Augsburg-Trainer im Interview Manuel Baum: "Wir müssen den Bayern ihre Stärke nehmen"

, aktualisiert am 17.11.2017 - 08:00 Uhr
Manuel Baum vom FC Augsburg spricht im AZ-Interview über das Spiel gegen den FC Bayern. Foto: dpa

Augsburgs Trainer Manuel Baum spricht vor dem Spiel gegen Bayern über sein Leben in München, den neuen Geist unter Heynckes und sein Sieg-Rezept: "Wir müssen den Bayern ihre Stärken nehmen."

 

München - Der 38-jährige Manuel Baum aus Landshut stand in der Jugend für den TSV 1860 im Tor, trainierte später die SpVgg Unterhaching und ist seit Ende 2016 Trainer des FC Augsburg. Im AZ-Interview spricht er über seine Vergangenheit als Lehrer, die Arbeit von Bayern-Trainer Jupp Heynckes und seine besondere Beziehung zu Barcelona.

AZ: Herr Baum, in Ihrer Jugend haben Sie als Torhüter beim TSV 1860 gespielt, die Haare waren damals länger, gegelt und blondiert. Schlägt Ihr Herz seitdem für Sechzig – oder sind Sie doch ein Roter?
MANUEL BAUM: Da ich bei Sechzig gespielt habe, war ich dem Klub immer verbunden. Aber natürlich verfolgt man auch den FC Bayern, eigentlich alle bayrischen Klubs. Wenn aber Sechzig gegen Bayern gespielt hat, war ich eher ein Blauer. Am meisten interessiert mich aber selbstverständlich der FC Augsburg.

Das mit der Torhüterposition müssen Sie mal erklären. Wie kommt man auf diese Idee mit einer Körperlänge von – pardon – 1,72 Meter?
(lacht) Dafür ist meine Mutter verantwortlich. Als ich noch relativ jung war, bin ich beim Schießen immer umgefallen. Meine Mutter hat dann zu meinem Vater gesagt: „Stell’ ihn doch mal ins Tor.“ So kam das. Ich habe in der Jugend immer ein Jahr im Feld gespielt, eins im Tor. Deshalb kann ich die beiden Perspektiven heute ganz gut einschätzen.

Gehen Sie im Training manchmal noch ins Tor?
Nein, das würde nicht unfallfrei ausgehen.

Obwohl Sie den FCA trainieren, leben Sie weiter in München.
Ja, das stimmt. Ich wohne mit meiner Familie schon lange in München, die Strecke nach Augsburg ist ja gut zu fahren. Inzwischen habe ich hier einen Zweitwohnsitz und könnte mir vorstellen, irgendwann ganz nach Augsburg zu ziehen. Es ist eine super Stadt.

Kommen wir zum Spiel am Samstag. Als früherer Sechzger würde Ihnen ein Sieg gegen Bayern sicher besonders gut gefallen. Mit welchem Plan wollen Sie das Team von Jupp Heynckes bezwingen?
Wir brauchen eine Top-Leistung, eine hoch aggressive Leistung. Und dann müssen wir – wenn möglich – den Bayern ihre Stärken nehmen. Den genauen Plan kann ich aber noch nicht verraten. Ich freue mich auf das Spiel. Es wird eine große Herausforderung.

Wie erklären Sie sich den Bayern-Aufschwung unter Heynckes?
Die Bayern erzielen wieder super Ergebnisse, spielen attraktiven Fußball. Was man so mitbekommt, hat das eine oder andere in der Mannschaft nicht gestimmt, zwischen den Spielern und dem Trainerteam. Das scheint jetzt anders zu sein. Dieses Verhältnis ist ganz wichtig, das Zwischenmenschliche muss einfach passen.

Heynckes scheint besonders in diesem Bereich bei den Stars zu punkten.
Ich kenne ihn nicht persönlich. Aber der Eindruck ist, dass er in der Personalführung große Qualitäten hat. Das ist ein ganz wichtiges Thema im Profibereich. Ich kann mir sicher noch etwas bei Heynckes abschauen.

Sie sind 38, Heynckes 72 Jahre alt. Können Sie sich denn vorstellen, in diesem Alter noch Bundesliga-Trainer zu sein?
Es ist noch weit weg. Ich habe keine Ahnung, was in 35 Jahren ist.

Ihr FC Augsburg spielt bislang eine starke Saison, besonders in den Partien gegen namhafte Gegner wie Dortmund, Leipzig oder Hoffenheim sah Ihre Mannschaft gut aus. Wie erklären Sie sich das?
Es liegt an der Einstellung. Wir versuchen alles, egal welcher Gegner kommt. Das ist uns in fast allen Spielen gelungen, auch gegen Klubs mit weniger Budget. So eine Mannschaft wie unsere, die 90 Minuten Vollgas gibt, musst du erst mal besiegen.

Neben dem Trainerjob arbeiten Sie gelegentlich bei Sky, unterstützen Erik Meijer bei dessen Champions-League-Analysen. Sind Sie beim FCA nicht ausgelastet?
Das hat eher damit zu tun, dass ich mich auf diesem Weg weiterbilde. Es ist wichtig, auch mal Impulse aus anderen Bereichen zu bekommen, mal die journalistische Sicht zu sehen. Aber ich mache das nur, wenn es zeitlich gerade passt.

Bevor Sie Bundesliga-Trainer wurden, haben Sie als Lehrer an der Walter-Klingenbeck-Schule in Taufkirchen gearbeitet. Fächer: Sport, Wirtschaft, Recht und Buchführung. Waren Sie streng?
Ich glaube, dass ich zu allen Schülern ein ganz gutes Verhältnis hatte.

Auch zu den heutigen Fußball-Profis? Es waren ja einige bekannte Namen wie der Augsburg-Spieler Philipp Max dabei.
Max, Moritz Leitner, Kevin Volland, Fabian Johnson – die hatte ich alle schon als Lehrer. Autoritär war ich nie, bin es auch heute als Trainer nicht. Aber wenn es um Inhalte geht, bin ich streng.

Sie schauen sich für Ihre Mannschaft Methoden aus anderen Sportarten ab, zum Beispiel vom Basketball.
Ja. Es ist interessant, wie manche Sportarten mit Taktik umgehen. Im Basketball gibt es feste Abläufe, Zeichen, Absprachen, bei denen man sich fragt: Ist das im Fußball nicht auch möglich?

Und, wie lautet Ihre Antwort?
Wie im Football mit dem Quarterback und einstudierten Spielsituationen geht es im Fußball mit Ausnahme der Standardsituationen nicht, dafür ist das Spiel zu komplex. Aber wir haben auch bestimmte Signalwörter, an denen sich die Spieler auf dem Platz orientieren können. Da weiß dann jeder, was er gerade zu tun hat.

Wie viel FC Barcelona steckt eigentlich in Ihrer Fußball-Philosophie? Ihre Schwiegermutter kommt ja aus Barcelona.
Wir versuchen, mit der Familie jedes Jahr einmal in Barcelona zu sein. Eine schöne Ecke. Von Barça kann man natürlich viel mitnehmen, aber man muss immer sehen, was der eigene Verein für eine Philosophie hat und was die Qualität der eigenen Spieler hergibt. Generell mag ich die südländische Mentalität. Am besten ist es für einen Profi, wenn er südländisch Fußball spielt – und europäisch Fußball arbeitet.

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