AZ-Interview EHC-Star Bourque: "Mein Los als Sohn einer Eishockey-Legende"

"Ich habe an irgendeinen anderen Beruf nie einen wirklichen Gedanken verschwendet", sagt EHC-Stürmer Chris Bourque. Foto: GEPA pictures/ho

Chris Bourque, Star des EHC Red Bull München, ist der Sohn der Eishockey-Legende Ray Bourque. In der AZ spricht er über seine Kindheit in NHL-Kabinen – und wer ihm zum Wechsel nach München riet.

 

München - Chris Bourque (33) wechselte zu dieser Saison zum EHC Red Bull München, der am Donnerstag (14 Uhr) in Wolfsburg ran muss. Sein Vater ist NHL-Ikone Ray Bourque.

AZ: Herr Bourque, Sie, der Sie jetzt beim EHC Red Bull München spielen, tragen einen der ikonischsten Namen des Eishockeys. Ihr Vater ist die NHL-Legende Ray Bourque, der über 1600 Spiele in der besten Liga der Welt bestritt und der punktbeste Verteidiger aller Zeiten ist. War das Segen oder Bürde für Sie?
CHRIS BOURQUE: Als Kind versteht man das lange gar nicht. Für mich war mein Vater immer nur Dad. Der hatte einen Beruf, er spielte Eishockey. Mehr war das für mich nicht. Ich habe es als völlig normal angesehen, dass ich in den Umkleidekabinen der NHL groß geworden bin, dass Eishockey-Superstars bei uns ein- und ausgingen. Irgendwann kapiert man, dass es eben nicht nur Dad ist, sondern dass Dad eine Berühmtheit ist. Gerade in einer so sportverrückten Stadt wie Boston (Ray Bourque spielte von 1979 bis 2000 für die Boston Bruins, d.Red.) wurde er überall erkannt. Jeder wollte ein Foto mit ihm, wollte sein Autogramm, wollte ihm die Hand schütteln. Das war immer Teil seines Lebens und damit unseres Lebens.

Chris Bourque: "An einen anderen Beruf habe ich nie gedacht"

Und dann entschieden Sie sich, selber auch Eishockeyspieler zu werden.
Ehrlich gesagt stand das für mich immer fest. Ich habe an einen anderen Beruf nie einen Gedanken verschwendet. Und ich hatte immer den Vorteil, dass ich eben gesehen habe, wie hart die NHL-Stars für den Erfolg arbeiten, was sie alles tun, damit sie so gut sind, wie sie sind. Ich hatte in der Beziehung das Glück auf meiner Seite und ich weiß, welches Privileg das war – und noch ist.

Trotzdem war es sicher leichter, Stürmer und nicht Verteidiger zu sein und deswegen ständig mit einem der größten Defensivspieler aller Zeiten verglichen zu werden, oder?
Das stimmt schon. Wobei ich ganz am Anfang meiner Karriere sogar Verteidiger war. Aber da ich nicht gerade der größte Kerl war, wurde ich dann zum Stürmer umfunktioniert. Damals hat man die Hünen zu Defensivspielern gemacht, die Kleinen in den Sturm gestellt.

Chris Bourque: "Mein Vater ist einer meiner besten Freunde"

Wie eng sind Sie noch mit Ihrem Vater?
Wir sind eine Familie, die sehr eng ist. Im Sommer wohnen wir gerade einmal fünf Minuten auseinander. Wir spielen sehr viel Golf zusammen und im Sommer haben wir erst ein Eishockey-Spiel zusammen bestritten. Er ist mit seinen 58 Jahren vielleicht nicht mehr der schnellste Spieler auf dem Eis, aber er ist zweifellos immer noch der klügste und beste da draußen. Ihm macht immer noch keiner was vor. Er ist ein toller Kerl und auch definitiv einer meiner besten Freunde.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an seine Karriere?
Ich denke, das war seine letzte Saison, als er mit Colorado Avalanche den Stanley-Cup gewonnen hat. Ich war damals 15 und habe einfach alles sehr viel bewusster und auch intensiver erlebt als noch als kleines Kind.

Und jetzt werden Sie von Don Jackson beim EHC trainiert, der in seiner eigenen NHL-Karriere gegen Ihren Vater gespielt hat.
(lacht) Stimmt. Die Welt ist klein und schreibt manchmal skurrile Geschichten. Mir gefällt Dons Art. Man sieht gleich, wie gut die Mannschaft trainiert ist. Als der Kontakt zu München aufkam, hatte ich keine große Vorstellung davon, was ich in München oder der DEL zu erwarten hätte. Aber ich habe einige alte Freunde angerufen, die in München unter Jackson gespielt hatten. Die haben mir nur Gutes über ihn und die Organisation erzählt. Sie hatten recht!

Chris Bourque: "Ich bin in München, weil ich Titel gewinnen will"

Wen haben Sie denn über den EHC ausgequetscht?
Keith Aucoin und Steve Pinizzotto, mit denen hatte ich in der AHL bei den Hershey Bears gespielt.

Zwei große Namen in München – Aucoin, einer der besten Spielgestalter überhaupt, und Pinizzotto, der wohl härteste Spieler der DEL-Historie.
Oh ja, ich weiß bei beiden sehr genau, zu was sie alles fähig sind (lacht).

Wie würden Sie das Erlebnis Eishockey in München bisher beschreiben?
Es macht einfach Spaß. Das Team ist stark, ist schnell, hat Talent. Wir haben so viele Möglichkeiten, wie wir den Gegner schlagen können. Es soll nicht respektlos klingen, aber mit dieser Mannschaft gibt es keine Grenzen. Die Hauptmotivation, warum ich in München unterschrieben habe, war, dass ich Titel gewinnen will. Wir haben die Mannschaft, mit der wir das erreichen können.

Chris Bourque: "Mit München habe ich die richtige Wahl getroffen"

Sehen Sie eigentlich große Unterschiede zum Eishockey in Nordamerika?
Was mir sofort positiv aufgefallen ist, welche Qualität fast alle Arenen in der DEL haben und insbesondere die Fans. Die Leidenschaft, die Intensität, die sie bringen, eröffnet dem Sport noch einmal eine andere Dimension. Der Sport in der AHL ist großartig, aber die Stimmung, die Atmosphäre, die gerade unter der regulären Saison herrscht, könnte ehrlich gesagt besser sein. Deswegen genieße ich die Zeit hier sehr. Ich fühle mich in der Liga wohl, meine Familie und ich genießen die Stadt sehr. Ich habe die richtige Entscheidung getroffen.

Wird sich Ihr Vater live vor Ort davon überzeugen?
Ende November werden meine Mom und er rüberkommen und sich das alles anschauen. Ich freue mich sehr drauf.

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