AZ-Interview Klima-Experte Latif: "Starke Niederschläge werden zunehmen"

Schilder und Masten ragen aus der verschneiten Landschaft bei Weilheim. Foto: picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Klima-Experte Mojib Latif über die massiven Schneefälle – und deren mögliche Verbindungen mit der globalen Erwärmung.

Der 64-jährige Mojib Latif ist Meteorologe, Klimaforscher und Hochschullehrer.

AZ: Her Latif, viele sprechen aufgrund der massiven Schneefälle von einem Extremwinter. Ist das wirklich so – oder ist dieser Winter eigentlich ganz normal?
MOJIB LATIF:
Ein Extremwinter ist es, was die Temperaturen angeht, bestimmt nicht. Wir haben es immer noch mit einem relativ milden Winter zu tun. Insofern spricht das gegenwärtige Wetter in keiner Weise gegen eine Klimaerwärmung.

Sind die starken Schneefälle denn auch eine Folge der Klimaerwärmung – und wenn ja, warum?
Es gibt einige Faktoren, die dafür sprechen. Die stärkere Erwärmung der Luft führt automatisch dazu, dass die Luft mehr Wasserdampf speichern kann. Dadurch verstärken sich die Niederschläge. Und wenn es kalt genug ist, fallen sie als Schnee. Dann könnte es noch einen indirekten Effekt geben, dadurch dass sich die Nordpolarregion, also die Arktis, besonders stark erwärmt. Der Jetstream könnte sich abschwächen. Dadurch würden sie die Wetterbedingungen so verändern, dass Wetterlagen länger anhalten. Der Sommer, der ja gar nicht enden wollte, ist dafür ein ganz prominentes Beispiel.


Wenn also eine Wetterlage – wie jetzt der Schnee – einmal da ist, bleibt sie auch?
Genau. Die Wetterlage hält länger an als früher.

Können wir uns also auch in der Zukunft auf solche extremen Schneefälle einstellen?
Starkniederschläge werden auf jeden Fall zunehmen. Es wird allerdings immer wärmer werden – und dadurch nimmt natürlich die Wahrscheinlichkeit für Schneefall ab. Das haben wir ja auch in den letzten Jahrzehnten beobachten können. Gerade in den Mittelgebirgen ist Schneearmut häufig aufgetreten. Im Hochgebirge wird es noch häufig Schnee geben.

Das heißt also: Mehr Niederschlag, aber eher weniger Schnee?
Ja. Es ist ja mehr oder weniger Zufall, ob die Temperaturen nun gerade unter oder über Null Grad liegen und ob es dann Schnee oder Regen gibt. Insgesamt, weil es bedingt durch den Klimawandel wärmer wird, nimmt die Wahrscheinlichkeit für Schneefall ab. Das heißt natürlich nicht, dass es überhaupt keinen Schnee mehr gibt, sondern eben weniger häufig. Deswegen kann es dann auch immer noch zu extremen Schneefällen kommen. Ähnlich kann man das beim Regen beobachten: Wenn es regnet, regnet es oft wie aus Kübeln.

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