Heidenheim zum TSV 1860 München. Hier äußert sich der 31-Jährige im Interview mit der AZ.

AZ: Herr Zimmermann, am Freitag steht der Rückrundenauftakt der Löwen gegen die SpVgg Greuther Fürth an.
JAN ZIMMERMANN: …bei dem wir drei Punkte holen wollen.

Sie haben 16 Tage Trainingslager in Portugal hinter sich. Gut gerüstet?
Ich denke schon. Mein Eindruck ist sehr positiv. Ich hatte mit 18 Jahren mein erstes Trainingslager, seitdem kamen ein paar zusammen. Danach kann ich eins sicher sagen: Wir haben intensiv und konzentriert gearbeitet.

Ihr neuer Trainer Vitor Pereira scheint gut anzukommen.
Er hat einen klaren Plan. Wenn es nach ihm ginge, würden wir den ganzen Tag auf dem Platz stehen. Er kommt in eine neue Liga, kennt jeden Namen ad hoc – das zeigt, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat. Er hat dieses Händchen, jedem Spieler das mitzugeben, was er braucht.

Was Sie in erster Linie brauchen dürften, ist ein Stammplatz. Ex-Trainer Kosta Runjaic hat sie als Nummer eins geholt, unter Daniel Bierofka mussten Sie sich hinter Stefan Ortega anstellen.
Stimmt. Es ging gut los, aber natürlich kann ich nicht zu 100 Prozent zufrieden sein. Es waren definitiv zwei, drei unglücklich Spiele dabei. Ich habe mich irgendwann verunsichern lassen und muss gestehen, dass ich mich dadurch selbst vergessen habe. Biero hat sicher auch aufgrund des letzten Jahres gewechselt, als Tego seine Sache unter ihm gut gemacht hat.

Wie gingen Sie mit der Degradierung um?
Ich bin keiner, der den Kopf in den Sand steckt. Ich habe versucht, so gut es geht zu helfen und im Training alles rauszuhauen.

Jetzt geht der Zweikampf von vorne los. Sie haben sich in den Testspielen keine Blöße gegeben, sogar einen Elfmeter gehalten.
Wir sind Leistungssportler, da ist es doch das Schönste, am Wochenende aufzulaufen. Ich denke, ich kann zufrieden sein. Wenn man so will, hat aktuell keiner einen Bonus und es geht wieder bei null los. Mein Credo ist: Ich muss am Abend in den Spiegel schauen und sagen können: Ich habe alles gegeben.

Und wenn "alles" nicht genug ist?
Ich hatte in meinem Leben schon zwei Schicksalsschläge (eine Schultereckgelenkssprengung und einen lebensbedrohlichen Gehirntumor, Anm. d. Red.). Die würden es mir gar nicht erlauben, Trübsal zu blasen. Dass ich mir nach einem Fehler in den Hintern beiße, ist noch galant ausgedrückt. Ich zermartere mir den Kopf. Doch dann hakt man es ab. Ich darf bei schönem Wetter Fußball spielen. Das war als kleiner Junge mein Traum, jetzt kann ich meinen Traumberuf ausüben – da bleibt wenig Platz für schlechte Laune.

Sprechen wir über das Team: Es kann ja – vorerst – nur darum gehen, den Abstand zu den Abstiegsplätzen zu vergrößern.
Ganz genau. Dazu muss jeder einzelne Spieler funktionieren, vom Torwart bis zum Stürmer, und alle zusammen als Einheit. Wir wollen uns weiterentwickeln. Der Trainer hat sich ein klares Ziel auf die Fahne geschrieben.

Das da wäre: an die Spitze zu gelangen.
Dass er als ambitionierter Trainer in die Bundesliga will, ist als Zielsetzung völlig okay. Aber mal ganz anders betrachtet: Man muss sehr froh sein, dass man dieses Ziel überhaupt formulieren kann! Über den Aufstieg reden? Es gibt Zweitligavereine, die solche Wünsche niemals hegen können.

Bei Sechzig wird er zwar häufig geäußert, in Erfüllung ging er in der jüngeren Vereinsgeschichte aber nie.
Vielleicht wird er es irgendwann. Für mich ist es der vollkommen falsche Ansatz, das so negativ zu betrachten. Hier wird sich auch mal über den Zuschauerschnitt beschwert. Dabei ist der aller Ehren wert: Wer spielt denn in der 2. Liga sonst vor 20 000 Zuschauern? Hier lief es in der Vergangenheit nicht optimal, der Erfolg ließ zu wünschen übrig – und trotzdem kommen so viele Fans zu uns. Darüber müssen wir froh sein.

Leidgeprüft sind die Fans durchaus.
Deswegen kann das Ziel nur lauten, endlich wieder Erfolge zu feiern, die uns und die Fans glücklich machen. Wie oft ist es der Trainer, der als schwächstes Glied als Erster gehen muss? Hast Du Erfolg, passiert das nicht, es bleibt im Umfeld ruhig. Da müssen wir Spieler uns an die eigene Nase packen. Und damit zurück zu Fürth: Wenn wir zum Start gewinnen, sind wir auf einem guten Weg. Das muss unser Anspruch sein. Und meiner ist, dabei zwischen den Pfosten zu stehen.

 

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