AZ-Interview EHC-Star Trevor Parkes: "Das wäre eine emotionale Explosion"

"Die Playoffs sind die Zeit, um seine Physis auszuspielen", sagt EHC-Stürmer Trevor Parkes (M.), hier gegen Augsburgs Braden Lamb. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Für Trevor Parkes ist das Halbfinale des EHC München gegen Augsburg besonders gefühlsbetont – es geht gegen seinen Ex-Klub und viele Freunde.

 

München - Trevor Parkes wechselte zu dieser Saison von den Augsburger Panthern zum EHC Red Bull München. Die AZ hat vor dem Beginn der Halbfinal-Serie gegen seinen Ex-Klub mit dem Kanadier gesprochen.

AZ: Herr Parkes, für Sie geht es mit dem EHC Red Bull München im Playoff-Halbfinale gegen Ihren Ex-Verein Augsburger Panther. Was war der erste Gedanke, als klar war, dass es jetzt genau zu diesem Duell kommen würde?
TREVOR PARKES: Ich dachte mir, der Eishockey-Gott hatte da sicher seine Händchen im Spiel und trägt jetzt definitiv ein kleines, verschmitztes Lächeln im Gesicht. Mir geht es nicht anders, auch ich habe dieses spezielle Lächeln drauf. Ich habe da sehr gemischte Gefühle, denn Augsburg war für mich, als ich den Schritt aus Nordamerika hier rüber gemacht habe, eine zweite Heimat. Ich habe dort noch viele gute Freunde und ich habe auch viele wunderbare Erinnerungen, aber die müssen jetzt alle eine Auszeit nehmen.

Also, um im Eishockey-Jargon zu bleiben, müssen die Gefühle auf der Strafbank Platz nehmen.
(lacht) Genau. Freundschaften gibt es erst wieder, wenn das Entscheidungsspiel vorbei ist. In so einer emotionalen Serie will man sich keine Blöße geben, will auf jeden Fall der sein, der am Ende übrig bleibt und ins Finale einzieht. Ich will der sein, der es ihnen unter die Nase reiben kann, dass sie verfrüht in den Sommerurlaub mussten – nicht andersrum.

EHC München: Parkes rechnete mit Augsburg-Duell

Ab wann haben Sie denn für sich die Szenarien im Viertelfinale durchgespielt, was passieren muss, damit es genau zu dieser Konstellation kommt?
(lacht) Ich habe immer so getan, als ob ich es nicht wüsste, aber ich hatte es genau im Kopf. Als dann Andrew LeBlanc im dritten Drittel des entscheidenden siebten Spiels gegen die Düsseldorfer EG das Führungstor für die Augsburger geschossen hat, habe ich schon gelächelt, weil ich mir irgendwie seit einiger Zeit sicher war, dass es genau so kommen würde. Ich freue mich auf diese Serie. Jeder weiß, dass es diese lange Rivalität zwischen München und Ausburg gibt, ich bin mir sicher, dass deren Hütte brennen wird, wenn wir dort spielen und unsere Fans werden ebenso ein Spektakel aufführen. Genau das sind die Spiele, die man unbedingt erleben will.

Für Sie selber läuft es im Moment nicht unbedingt rund, Sie, der König der dreckigen Tore, haben seit 15 Spielen keinen Treffer mehr erzielt. Wie gehen Sie mit dieser für Sie so ungewöhnlichen Tor-Dürre um?
Jeder, der sagt, dass ihn so etwas nicht beschäftigt, sagt nicht die Wahrheit. Es gibt Tage, da geht man aus dem Stadion raus und ist in einer Art Schockzustand, weil man es sich selber nicht erklären kann. Ich muss zugeben, dass ich mir im Moment selber ein wenig verwundert den Kopf kratze. Denn: Ich habe sogar die besten Gelegenheiten, die ich in der gesamten Saison hatte, aber der Puck will nicht rein. Zum Glück bin ich lange genug im Geschäft, damit mich so eine Phase nicht wirklich runterzieht. Denn solange ich mir die Chancen erarbeite, ist es nur eine Frage der Zeit, bis ich den Puck auch wieder versenke. Wirklich Sorgen muss ich mir erst machen, wenn ich plötzlich keine Tormöglichkeiten mehr habe, dann würde etwas fundamental falsch laufen. Aber erneut: Als Stürmer will man natürlich treffen, dem Team helfen – zum Glück sind andere Spieler in die Bresche gesprungen. Ich setze jetzt einfach wieder auf den Eishockey-Gott, dass er die Tore für mich für die Augsburg-Serie aufgehoben hat und sie dadurch umso schöner werden. Das wäre eine emotionale Explosion.

Parkes schwärmt von der Abgeklärtheit beim EHC München

Auch wenn Sie zur Zeit nicht treffen, helfen Sie der Mannschaft – ähnlich wie Keith Aulie in der Verteidigung – mit Ihrer extremen Physis.
Die Playoffs sind die Zeit, um seine Physis auszuspielen. Bei Aulie ist es so, dass sicher jeder Gegner schaut, wo er ist, denn er ist so ein Koloss, er kann dich mit jedem Check umhauen, auch so beeindruckt man den Kontrahenten. Und wenn ich am anderen Ende des Eises für den gleichen Effekt sorgen kann, gerne. Wenn jeder Verteidiger auf dem Eis sich denkt: "Oh, scheiße, Parkes ist auf dem Eis und er schaut, als würde er mir am liebsten den Kopf von den Schultern holen", dann macht er Fehler. Ich bin bereit, jede Arbeit zu erledigen, die es braucht, damit wir als Mannschaft Erfolg haben.

Sie kamen erst in dieser Saison zum EHC, der gerade den dritten Meistertitel in Serie gewonnen hatte. Spürt man diese Siegermentalität als Neuankömmling gleich in der Kabine?
Oh ja. Es gibt bei den Red Bulls einfach keinen Panikknopf. Jeder Spieler hat diese Aura, er strahlt diese extreme Selbstsicherheit des Siegers, des Champions aus. Als Neuer versucht man, sich da reinzufinden, das anzunehmen und auch zu leben. Wir sind eine extrem selbstbewusste Mannschaft, das ist keine Arroganz, aber das Wissen um die eigenen Fähigkeiten und was man damit bewirken kann. Wir wollen gewinnen. Jetzt und immer. Das ist meine mentale Einstellung. Ich sehe es so: Es gibt keine Garantie, dass man zu einem späteren Zeitpunkt wieder Erfolg hat, also muss man es jetzt erzwingen und alles dafür tun und in die Waagschale werfen. Ich gehe mit meinem Spiel immer All-In, in Las Vegas würde ich alles auf eine Zahl setzen, auf uns setzen.

 

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