AZ-Interview Frank Wörndl über Felix Neureuther: "Nicht zu ersetzen"

Felix Neureuther in Aktion. Foto: Marco Trovati/AP/dpa

Frank Wörndl, Slalom-Weltmeister von 1987, spricht in der AZ über die WM in Are, das Abschneiden von Viktoria Rebensburg und von Superstar Neureuther. "So einer ist nicht zu ersetzen".

 

Der jetzt 59-jährige Frank Wörndl war Weltmeister 1987 und Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1988 – jeweils im Slalom. In der AZ spricht er über Superstar Felix Neureuther.

AZ: Herr Wörndl, Felix Neureuther hat nach seinem Einfädler beim WM-Slalom in Are recht kryptische Andeutungen gemacht, dass sich nicht nur bei ihm, sondern auch im Verband was ändern müsste. Wie schätzen Sie – Slalom-Weltmeister von 1987 – das ein?
FRANK WÖRNDL: Mei, alles halb so wild. Wenn man alles versucht und auch eigentlich gut fährt, dann aber zwei Sekunden Rückstand hat – und dann noch so ein Fehler passiert, dann sitzt der Frust natürlich tief. Aber ich saß gerade zusammen mit ihm im Flieger von der WM zurück hierher und er war eigentlich gut drauf. Er hat zu mir gesagt: "Das sah jetzt immerhin wieder wie Skifahren aus." Und ich habe nur gemeint: "Keine Frage, das sah gut aus." Manchmal gibt eine Piste eben einfach nicht mehr her – und hier war das so. Er war schnell, er war gut drauf. Das war eher ein bisschen fehlender Fitness geschuldet, die er aufgrund des Heilungsverlaufs und gewisser Widrigkeiten einfach nicht so haben konnte.

Neureuther hat viel für den Wintersport getan

Neureuther ist 34 und denkt über ein Karriereende nach.
Aus meiner Sicht muss er ned aufhören. Es ist ja nicht so, dass seine Beine nicht mehr schnell genug wären, dass er chancenlos hinterherfährt. Aber falls er sich entscheidet, dass es das war, dann kann und darf ihm auch wirklich keiner böse sein, denn er hat dem Wintersport – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit – so viel gegeben, da können wir alle nur dankbar sein.

Ich kann nur sagen: Ich bewundere Felix. Wie er mit 34 Jahren immer noch zur absoluten Weltspitze gehört, das macht ihm so schnell keiner nach. Ich hab für mich immer gesagt, mit 30 will ich nicht mehr da runterfahren. Das habe ich eingehalten. Aber der Felix mit seinen 34 sieht auf der Piste auch noch besser aus als ich damals mit 30.

"Felix ist in seiner Art einzigartig"

Neureuther würde aber eine gewaltige Lücke reißen, wenn er abtreten sollte.
So einer ist nicht zu ersetzen. Einer, der seine Leistung bringt und auch so ein bodenständiger Sympathieträger ist. Da kann man dann nur hoffen, dass ein anderer Charakter nach vorne tritt. Das wird auch passieren, aber der Felix ist in seiner Art einzigartig. Er wird sich die Entscheidung sicher nicht leicht machen. Er ist ja jetzt Familienvater, da spielen andere Dinge eine Rolle, da kommt auch eine gewisse Gemütlichkeit ins Leben. Da muss er einfach für sich entscheiden, ob er das Leben als Spitzensportler noch will, ob ihn das noch so motiviert, wie man es braucht, um ganz vorne dabei zu sein, oder ob ihm anderes jetzt wichtiger ist.

Kommen wir zu Viktoria Rebensburg. Sie hat Silber geholt, aber es war noch mehr drin.
Positiv muss man sagen, sie hat bei der WM die besten Leistungen der Saison gezeigt, das ist schon mal sehr, sehr gut. Aber sie hat jeweils im letzten Abschnitt so viel Zeit verloren. Ich habe mir schon bei der Fahrt gesagt, jetzt greif an, aber man hat gesehen, das wird nichts. In den letzten Toren hat sie alles hergeschenkt. Sie war gut und schnell, aber ohne das wäre sie Weltmeisterin gewesen. Ich war erst ein bisschen ärgerlich, dass sie so gefahren ist, denn bei einer WM, da zählt nur Gold. Das ist hart, brutal und unfair, aber es ist eben so.

Wörndl über Hirscher: "Der ist ein Phänomen"

Kommen wir zu Slalom-Weltmeister Marcel Hirscher.
Was der im Riesenslalom geleistet hat, war unmenschlich. Der hatte so hohes Fieber, jedem normalen Menschen hättest du gesagt, leg dich ins Bett. Aber wir reden hier vom Hirscher, der ist ein Phänomen – und das hat er beim Slalom wieder bewiesen.

Was unterscheidet Hirscher von Neureuther?
Neureuther ist mehr Einzelkämpfer, während der Hirscher sein Team brutal unter Kontrolle hat. Ich glaube, der Trainer geht mit ihm sogar zusammen auf die Toilette. Da ist alles durchgeplant, nichts dem Zufall überlassen, dazu der Wille, die Disziplin – einzigartig.

Ihr Fazit der WM in Are?
Es war a bisserl fad. Die Schweden sind ja eher gemütlich und so war auch die WM. Wenn die Rennen zu Ende waren und im Fernsehen auf Biathlon geschaltet wurde, war mehr Stimmung als bei den Alpinen. Eigentlich gehört die WM da nicht hin. Aber es gibt eben auch nicht so viele wirklich skibegeisterte Länder. Die Ski-Welt ist klein.

Lesen Sie auch: Miriam Neureuther - Süße Liebeserklärung

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading