AZ-Interview EHC-Neuzugang Zach Redmond: "Jeder Tag ist ein Geschenk Gottes"

Zach Redmond wechselt zum EHC. Foto: imago images / Icon SMI

Im exklusiven AZ-Interview spricht der frühere NHL-Star Zach Redmond, der Neuzugang des EHC München, über den Wechsel, die Corona-Krise – und wie er auf dem Eis fast sein Leben verloren hat.

 

München - AZ-Interview mit Zach Redmond: Der 31-jährige frühere NHL-Verteidiger (133 Spiele) wechselt zur neuen Saison vom AHL-Klub Rochester Americans zum EHC Red Bull München in die DEL.

AZ: Herr Redmond, was macht der Neuzugang des EHC Red Bull München zur Zeit in seiner US-Heimat so
ZACH REDMOND: Ich fürchte, mein Leben ist um keinen Deut interessanter als das der meisten Menschen im Moment. Ich sitze daheim rum, schaue viel Nachrichten, trainiere, halte mich in Form. Aber ich will nicht jammern, meine Frau und ich haben vergangenen Sommer eine Tochter bekommen. Es ist wunderbar, mit ihnen Zeit zu verbringen. Insgesamt hat man aber das Gefühl, dass die Panik hier in den USA in der Corona-Krise nachlässt. Es wird zum Glück nicht mehr so blind und hamstermäßig eingekauft. Das Leben normalisiert sich. Ohne dass es schon wieder normal ist.

Warum haben Sie sich jetzt mit 31 Jahren entschieden, die Karriere in Europa, in München, fortzusetzen?
Ich bin mit dem EHC Red Bull München seit Jahren in Gesprächen, es hat aber aus verschiedenen Gründen nie geklappt. Als es sich nun konkretisiert hat, habe ich mehrfach mit Jason Jaffray gesprochen.

Redmond: "Eishockey war meine Droge"

Der seit 2015 beim EHC spielte und einer der großen Stars war, ehe er nach der Saison die Karriere beendet hat.
Wir waren im selben Team, als ich meine Karriere begonnen habe. Er war der Kapitän, ein Vorbild, ein Mann, zu dem ich immer aufgeschaut habe, der mir im Leben oft mit Rat und Tat zur Seite stand, auf dessen Wort ich mich verlassen habe, der mir auf mehr als nur eine Weise stets geholfen hat. Er hat mir nur das allerbeste über die Stadt, die Leute, den Verein erzählt. Jason ist sicher mit ein Grund, warum ich in München unterschrieben habe.

Und die anderen Gründe?
Meine Frau und ich hatten immer im Hinterkopf, dass ich mal etwas anderes ausprobiere, dass wir unseren Horizont erweitern, andere Menschen, Sitten, Kulturen kennenlernen. Irgendwann war klar, dass meine Zeit in der NHL vorbei war, dass ich eher ein Spieler war, der seine Heimat in anderen Ligen als der NHL haben würde. Aber ohne die NHL waren wir offen dafür, ein neues Kapitel zu schreiben. Jetzt also München, ich hoffe, dass bald alle Reisebeschränkungen aufgehoben werden. Wir sind total gespannt und aufgeregt, diesen Schritt zu gehen.

Erzählen Sie mal ein bisschen über sich, Sie kamen ja als Drilling zur Welt.
Stimmt. Erst jetzt, da ich Vater bin, weiß ich, was meine Eltern da aushalten mussten. Ein Kind nimmt dich schon mehr als nur in Anspruch, aber Drillinge? Ich will meinen Eltern hier gleich noch mal Danke sagen, dass sie das ausgehalten haben. Für mich war es wunderbar, ich hatte meinen besten Freund, meinen Bruder, stets um mich. Ich war nie alleine. Wenn ich Eishockey spielen wollte, war immer einer da. Unsere Schwester haben wir damals zu einem toughen, wilden Mädchen erzogen. Sie war immer dabei, war immer der Torhüter beim Eishockey. Wir haben dieses spezielle Band, wir sind immer noch extrem eng verbunden. Es ist wunderbar.

Wann haben Sie für sich entdeckt, dass Sie nicht nur Spaß am Eishockey haben, sondern dass es vielleicht Ihre Profession werden könnte?
Ich war so 13, 14. Meine Eltern haben mir nie Druck gemacht, ich hatte einfach Spaß. Ich habe jeden Moment genutzt, um zu trainieren, um auf der Garageneinfahrt zu spielen. Ich war fast süchtig danach. Eishockey war meine Droge.

Dann das erste NHL-Spiel. . .
Unvergesslich. Der Tag, an dem das, wovon du als Kind geträumt hast, was eigentlich nur Hirngespinste waren, in Erfüllung ging. Ich habe jede Sekunde in mich aufgesogen. Es sind Erinnerungen, die ich bis zu meinem Lebensende in mir tragen werde.

Zach Redmond: Horror-Unfall im Training

Ohne pathetisch klingen zu wollen, es hat nicht viel gefehlt, dass Ihr Lebensende kurz danach gekommen wäre.
Stimmt. Im gleichen Monat, es war in North Carolina, bin ich beim Training vor dem Spiel bei den Hurricanes gestürzt. Ein Teamkollege konnte nicht mehr ausweichen, fuhr über mich, hat mir dabei mit der Kufe die Oberschenkelarterie durchtrennt. Ich habe es erst nicht bemerkt, es tat nicht weh. Aber plötzlich spritzte das Blut nur so aus mir raus. Als ich so viel Blut gesehen habe, war mir klar, das ist ernst. Sehr ernst.

Ihre Teamkameraden haben Ihnen das Leben gerettet.
Das stimmt. Anthony Peluso, der einer dieser wirklich harten Kerle in der NHL war und der kein Problem damit hat, Blut zu sehen, hat mit all seiner Kraft und Masse, und er war ein großer, starker Kerl, auf die Wunde gedrückt, um genug Druck drauf aufzubauen, damit das Blut nicht weiter rausschießen kann. Und einer der Trainer hat sich sofort seiner Jacke entledigt und damit eine Aderpresse angelegt – und so den Blutfluss gestoppt. All das geschah zum Glück jeweils an den richtigen Stellen. Ein kleines Wunder. Ich müsste Peluso mal wieder anrufen. Ich schulde ihm mehr, als ich ihm jemals zurückzahlen kann.

Sie wurden mit über 200 Stichen genäht.
Das sagten die Ärzte. Ich habe aber nie nachgezählt (lacht).

Hat der Unfall Ihre Sicht aufs Leben verändert?
Auf jeden Fall. Im einen Moment bist du ein Kerl, der glaubt, dass es nichts anderes im Leben gibt als Eishockey, der einem Traum hinterherjagt. Im nächsten Moment bist du jemand, der um sein Überleben kämpft. Man hat danach eine ganz andere Perspektive aufs Leben. Was wirklich zählt, was wichtig ist. Eishockey ist wunderbar, aber das Leben ist viel schöner, viel wichtiger. Ich sehe es so: Jeder Tag, den ich lebe, an dem ich Eishockey spielen kann – denn die Ärzte waren nicht sicher, ob ich mit der Verletzung je wieder volle Funktion des Beins haben würde – , jeder dieser Tage ist...

...ein Geschenk Gottes?
Exakt, ein Geschenk Gottes. Man vergisst oder verdrängt so einen Vorfall schnell, aber ich rufe es mir immer mal wieder bewusst in Erinnerung. Damit ich nie aus den Augen verliere, was wirklich wichtig im Leben ist. Ich liebe, was ich tue, aber ich weiß, dass es viel wichtigere Dinge gibt. Nicht viel schönere, aber wichtigere.

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