AZ-Interview Janosch: Meine Figuren reden für mich

Janosch posiert vor seinem Bild „Der Tiger mit grüner Nase“. Foto: Roland Weihrauch

Der Europapark Rust widmet ihm eine große Ausstellung: Dafür hat Janosch sein einsames Paradies auf Teneriffa für kurze Zeit verlassen.

Mit Tiger, Bär und Tigerente wurde er berühmt. Sein Ende der 1970er-Jahre erschienenes Kinderbuch „Oh wie schön ist Panama“ ist ein Kinderklassiker, den auch erwachsene gerne anschauen, denn immer sind auch ein paar erotische Frechheiten zu entdecken. Im Europa-Park in Rust bei Freiburg hat der Illustrator, Kinderbuchautor und Schriftsteller Janosch bis zum 8. Januar eine Kunstausstellung mit mehr als 200 Werken aus sechs Jahrzehnten.


Janosch (85), bürgerlich Horst Eckert, hat mehr als 300 Bücher verfasst und illustriert. Seit mehr als 30 Jahren wohnt er auf der spanischen Kanaren-Insel Teneriffa. Geboren wurde er im heutigen Polen.


AZ: Herr Janosch, öffentlich treten Sie kaum in Erscheinung.
JANOSCH
: Ja, ich stehe nicht gerne im Rampenlicht. Am liebsten wäre ich unsichtbar. Und ich habe großes Lampenfieber. Die Gefahr, dass ich anfange Unsinn zu reden, ist dann groß. Deshalb gehe ich auch nicht ins Fernsehen.

Ihre Kinderbücher sind Klassiker. Warum sind gerade sie so erfolgreich?
Eine glückliche Kindheit ist das größte Geschenk, was ein Mensch in seinem Leben bekommen kann. Und es ist, wie wir alle wissen, keine Selbstverständlichkeit. Ich will versuchen, mit meinen Werken den Menschen etwas von dem Glück und der Unbeschwertheit zu geben, was nur Kindertage haben können. Das ist wichtig gerade jetzt in einer Zeit, in der die Welt immer verwirrender wird.

Wie viele Bücher haben Sie inzwischen verfasst?
Ich habe neulich Inventur gemacht. Bei 300 Büchern habe ich aufgehört, zu zählen. Zu den 300 gezählten Büchern kommen noch 80 geschätzte Bücher hinzu. Manche Figuren, die ich schuf, begleiten uns durchs Leben. Eine schöne Bilanz – aber noch nicht das Ende! Aber ich plane derzeit ein Kochbuch mit polnischen Rezepten. Ich stamme aus Polen und will meinem Heimatland kulinarisch etwas auf die Spur kommen. Mal schauen, ob es ankommt bei den Leuten. Es ist ja auch ein mühsames Geschäft mit den Büchern.

Inwiefern?
Für den Erfolg gibt es keine Garantie. Man muss fünf Bücher machen, um eines zu verkaufen. Aber ich mache weiter - und ich mache es gerne. Weil ich als Künstler, wie in keinem anderen Beruf sonst, Träume leben, sie bildlich machen und so zu Träumen inspirieren kann.

Sie sind im März 85 Jahre alt geworden.
Aber ich arbeite täglich an neuen Büchern, weil mein Kopf voller Ideen und die Arbeit wunderbar ist. So, wie es ist, kann es noch 20 Jahre dauern - bevor es dann aus ist.

Geht Ihnen die Arbeit leicht von der Hand?
Es ist mit den Jahren sogar leichter geworden. Und jetzt genieße ich es. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten veröffentlichten Arbeiten 1956 und an mein erstes Buch wenige Jahre später. Das waren schwere Geburten und kein Vergleich mit der Leichtigkeit, mit der ich heute arbeiten kann.

Wie kam es zu diesem ersten Buch?
Ich hatte beschlossen, Maler zu werden. Ich scheiterte aber an der Kunstakademie in München, musste mein Studium dort wegen mangelnder Begabung im zweiten Semester beenden. Ein Freund, mein späterer Verleger, animierte mich dazu, ein Kinderbuch zu machen. Überzeugt war ich damals nicht, aber das Buch war erfolgreich. Und so hatte ich meinen Traumberuf gefunden.

Wie schaffen Sie es, immer wieder aufs Neue kreativ zu sein?
Ich lasse mich von der Sonne inspirieren. Wenn es trübe und dunkel ist, kann ich nicht arbeiten. Sobald ich, um tätig werden zu können, einen Lichtschalter betätigen muss, ist es vorbei. Deshalb habe ich vor Jahren auch meine Wohnung in München aufgegeben. Ich brauche das Licht und die Kraft der Sonne, beides inspiriert mich. Die Sonnenstrahlen sind die Wellen, die mich tragen. Deshalb lebe und arbeite ich hier auf Teneriffa. Hier ist die Sonne immer da und durchflutet das Haus. Zudem schätze ich die Einsamkeit hier sowie den freien Blick auf das Meer und die Landschaft. Das ist mein kleines Paradies – ganz ohne Kälte und Schnee.    
 

 

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