AZ-Interview Fleisch höher besteuern? Das sagt der Münchner Traditionsmetzger Gaßner

Clemens Hagen.
Andreas Gaßner. Foto: Gaßner Tracht

Soll die Mehrwertsteuer für Fleischprodukte erhöht werden? Der Münchner Traditionsmetzger Andreas Gaßner lobt die Landwirtschaft, fordert aber auch ein Umdenken.

 

Andreas Gaßner (52) führt in dritter Generation die Metzgerei Gaßner im Viehhof an der Zenettistraße und ist Obermeister der Münchner Innung.

AZ: Herr Gaßner, bei der neuen Debatte um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleischprodukte von sieben auf 19 Prozent müsste Ihnen als Obermeister der Münchner Metzgerinnung doch die Zornesader anschwellen, oder?
ANDREAS GASSNER: Nur, weil in Berlin jemand im Sommerloch auf eine solche Idee kommt? Nein, sicher nicht.

Heißt das: Ihren Kunden wäre es wurscht, ob Fleisch und Aufschnitt teurer werden?
Ich glaube schon, dass ich meinen Kunden das vermitteln könnte, wenn es um den Tierschutz und artgerechte Haltung ginge. Wir leben in Bayern in einem Land der Glückseligkeit – auch, was die Landwirtschaft betrifft. Neulich war ich in Fürstenfeldbruck bei einem Schweinebauern. Der hat – an seinem Tag der offenen Tür – die Kunden ganz selbstverständlich in den Stall gelassen. Dabei sind die Sauen völlig ruhig geblieben, völlig entspannt. Das war super und das erwarten wir von einem Landwirt. Da bin ich als Erster gerne bereit, ihm drei Cent mehr zu geben für sein Fleisch.

Discounter setzen Landwirte unter Druck

Auf Sie mag das zutreffen, aber was ist mit den Discountern? Da zählt doch noch jeder Cent.
Stimmt, die Discounter setzen die Landwirte unter Druck, nach dem Motto: Entweder du produzierst günstiger, oder ich kaufe im Ausland. Um Kunden zu locken, versehen sie ihre Verpackungen dann mit bunten Etiketten und tollen Namen wie "Meisterstück". Aber das Problem sind gar nicht mal so sehr die Discounter, sondern vielmehr die Kunden der Discounter: Solange die das billige Fleisch kaufen, wird sich auch nichts ändern. Die Deutschen sind das Volk in Europa, das am wenigsten Geld für Lebensmittel ausgibt.

Sie fordern ein gesellschafliches Umdenken?
Natürlich muss es das geben. Wir müssen uns alle fragen: Wie viel Fleisch kaufe ich? Wie viel Fleisch brauche ich? Wie viel Fleisch esse ich? Und die Antwort darauf darf am Ende nichts mit dem Mehrwertsteuersatz zu tun haben.

 

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