AZ-Interview Grizzlys-Coach Cortina: "Dann versohlt uns München den Hintern"

"Wir müssen unser Spiel spielen, sonst gehen wir unter", warnt Pat Cortina vor der Partie in München. Foto: imago

Der frühere EHC-Coach Pat Cortina tritt mit Wolfsburg in München an. In der AZ spricht er über das Duell und eine harte Selbstanalyse.

 

München - Pat Cortina trainierte von 2006 bis 2013 (mit kurzer Unterbrechung) den EHC München. Seit dieser Saison ist der Italo-Kanadier Coach der Wolfsburg Grizzlys, die am Freitag zu Gast in München sind. Im AZ-Interview spricht er über seinen EX-Verein und über die Chancen für Wolfsburg.

AZ: Herr Cortina, für Sie geht es mit den Grizzlys Wolfsburg am Freitag zum Kräftemessen mit dem EHC München an Ihre alte Wirkungsstätte am Oberwiesenfeld. Wie sehr fühlt es sich für Sie immer noch wie eine Heimkehr an?
Pat Cortina: München hat einen besonderen Platz in meinem Herzen und wird den auch immer haben. Meine Frau und meine zwei jüngeren Töchter sind aber mit mir zusammen nach Wolfsburg gezogen, weil pendeln über diese große Distanz keinen Sinn macht. Es ist jetzt unsere Heimat. Aber meine älteste Tochter lebt weiter in München. Deswegen wird es auch immer Anlaufpunkt sein. Natürlich wird ein wenig Nostalgie aufkommen, wenn ich die Halle betrete, aber ich bin jetzt mit vollem Herzen Trainer in Wolfsburg. Dieses Spiel ist für uns Wolfsburger eine extreme Herausforderung. München hat eine unglaublich starke Mannschaft und nicht umsonst den Liga-Rekord von neun Siegen in Serie zum Auftakt eingestellt. Wenn wir nur abwarten und auf das reagieren, was München macht, werden sie uns den Hintern versohlen. Wir müssen unser Spiel spielen. Sonst geht man in München unter.

Es ging für Wolfsburg sehr gut los, die letzten fünf Spiele setzte es aber Niederlagen.
Wir spielen teilweise sehr gut, waren die bessere Mannschaft, hatten mehr Chancen. Aber: Wir definieren momentan erst unsere Identität. Wir haben 12, 13 neue Spieler, ein neues Trainerteam, ein neues Spielsystem. Wenn man ehrlich ist, sind wir als Mannschaft erst neun Spiele alt. Der EHC hat hingegen den Kern seiner Mannschaft beibehalten, das gleiche Trainerteam. Sie sind uns in der gesamten Entwicklung im Moment voraus.

Cortina: "Der Anruf aus Wolfsburg bedeutete mir sehr viel"

Wie hart war es für Sie, nach der Entlassung in Schwenningen zu warten, bis ein neues Jobangebot kommt?
Sehr, sehr hart. Das war erst das zweite Mal in meiner Karriere. Ich habe auch die Entlassung nicht ganz verstanden. Mir ist klar, dass es Profisport ist und am Ende die Resultate entscheiden. Es ist aber sehr leicht, in dem Business den Blick für das große Ganze zu verlieren, wenn man sich nur auf die Momentaufnahme konzentriert. Ich habe mir dann die Zeit genommen und eine sehr klare und ehrliche Selbstanalyse vorgenommen. Denn man muss das auch ganz klar sehen: In meinem Alter...

...Sie sind 55.
Genau, in meinem Alter gibt es keine Garantie, dass man noch eine Chance bekommt. Ich habe analysiert, was ich falsch gemacht habe und – ganz offen – auch darüber nachgedacht, was es für Alternativen im Berufsleben gibt. Dass der Anruf aus Wolfsburg kam, bedeutet mir sehr viel. Dass er von jemandem kam, mit dem ich in der Vergangenheit zusammen gearbeitet habe, der mich, meine Arbeit kennt, bedeutet mir noch mehr.

Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf.
Wir haben bei der Nationalmannschaft zu meiner Zeit als Bundestrainer zusammengearbeitet. Es ist eine große Ehre, dass ich in Wolfsburg das Vertrauen erhalten habe und meiner Passion Eishockey weiter nachgehen kann. Ich bin bei einer Toporganisation. Ich bin hier wirklich sehr glücklich.

In München sind Sie bei den Fans weiter sehr beliebt.
Das ehrt mich. Die Fans in München sind mit mir und vielen anderen Ehemaligen immer respektvoll umgegangen. Auch, wenn sie sich mit ganzem Herzen wünschen werden, dass der EHC uns und mir den Hintern versohlt. (lacht)

Was macht den EHC in dieser Saison so stark?
Die ganze Organisation ist aufs Gewinnen fokussiert und ordnet dem alles unter. Es ist eine extrem starke Truppe, nicht umsonst haben sie drei Mal den Titel geholt, wurden vergangene Saison Vizemeister.

Was hat vergangene Saison den Ausschlag für den Titelgewinn Mannheims gegeben?
In meinen Augen war es am Ende die Anzahl der Spiele. München ist in der Champions League bis ins Finale gekommen, die Spieler haben dadurch viel mehr Partien bestritten als alle anderen Vereine. Irgendwann kommen die Müdigkeit, die Verletzten. Aber Mannheim war auch extrem stark. Sie sind es immer noch, wie wir in der Saison schon erfahren mussten.

Cortina über Jackson: Charismatisch, bescheiden und voller Wissen

Das 7:2 am dritten Spieltag gegen Mannheim dürfte dem EHC trotzdem gut getan haben.
Sicher. Aber wir wissen alle, dass das den Titel nicht zurückbringt. Mannheim ist deswegen immer noch der Champion.

Was zeichnet EHC-Coach Don Jackson, den erfolgreichsten Trainer der DEL-Historie, aus?
Er hat ein unglaubliches Wissen und die Fähigkeit, dieses auch weiterzugeben. Er hat Charisma, er sammelt die besten Leute um sich herum. Er ist bescheiden genug, um Rat von anderen anzunehmen und sich nicht als alleiniger Vater des Erfolges aufzuspielen. Ich mag seine ruhige Art. Wobei ich sicher bin, dass er innerlich keineswegs immer so ruhig ist, wie er nach außen wirkt.

Es gibt Augenzeugen, die berichten, dass seine seltenen Wutanfälle es in der Intensität mit Ihren aufnehmen können. Und Sie hatten immerhin den Spitznamen Alpenvulkan.
(lacht) Ich sage jetzt lieber nichts.

Lesen Sie hier: Die Rekordknacker-Bande des EHC München

 

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