AZ-Interview Klaus Toppmöller - "Das Schreckgespenst"

Nur eines von vielen Toren gegen Bayern: Klaus Toppmöller schiebt ein, Torhüter Sepp Maier schaut zu. Foto: Imago

Klaus Toppmöller traf in elf Spielen gegen die Bayern zwölf Mal. Hier spricht der Ex-Stürmer des 1. FC Kaiserslautern über seine Siege.

 

AZ: Herr Toppmöller, wenn Sie an Ihre Spiele mit dem FCK gegen Bayern denken – was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn?

KLAUS TOPPMÖLLER: Das 7:4 von 1973! Da werde ich heute noch drauf angesprochen. Das war das Spiel meines Lebens, in dem alles geklappt hat.

Zumindest in der zweiten Halbzeit – zur Pause lagen Sie ja 1:3 hinten.

Die Bayern haben uns vorgeführt. Gerd Müller machte in der 58. Minute noch das 4:1. Die ersten Zuschauer waren da schon heimgegangen. Doch als die Leute beim 2:4, 3:4, 4:4, 5:4 das Betzenberg-Gepolter gehört haben, sind die von allen Seiten zum Stadion gelaufen – und plötzlich waren mehr da als vorher!

Mit einem Kopfball zum 2:4 gaben Sie damals das Signal zur Aufholjagd.

Ich hab auch das vermeintliche 5:4 geschossen, lief schon zur Eckfahne, wurde von 100 Zuschauern fast erdrückt – dann pfeift der Schiedsrichter plötzlich ab! Es war ein astreines Tor, für mich in dem Moment das Siegtor. Gott sei Dank ist es doch noch gut gegangen.

Gibt’s eine Erklärung für den historischen Einbruch der Bayern?

Nein, das war unerklärlich, so wie beim 4:4 der Nationalmannschaft neulich. Dass die Bayern nicht mehr aus der eigenen Hälfte rausgekommen sind, ist für mich heute noch unglaublich.

Ihre Bilanz gegen Bayern ist überragend: zwölf Tore in elf Spielen.

Ja, ich war damals Bayerns Schreckgespenst! (lacht) Bayern war in der Zeit ja noch überlegener als heute. Die haben alles geputzt, dreimal den Landesmeistercup gewonnen. Eine Sensationstruppe.

Die der FCK in aufeinanderfolgenden Jahren 7:4, 5:2 und 4:3 schlug – zweimal sogar auswärts.

Ja, so war das. Wenn im Juli der Spielplan rauskam, habe ich mir immer sofort gemerkt, wann wir gegen Bayern spielen. Darauf habe ich dann monatelang hingefiebert.

Gerd Müller erzielte in diesen Duellen auch massig Tore. Haben Sie sich angestachelt?

Nein, mit dem Gerd konnte ich mich doch nicht messen! Unfassbar, wie gut der war – und noch dazu ein unheimlich feiner Kerl.

Ihre Bilanz von 108 Toren in 204 Bundesligaspielen kann sich aber auch sehen lassen.

Ja, und ich sage Ihnen was: Wenn ich heutzutage bei Bayern spielen würde – die Tore mache ich auch noch. Wenn wir mit dem FCK damals auswärts gespielt haben, hatten wir vielleicht einen Torschuss. Heute fallen den Stürmern doch pro Spiel fünf Bälle vor den Fuß. Davon zwei zu machen, ist keine große Kunst.

Sie hatten damals ein Angebot vom FC Bayern.

Das stimmt. Mitte der Siebziger habe ich mal mit Robert Schwan verhandelt.

Aber Sie wollten nicht?

Nein, das war kein Thema. Ich war zu heimatverbunden.

Beim einzigen Pokalsieg des FCK gegen Bayern 1980 waren Sie dann nicht mehr dabei, weil Sie im Sommer zuvor nach Dallas in die USA gewechselt waren.

Das war wegen einer blöden Knieverletzung, die ich mir 1979 in einem B-Länderspiel zugezogen habe. Nach der OP war an Leistungssport nicht mehr zu denken.

Nach dem USA-Abenteuer haben Sie in der Heimat für den FSV Salmrohr gekickt. Ihr Stammverein ist und bleibt aber der FCK.

Na sicher! Mit dem FCK habe ich die schönste Zeit als Fußballer mitgemacht. Ich fiebere nun auch dem Pokalspiel gegen Bayern entgegen, auch wenn Bayern das selbst mit der B-Elf gewinnen wird.

So pessimistisch?

Ja, Bayern wird klar gewinnen. Mit drei Toren Unterschied zu verlieren, wäre für den FCK okay. So eine gute Mannschaft hatte Bayern noch nie, nicht mal in den Siebzigern. Und so etwas wie gegen Leverkusen am Sonntag passiert denen in hundert Spielen vielleicht einmal, aber nicht ein zweites Mal direkt danach.

 

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