AZ-Interview EHC-Star Daryl Boyle wird zum Käfigkämpfer

"Es war ein hartes Training, aber ich habe mich ganz gut geschlagen", sagt Daryl Boyle (links) über die Einheit mit MMA-Fighter Batobo. Foto: Red Bull

EHC-Verteidiger Daryl Boyle, dessen Bruder Derek ein Käfigkämpfer ist, trainiert mit dem MMA-Fighter Joel Batobo. In der AZ spricht er über die Session und seine Kämpfe mit dem Bruder in der Kindheit.

 

München - Daryl Boyle ist Verteidiger des EHC München und Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele 2018, sein Bruder Derek ein MMA-Fighter.

AZ: Herr Boyle, ein Eishackler auf Abwegen: Eigentlich sind Sie ja als Verteidiger des EHC Red Bull München mit Schlittschuhen und Eishockeyschläger unterwegs, jetzt haben Sie sich mal im Ring mit dem Käfigkämpfer Joel Batobo versucht.
DARYLE BOYLE: Ja, ich habe ein bisschen mit ihm trainiert, am 14. März findet ja eine MMA-Veranstaltung in der kleinen Olympiahalle statt, da hat sich das so ergeben. Es sind zwar sehr unterschiedliche, aber doch beides sehr physische Sportarten. Es war ein hartes Training, aber ich habe mich ganz gut geschlagen. Zumindest bilde ich mir das ein, er sieht's vielleicht anders. (lacht)

Der Käfigkampf ist Ihnen ja nicht ganz unbekannt, Ihr Bruder Derek ist auch ein MMA-Fighter.
Das stimmt – er kämpft unter dem Namen Derek "The Gargoyle" Boyle bis zum heutigen Tag. Er macht das jetzt eher hobbymäßig, aber immer noch sehr gerne. Ich war auch schon bei einem seiner Kämpfe mit in der Ecke. Einer seiner Betreuer ist kurzfristig ausgefallen und da bin ich eben eingesprungen.

Daryl Boyle: So ist mein Bruder Derek als MMA-Fighter

Daryl war also zur Einschüchterung dabei.
(lacht) Ich war eher der Mann, der ihm mit dem Handtuch den Schweiß abgewischt hat, wenn er das gesagt hat, und ihm Wasser gegeben hat, wenn er Wasser wollte. Tipps habe ich ihm lieber keine gegeben, da hatte der andere Betreuer sehr viel mehr Ahnung, ich hätte da nur gestört.

Und wie ist es, den eigenen Bruder, den Sie ja auch ganz anders kennen, bei so einer harten Sportart, die ja ein großes Verletzungsrisiko birgt, im Ring zu sehen?
Ich bin immer nervös, wenn er kämpft, denn natürlich macht man sich Sorgen, dass er sich verletzen könnte. Er ist zwar ein sehr guter und erfahrener Kämpfer, aber Verletzungen gehören in dem Sport noch mehr dazu als im Eishockey. Und ja, Derek ist im Ring ein anderer Mensch, da kann er schon eine richtig böse Ader haben. Ich sage es mal so: Man hat ihn lieber als Freund auf seiner Seite, als ihn als Gegner auf der anderen zu sehen.

Wie war es in Ihrer Jugend, haben Sie beide viel gekämpft? Und wer hat gewonnen?
Wie es halt unter Brüdern so läuft. Wir hatten schon so manche Auseinandersetzung, aber da er der ältere, größere und stärkere Bruder war, war es für mich eher ein In-die-Schranken-gewiesen-werden als ein echter Kampf. Da hätte ich auch nicht so gut ausgesehen.

Daryl Boyle: "Ich ziehe MMA dem Boxsport vor"

Sie sind selber auch ein Fan des Käfigkampfes?
Ja, ich finde, es ist eine faszinierende Sportart. Auch Boxen ist ein toller, intensiver Sport, das sind wirklich harte Kerle, aber im Vergleich zum MMA ist es eher eindimensional. Dort musst du so viele verschiedene Techniken und Taktiken beherrschen, etwa den Bodenkampf, der ja im Boxen keinerlei Rolle spielt. Die Vielfalt der Aktionen, der Angriffs-, aber auch Verteidigungsmöglichkeiten, ist wirklich faszinierend. Ich ziehe MMA dem Boxsport vor.

Zurück zum Eishockey. Wie sehr beschäftigt es eine Mannschaft wie den EHC, wenn der Trainer aufgrund eines Notfalls in der Familie den Verein eine gewisse Zeit verlassen muss?
Vor allem sind wir froh, dass Don Jackson wieder da ist. Wir alle wünschen ihm und seiner Familie natürlich nur das Beste. Wir alle leben für Eishockey, aber am Ende ist es doch nur ein Sport, die Familie muss immer an erster Stelle stehen, das verstehen wir alle. Aber es ist sicherlich nicht leicht, wenn der Trainer nicht da ist, wenn der Kopf des Ganzen fehlt. Aber unsere Co-Trainer haben das super abgefangen, sind nach vorne getreten, haben die Verantwortung übernommen und einen starken Job gemacht.

 

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