AZ-Interview Kai Ebel zum Tod von Niki Lauda: "Er war immer geradeaus"

Der 54-jährige Kai Ebel (l.), neben Lauda, berichtet seit 1992 bei RTL über die Formel 1. Foto: Henning Kaiser/dpa

Nach dem Tod der Formel-1-Legende Niki Lauda erinnert sich nun RTL-Moderator Kai Ebel im Interview mit der AZ.

 

AZ: Herr Ebel, der Monaco-Grand-Prix ist eigentlich das schillerndste Rennen des Jahres. Wie ist nun die Stimmung dort, nach dem Tod von Formel-1-Ikone Niki Lauda?
KAI EBEL: Der Tod von Niki ist das große Thema hier. Natürlich weniger bei den jungen Leuten, denn die kennen Niki ja aus einer ganz anderen Perspektive. Aber die älteren oder die, die schon länger im Geschäft sind, die sind richtig betroffen. Das sieht man ja auch bei Mercedes: Toto Wolff und Lewis Hamilton sind erst mal gar nicht zu den Presseterminen erschienen. Die mussten sich erst mal richtig sammeln. Aber alle hier sind der Meinung, dass da jemand die Formel 1 verlassen hat, dessen Lücke keiner so richtig schließen kann. Niki war ein Original, er war unverwechselbar.

Auch Sie und Ihr Sender sind betroffen, schließlich war Lauda viele Jahre am RTL-Mikrofon zu sehen. Dort galt er als Mann klarer Worte.
Und das war er auch abseits. Bei ihm wusste man immer, woran man ist. Er war immer geradeaus. Und: Die meisten Menschen wussten gar nicht, dass er extrem viel Humor hatte.

Welche Anekdote werden Sie da in Erinnerung behalten?
Wir waren einmal zusammen essen, in einem Steakhouse in Argentinien. Mit dabei war damals Daniel Brühl, der sich auf den Film "Rush" (ein Film über das WM-Duell zwischen James Hunt und Lauda, Anm. d.Red.) vorbereitet hat. Daniel meinte ganz ehrfürchtig, er müsse sich jetzt alle Eigenarten Nikis anschauen, damit er ihn richtig wiedergibt. Ich hab’ ihn damals mit seinem Akzent aber schon immer gern nachgemacht. Also sagte Niki zu Daniel: "Do, schau wie der Kai dös mocht, wenn’st ös genau so mochst, dann bassts." Da war ich ganz gerührt. Aber das war halt typisch Niki. Er konnte in dem Moment auch über sich selber lachen.

Hommage an Niki Lauda bei Mercedes und Ferrari

Wie wird Mercedes nun mit der Situation umgehen, dessen Aufsichtsrats-Vorsitzender Lauda war? Schockstarre oder Vollgas für Niki?
Der Job muss ja weitergehen. Das wäre sicher auch der Wunsch vom Niki gewesen, dass alles ganz normal weiterläuft. Der hätte gesagt, "jetzt mocht’s ned so an Schäß, mocht’s gscheid weida!" Aber sicher werden wir an den Autos von Mercedes eine Hommage an Niki sehen, genauso wie bei Ferrari.

Apropos: Gibt es für die Roten und Sebastian Vettel überhaupt noch eine Chance in diesem Jahr auf den Titel?
Wenn sie überhaupt noch was reißen wollen, dann ja hier. In Monaco hat Mercedes schon seit 2016 nicht mehr gewonnen. Wenn sie überhaupt irgendwo Schwächen haben, dann ist es eben hier. Aber für Ferrari wird es ganz schwer.

Ein ehemaliger Ferrari-Pilot hätte Grund zu feiern: Kimi Räikkönen bestreitet sein 300. Rennen. Ein Jubiläum, das aber getrübt sein dürfte.
Ach, der Kimi ist doch sowieso ein unangepasster Typ. Zahlen bedeuten dem doch wirklich gar nix. Ich bin mir sicher: Wenn man ihm nicht gesagt hätte, dass es sein 300. Rennen ist, dann wüsste der das auch überhaupt nicht.

 

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