AZ-Interview Karger-Drama beim TSV 1860: "Ich dachte, ich wache nicht mehr auf"

Will endlich öfter treffen: Löwe Nico Karger (r.), hier beim 1:2 im Test gegen Arminia Bielefeld. Foto: sampics/Augenklick

Löwen-Profi Nico Karger spricht in der AZ über seine Todesangst nach einer Borreliose-Erkrankung, das Trainingslager in Spanien und die Rückrunde: "Wir werden nicht unten mitspielen."

 

München - Der 25 Jahre alte Offensivspieler Nico Karger aus Kronach steht seit 2009 beim TSV 1860 unter Vertrag. In der AZ spricht er über seine Borreliose-Erkrankung und die Rückrunde.

AZ: Herr Karger, eine schweißtreibende Woche Trainingslager im spanischen Oliva Nova ist vorbei. Mit welchem Gefühl geht es zurück nach Giesing?
NICO KARGER: Ich bin froh. Wir haben zwar alle müde Beine, aber wir konnten uns hier top vorbereiten, in kurzen Hosen trainieren und uns richtig fit machen. Das ist mal am wichtigsten. Ich bin aber kein Fan von Trainingslagern – nach zwei, drei Tagen bekomme ich Probleme mit dem Essen.

Wie gut ist Sechzig gerüstet für die restlichen 18 Spiele der Rückrunde?
Gut. Für viele Spieler ist es das erste Mal Dritte Liga, die sind jetzt langsam angekommen. Vor der Winterpause hätten wir mehr Punkte holen müssen. Das wollen wir jetzt besser machen.

TSV 1860 hat auswärts viele Fans im Rücken

In den beiden Tests gegen Darmstadt 98 und Arminia Bielefeld setzte es zwei knappe Niederlagen, zuvor gegen den SV Ried ein 2:2. Haben Sie sich den Sieg für den Auftakt am Freitag bei den Sportfreunden Lotte aufgespart?
Das hoffe ich. Darmstadt und Bielefeld waren aber auch zwei gute Gegner, gegen die wir nur wenig Chancen zugelassen haben. Man hat jedenfalls keinen großen Klassenunterschied gesehen. Gegen Lotte haben wir im Hinspiel 5:1 gewonnen. Sie haben sich gefangen, das wird nicht mehr so klar. Aber wir haben ja auch auswärts immer viele Fans im Rücken und sind alle heiß auf einen Sieg.

Dazu braucht es Tore. Trainer Daniel Bierofka kritisierte zuletzt die Chancenverwertung, also auch den Job von Flügelflitzer Nico Karger.
Da muss auch noch mehr gehen. Ich habe drei Tore in der Liga und eins im DFB-Pokal, das geht natürlich besser. Wir müssen uns auch ankreiden, uns in der Hinrunde nicht öfter belohnt zu haben.

Karger: Actionfilme statt Liebesschnulze

Stand jetzt wird es keine Neuzugänge geben. Ist Sechzig, gerade in der Offensive, stark genug?
Wir waren ja schon in der Hinrunde absolut konkurrenzfähig, niemand hat uns an die Wand gespielt. Wir sind ein starkes Team und ich denke nicht, dass wir Neuzugänge brauchen.

Bierofka sagte schon vergangene Saison, dass Sie gar nicht wüssten, wie gut Sie seien. Müssen Sie sich noch mehr zutrauen?
Das kann man vielleicht schon so sagen. Ich weiß noch genau, wann das war: vor dem Spiel gegen Unterföhring. Da hat mir Biero auch eingetrichtert, dass ich nicht auf den Gegenspieler zutraben soll, sondern mit Gas. Dann hab’ ich vier Tore geschossen.

Klingt ganz danach, als bräuchte es die nächste Ansage.
Schon möglich. Damals hat er mir gesagt, ich soll keine Liebesschnulzen schauen, sondern Actionfilme. Das mach ich seitdem (lacht). Aber klar, es könnten schon ein paar mehr Tore sein – ich arbeite daran.

Karger und die Schocknachricht Borreliose

Vergebene Chancen sind das eine, die eigene Gesundheit das andere: Vor ein paar Monaten versetzten Sie die Fans in Sorge, als Sie ein Training wegen Herzproblemen abbrachen. Für Sie selbst ein großer Schock?
Ja, schon. Ich habe da ja diese Vorgeschichte: Nach einem Zeckenbiss bin ich vor ein paar Jahren mit Borreliose viel zu spät ins Krankenhaus gekommen. Ich lag damals acht, neun Tage auf der Intensivstation. Der mittlere Teil meines Herzens hat nicht mehr gearbeitet. Die Ärzte sagten damals: Wäre ich kein Sportler, hätte das wesentlich schlimmer ausgehen können.

Wie gingen Sie seitdem damit um?
Das brennt sich in den Kopf ein und du kriegst es nicht so schnell wieder raus. Ich hatte danach extrem schwere Nächte und Probleme, einzuschlafen. Nach dem Trainingsabbruch habe ich mir wieder Gedanken gemacht. Manchmal lag ich in meinem Bett und dachte, ich wache am nächsten Morgen nicht mehr auf. Dann denkst du: So ein Schwachsinn! Mittlerweile habe ich gelernt, damit umzugehen und das abgehakt. Ich bin ja wieder gesund.

Von Ihren überwundenen Ängsten zu den Träumen: Was rechnen Sie sich heuer noch aus – und wie schnell erhofft man sich als Spieler die Rückkehr in die Zweite Liga?
Wir werden nicht unten mitspielen, da bin ich mir sicher. Und wir werden mehr Punkte holen als in der Hinrunde. Ich hoffe, dass wir nächste Saison schon angreifen können. Aber das werden wir sehen. Irgendwann müssen – und sollten – wir aufsteigen. Ich glaube, wir haben alle den Traum, dass wir es früher oder später packen.

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