Ferres und Lauterbach im AZ-Interview „Wir lieben uns seit dem ersten Drehtag“

„Texte, die ich liebe“: Veronica Ferres und Heiner Lauterbach bei den Dreharbeiten zu „Unter deutschen Betten“. Foto: dpa

Wie fühl es sich an, plötzlich zum Star zu werden und dann abzustürzen, bis man im Müll fischen muss? Das beschreibt ein Film von Veronica Ferres, in dem Heiner Lauterbach richtig hässlich zu ihr sein darf.

 

München - Schon vor sechs Jahren hat sich Veronica Ferres die Verfilmungsrechte am Buch von Justyna Polanska, „Unter deutschen Betten“, gesichert. Seitdem entwickelte sie den Filmstoff mit.

Jetzt wurden Szenen im GOP-Varietétheater an der Maximilianstraße gedreht, dann ging es auf der Bühne vom Deutschen Theater weiter. Denn in dem Film geht es um ein so genanntes One-Hit-Wonder, eine Frau, die kurz als Popstar ganz oben ist und dann tief fällt. Ihre Putzfrau Justyna Polanska, die sie immer von oben herab behandelt hat, bleibt ihr einziger Rückhalt – und sie geht jetzt selbst putzen. Im GOP sprach Veronica Ferres zusammen mit Heiner Lauterbach, der ihren Produzenten und Ex-Lover spielt, mit der Abendzeitung.

AZ: Frau Ferres, haben Sie selbst Erfahrungen mit dieser Art von harten Jobs am Existenzminimum?

VERONICA FERRES: Ich habe mir als Studentin bei der Jobbörse Jobs verschafft, um mich über Wasser zu halten. Da musste man Lose ziehen und war mal am Fließband für zwei oder drei Wochen und hat Deckel auf Rama-Margarine gedrückt. Ich habe geputzt, Plakate geklebt, gekellnert bei Snobs in Grünwald, habe Babys gesittet, Französisch-Nachhilfe gegeben.

HEINER LAUTERBACH: Wie kann man sich dich denn bei dir Französisch-Nachhilfe vorstellen?

FERRES: Drecksau! „Comment ca va, Cherie?“ Aber im Ernst: Ich liebe Heiner. Schon bei unserem ersten Film – er war schon ein Star – musste ich am ersten Drehtag Sex mit ihm haben, am Küchentisch. Seitdem lieben wir uns – als Menschen, wie Bruder und Schwester.

Was schätzen Sie an Heiner Lauterbach?

FERRES: Wir sind seit über 25 Jahren befreundet, er ist ein ganz direkter. . .

LAUTERBACH: . . . wir kommen ja beide aus dem westlichen Deutschland, wo das Herz auf der rheinischen Zunge liegt.

FERRES: Und Heiner ist ein ehrlicher, gutaussehender Typ mit einer wunderbaren Frau und Kindern, die auch mit unseren Kindern befreundet sind. Und Heiner liebt Kunst, Literatur und das gute Leben. Ich habe keinen Grund, ihm eine reinzuhauen, so wie ich das jetzt im Film mache. Aber das haben wir vor ein paar Tagen mit einem Stuntman geprobt. Es ist eine Revanche: Denn im letzten Film, „Meister des Todes“ von Daniel Harrich, hat Heiner mir eine scheuern dürfen.

Im Film sieht man sie in harten Situationen.

FERRES: Selbstironie ist ein Aspekt, der mir an dem Filmprojekt gefallen hat. Und da gibt es auch viele voyeuristische Elemente, wenn ich meinen Kopf in Mülltonnen stecke oder Klos putze oder von Chefs rumkommandiert werde, wie im Film von Monika Gruber. Im Film geht es um die wichtigen und ernsten Dinge im Leben, aber eben in Form einer Komödie: Selber zu sich ja sagen, viel lernen und auch demütiger sein. Denn meine Figur ist grauenhaft zu ihrer Umgebung, hat Star-Allüren, sie ist eine Super-Zicke, die aber eben so richtig auf die Schnauze fällt und sich aus dem Dreck wieder rausziehen muss. Aber danach ist sie eben eine andere Person, stimmiger, fester und damit eben auch freier, um ohne Fassade humaner zu sein. Und meine Putzfrau hat im Film sogar auch eine kleine Rolle bekommen.

Haben Sie als Vorbereitung auch Günter Wallraffs „Ganz unten“, die brutale Reportagen über die prekären Jobverhältnisse in Deutschland, gelesen?

FERRES: Ich bin ein Wallraff-Fan, weil er als Spiegel für unsere Gesellschaft wichtig ist. Und diesen ungeschminkten Blick auf die „ganz unten“ erzählt auch die Figur der ukrainischen Putzfrau Justyna Polanska in „Unter deutschen Betten“.

Wie viel verstehen Sie selbst von so genannter Hausarbeit?

FERRES: Ich selbst bin als Jüngste mit meinen Brüdern so aufgewachsen, dass wir alle putzen, kochen und waschen konnten. Und habe immer noch den Tick, dass ich die Portionen der Großfamilie im Kopf habe und viel zu viel mache, wenn ich Freunde einlade.

„Haartransplantation? Das hätte man früher überlegen müssen“

Wie zum Beispiel Heiner Lauterbach mit seiner Familie?

FERRES: Ja, ich koche gerne. Aber das letzte Mal hat mein Mann gekocht, und der Werner Herzog war auch da. Und jetzt kommen wir ja bald zu Euch, Heiner. Was gibt’s?

LAUTERBACH: Wir grillen: Fleisch ist ein Stück Lebenskraft! Geht es da auch um Berufliches, also Film? Auch Ihr Mann Carsten Maschmeyer ist ja jetzt Juror bei „Höhle der Löwen“?

FERRES: Privat spreche ich mit meinem Mann nicht über Berufliches, das ist das Schöne an unserem Zusammensein. Herr Lauterbach, Frau Ferres hat die Hauptrolle und ist auch noch Produzentin bei „Unter deutschen Betten“. Warum haben Sie mitgemacht?

LAUTERBACH: Weil ich im Film den Satz als ihr Produzent sagen darf: Du bist mindestens fünf Kilo zu fett und zehn Jahre, vielleicht 20 Jahre zu alt. Am entscheidendsten aber ist: Du kannst nicht singen!

FERRES: Das sind Texte, die ich liebe.

Und lieben Sie ihre Singstimme?

FERRES: Ich hatte die Chance, ins Studio zu gehen für das Lied. Denn hier auf der Bühne mit dem ganzen Trockeneisnebel, der heiser macht, zu spielen und vor den 200 Statisten live aufzutreten – das ist mir so erspart geblieben. Und wenn ich das jetzt höre, mag ich die Melancholie in meiner Stimme, die eben kein glockenklarer Sopran ist, sondern trauriger.

Und Sie Herr Lauterbach, Sie tragen hier für Ihre Rolle ja ein 80er-Föhnfrisur-Haarteil. Haben Sie mal an Haartransplantation gedacht?

LAUTERBACH: Das hätte man früher überlegen müssen: Wenn die Haare mal weg sind, ist das peinlich. Und meine Kinder würden in Schockstare fallen, wenn ich da mit neuer Haarpracht auftauche.

Ihre Kinder spielen ja auch in Filmen mit.

LAUTERBACH: Ja, mein Sohn war in Marokko-Thriller als Straßenjunge verkleidet, und meine Tochter spielt im nächsten Film sogar meine Enkelin! Meine Tochter in „Tannbach“ ist Henriette Confurius.

 

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