AZ-Interview Eishockey-Legende Hans Zach wird 70!

„Ich fühle mich gut, bin fit, plane im Sommer wieder eine Alpenüberquerung mit dem Radl“, sagt Hans Zach, hier in seiner Heimat Bad Tölz. Foto: dpa

Alpenvulkan Hans Zach feiert seinen 70. Geburtstag. Im AZ-Interview spricht er über seinen Urlaub in der Karibik ("Zu heiß"), das Internet ("Brauch ich nicht") und das deutsche Eishockey ("Es fehlt an vielem").

 

Bad Tölz - Freitagvormittag in Bad Tölz, am Tag vor dem 70. Geburtstag. Hans Zach wartet vor seinem Haus, zur Begrüßung führt er den Besucher durch die Garage. An den Wänden Dutzende Wimpel als Reminiszenzen an Mannschaften und Turniere, daneben mehr als 100 Pucks als Souvenirs aus aller Welt.

Gegenüber aber hängt Zachs größte Trophäe: Ein Huchen, 115 Zentimeter lang, 15,2 Kilogramm schwer. "Den hab ich an Silvester 2012 aus der Isar gefischt", sagt er. Zach hat einen guten Teint, erst am Donnerstag kam er vom Urlaub aus Curaçao zurück.

AZ: Herr Zach, zwei Wochen Karibik, wären Sie nicht noch gern länger geblieben und hätten Ihren 70. Geburtstag am Samstag unter Palmen gefeiert?

HANS ZACH: Um Himmels willen, bloß nicht. Meine Frau hat ja am Montag schon geklagt, dass wir leider schon in drei Tagen wieder heim müssten. Ich hab geantwortet, die drei Tage werde ich schon auch noch überstehen. Mir war’s zu heiß. Ich brauch meine Heimat, Bad Tölz und die Isar als Lebensader.

Haben Sie denn am Strand wenigstens die Viertelfinal-Playoffs in der DEL im Livestream geschaut?

Livestream? Ich hab kein Internet und ich will auch keins. Ich schreib’ nicht mal eine SMS. Meine Frau kennt sich da besser aus. Ich habe sie mal nach dem Zwischenstand in den Playoffs gefragt, dann hat sie nachgeschaut. Das hat gereicht. Ich bin kein Typ, der permanent im Handy was suchen muss. Wenn ich nicht mehr weiß, wie nochmal der Berg im Karwendel heißt, der gleich nach dem Lafatscher rechts kommt, dann schlag ich halt die Wanderkarte auf. Da brauch ich kein Internet.

Juckt Sie das Eishockey gar nicht mehr? Kein Kribbeln, wenn Sie an die Playoffs denken, doch nochmal gern hinter der Bande zu stehen?

Nein.

Man sieht Sie manchmal noch in der Münchner Eishalle, verfolgen Sie die Spiele immer noch aus Sicht des Trainers?

Freilich. Das krieg ich nicht raus. Ich sehe ja gleich, wenn der Spieler in der Abwehr nicht zwischen Puck und Tor steht. Das hab ich meinen Spielern immer gepredigt. Und wenn ihr tot umfallt, dann fallt wenigstens zwischen Scheibe und Tor um und nirgendwo anders.

Sie waren berüchtigt für Ihre starke Defensivausrichtung.

Mich haben sie ja immer als den Maurermeister hingestellt. Dabei war mein System viel anspruchsvoller als das ewige Pressing. Forechecking kann jeder. Aber geduldig hinten stehen und dann mit viel Raum für die Stürmer auf Konter umschalten, das war die große Kunst. Ich hab als Ziel immer ausgegeben, mit 0:0 in die erste Drittelpause zu gehen. Oft stand’s dann aber eh schon 3:0 für uns.

Haben Sie sich oft am Gegner orientiert und Ihre Mannschaft dementsprechend eingestellt?

Nie. Der Gegner war mir immer wurscht, deswegen hab ich mir auch nie Videos zum Einstimmen angeschaut. Das Einzige, was ich vom Gegner immer gehört habe, war, dass sie gejammert haben, weil es ihnen keinen Spaß macht, schon wieder gegen das Zach-Team zu spielen. Ich wollte auch nie, dass es ihnen Spaß macht, sondern sie dafür umso mehr ärgern. Ist meistens auch gelungen.

Was dachten Sie denn dann bei Bayern-Trainer Niko Kovac, als er vor dem Spiel gegen Liverpool vor den Stärken des Gegners warnte und die Mannschaft dann beim 1:3 zu ängstlich und mutlos auflief. War da zuviel Ehrfurcht dabei?

Von der Taktik hätte ich das Spiel genau wie Kovac angelegt, erst hinten sichern, dann vorne zuschlagen. Was mir gefehlt hat: Die Bayern waren zu wenig bissig. Ohne Aggressivität. Die hätten doch sagen müssen, dem Salah und dem Mané lassen wir keine Luft. Das sind Mimosen, denen steigen wir mal sauber drauf auf die Füße und dann sehen die schon, dass bei uns nix zu holen ist. Leider hat mir das komplett gefehlt.

Im Fußball wie im Eishockey stellte München zuletzt in Serie den Meister, nun bröckelt die Dominanz an beiden Fronten. Zurück zur DEL, sehen Sie Mannheim heuer im Vorteil?

München hat Probleme, das sieht man. Nach drei Meisterschaften am Stück kann’s schon sein, dass es dich auch mal erwischt. Auch deswegen, weil, wie ich es sehe, viele Spieler die Scheibe zu lang halten. Das geht nicht schnell genug weiter. Mannheim dagegen hat sich extrem verbessert im Vergleich zu den letzten Jahren. Ein Verdienst vor allem von Trainer Pavel Gross, den ich sehr schätze. Er hat die Mannschaft sehr gut im Griff, alle wissen, wo es langgeht, da wird nicht groß gejammert. Und Gross schaut auch nicht auf Namen, er stellt nach Leistung auf, das gefällt mir gut.

Nach der DEL-Saison steht im Mai die WM an. Denken Sie, dass Olympia-Silber 2018 erst ein Anfang für das deutsche Eishockey war? Wird sich das DEB-Team in der Weltspitze etablieren, oder war das ein einmaliger Ausreißer nach oben?

Etablieren? Niemals. Das Halbfinale ist bei der WM im Mai in so weiter Ferne, wie es immer war. Es fehlt an vielem. Zum einen denken die Macher der DEL-Vereine nur an den kurzfristigen Erfolg, aber nicht langfristig. Und zum anderen natürlich die Ausbildung. Als ich in Düsseldorf war, hab ich erst einmal den teuersten Ausländer rausgeschmissen und für das Geld sechs hochqualifizierte Nachwuchstrainer in Vollzeit anstellen lassen. Aber stattdessen hast du bei uns Bäcker oder Metzger, die mittags Feierabend haben und dann auf 450-Euro-Basis am Nachmittag die Schüler trainieren. Dann kommt eben raus, was rauskommt – nämlich nix. Aber ich will nicht den großen Gscheitmeier geben, mich kümmert das nicht mehr.

Wie feiern Sie denn jetzt Ihren Geburtstag?

In einer Gaststätte hier in Tölz. Mit Familie, Freunden, 50 Leuten. Und meine Frau hat noch einen Zauberer bestellt. Wird sicher lustig.

Ist die 70 für Sie schlimm? Haben Sie Angst vorm Alter?

Nein. Ich nehme alles, wie es kommt. Ich habe natürlich auch schon Weggefährten verloren, meinen alten Freund Lenz Funk etwa. Ich fühle mich gut, bin fit, plane im Sommer wieder eine Alpenüberquerung mit dem Radl. Von Tölz an den Comer See. Ich weiß nicht, was noch kommt, aber ich denke positiv. Karl Valentin hat mal zum Regenwetter gesagt: "Ich freu mich richtig, dass es so schüttet, weil wenn ich mich nicht freuen würde, tät es auch schütten." Kurz: Ich freu mich am Leben. Und a bisserl Glück brauchst halt auch.
 

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