AZ-Interview Jetzt spricht der Mann, der Booker ersetzen soll

"Ich hatte in den vergangenen Jahren ähnliche Rollen wie Devin jetzt bei Bayern", sagt Leon Radosevic über seine Aufgabe als Vertreter von Center Devin Booker. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Leon Radosevic erklärt im AZ-Interview, wie er den verletzten Center der Bayern-Basketballer vertreten will – und nimmt das Team in die Pflicht. Er spricht über seine Ex-Klubs Berlin und Bamberg sowie Niko Kovac.

Der Deutsch-Kroate Leon Radosevic (28) wechselte im Sommer von Bayern-Rivale Bamberg zum FC Bayern.

AZ: Herr Radosevic, wie sehr trifft es Bayerns Basketballer, dass Devin Booker (Sprunggelenk) nun Wochen ausfällt?
LEON RADOSEVIC: Das hat uns natürlich geschockt. Es hat erst gar nicht so schlimm ausgesehen. Aber Verletzungen gehören zum Basketball leider dazu. Jetzt müssen wir als Team noch enger zusammenrücken und diese Phase gemeinsam überstehen.

Bookers Zwangspause kommt vor den Spielen heute Abend (20.30 Uhr) gegen Kaunas und am Sonntag (15 Uhr) gegen Alba Berlin zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
Es ist ein harter Spielplan, aber wir können deshalb jetzt nicht anfangen, zu weinen. Booker ist schon einer unserer Topspieler, deshalb muss jetzt jeder mithelfen, ihn zu ersetzen.

Als Backup-Center sind Sie dabei besonders gefragt.
Damit habe ich kein Problem. Ich hatte in den vergangenen Jahren ähnliche Rollen wie Devin jetzt bei Bayern.

Sehen Sie es also auch als Chance, sich zu zeigen?
Natürlich. Ich bin aber nicht hierhergekommen, um mich persönlich zu beweisen, ich habe in meiner Karriere schon gezeigt, wer ich bin und was ich kann. Ich bekomme wohl etwas mehr Spielzeit, will da aber gar keine so große Sache daraus machen. In ein paar Wochen wird Devin zurückkommen und dann auch wieder seine Rolle bekommen.

Es kommen gleich echte Härtetests auf die Mannschaft zu. Welche Bedeutung hat das erste Spiel gegen Vizemeister Berlin am Sonntag?
Zuerst haben wir noch Kaunas in unseren Köpfen. Aber Berlin ist zusammen mit Bamberg schon unser stärkster Gegner in der Liga. Das wird ein guter Test, wie wir auf das harte Spiel am Freitag gegen Kaunas reagieren.

Radosevic vor Duell mit Alba: "Emotionen kontrollieren"

Ein spezielles Duell für Sie mit Ihrem Ex-Klub?
Ich treffe zum ersten Mal mit Bayern auf Alba. Die Rivalität zu Bayern war damals ziemlich groß, auch ich habe sie intensiv gelebt, da war ich aber auch noch ein bisschen jünger. Jetzt sage ich: Wir können nicht unsere ganze Energie in diesem einen Spiel verbrennen. Wir müssen unsere Emotionen kontrollieren, ruhig bleiben.

Gegen Berlin wollen Sie aber sicher nicht Ihre erste Liga-Niederlage kassieren, oder?
Wir wollen so lange wie möglich ungeschlagen bleiben. Es ist einfacher, die Nummer eins zu sein als die Nummer zwei. Aber dieses erste Spiel hat da jetzt noch keine finale Bedeutung.

Hat Berlin mittlerweile Bamberg als Bayerns größten Rivalen abgelöst?
Du darfst sie nicht zu früh abschreiben. Basketball steht in Bamberg immer noch an erster Stelle. Vielleicht haben sie nicht mehr ein ganz so dominantes Team wie in den vergangenen Jahren. Aber speziell in ihrer Halle ist es für jede Mannschaft schwer, zu bestehen. Diese drei Teams werden wahrscheinlich um den Meistertitel kämpfen, auch Bamberg.

Radosevic: "Ich will mich immer mit den Besten messen"

Sie zogen im Sommer in Bamberg eine Ausstiegsklausel, nachdem dort entschieden wurde, zukünftig nur in der zweitklassigen Champions League und nicht mehr in der Euroleague zu spielen.
Das wäre für mich ein Rückschritt gewesen, denn ich will mich immer mit den Besten messen. Diese Möglichkeit hat mir Bayern geboten. Bamberg wollte einen Neustart, hat den Coach und viele Spieler ausgetauscht und will wieder um die Meisterschaft mitspielen. Basketballerisch haben sie nicht allzu viele Schritte nach hinten gemacht.

Ist in München nun noch mehr möglich als in Bamberg, zum Beispiel das Erreichen der Playoffs in der Euroleague?
Das habe ich in Bamberg zwar auch getan, aber ich glaube wirklich daran, dass wir die Playoffs erreichen können, weil wir die Qualität und die nötige Teamchemie haben. Wir geben alles dafür.

Radosevic glaubt an Kovac

Sie sind großer Fußballfan, waren im Sommer sogar beim WM-Finale in Moskau. Wie stehen Sie zu den Fußballern des FC Bayern?
Früher hatte ich, auch wegen Cristiano Ronaldo, eher Sympathien für Real Madrid. Und Juventus Turin war als Kind noch mein Lieblingsklub. Bayern entwickelt sich aber schon zu meiner dritten Mannschaft, von der ich Fan bin. Gerade jetzt, wo sie ein bisschen zu kämpfen haben. Und sie haben ja in Niko Kovac auch einen kroatischen Coach.

Haben Sie Kovac getroffen, als er kürzlich mal in der Halle war?
Ich habe es leider gar nicht mitbekommen, dass er da war. Ich würde mich sehr freuen, wenn er mal wieder zu einem Spiel kommt und mich ihm dann gerne mal vorstellen. Es ist nicht einfach für ihn bei einem Klub wie dem FC Bayern, der im Fußball die allerhöchsten Erwartungen hat. Aber ich glaube an ihn und daran, dass er das Team auf den richtigen Weg bringt.

 

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