AZ-Interview EHC-Ass Smaby: Wüterich und demütiger Papa

Monstercheck: EHC-Ass Matt Smaby gegen Krefelds Pietta. Foto: GEPA pictures/ho

EHC-Verteidiger Matt Smaby kassierte gegen Krefeld 52 Strafminuten. In der AZ spricht er über seinen Ausraster und das Gespräch, das er danach mit seinen Kindern hatte.

 

AZ: Herr Smaby, Ihre 52 Strafminuten in der Partie gegen die Krefeld Pinguine sind rekordverdächtig. Was war mit Ihnen, der eigentlich als sehr ausgeglichener Charakter gilt, los, dass Sie derart explodiert sind, den Schiedsrichtern die Meinung gegeigt haben?
MATT SMABY: Da kam einiges zusammen. Ich war schon vorher mit einigen Entscheidungen der Referees ganz und gar nicht einverstanden, und dann habe ich noch diese Strafe für einen Check erhalten, den ich als absolut sauber angesehen habe und immer noch so ansehe. Es erfordert sehr viel Können und harte Arbeit, um einen Check in dieser Art zu setzen. Dass ich dafür dann bestraft wurde, empfand ich als extrem unangemessen und unfair. Ich sehe mich als sehr fairen Spieler. Und ich bin ein Mensch, der über einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn verfügt. Das war schon immer so. Wenn Unrecht geschieht, dann reagiere ich. In dem Fall reagierte ich wohl ein bisschen über. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich für mich selber als Spieler und Mensch einstehen musste. Aber ich kann nicht sagen, dass ich unbedingt stolz drauf bin.

Schon mal darüber nachgedacht, was man in 52 Minuten so alles für schöne Dinge machen könnte?
(lacht) Sehr viele, sehr schöne. Aber ganz ehrlich: Die 52, das ist für mich nur eine Zahl, auch wenn es in einem Spiel mehr Strafminuten waren als die meisten Spieler in einer ganzen Saison kassieren. Aber ich habe niemanden geschlagen oder großen Schaden zugefügt. Ich habe nur meine Meinung geäußert. Das sicher sehr deutlich, aber sonst nichts. Wenn die Schiedsrichter glauben, dass das 52 Strafminuten rechtfertigt, dann ist das ihre Meinung. Ich muss ja nicht zustimmen, ich muss es nur akzeptieren. Das Wichtigste ist sowieso, dass wir gewonnen haben. Und vielleicht hat diese Situation sogar etwas das Feuer entfacht, das wir gebraucht haben.

Was hat Ihre Frau zu Ihrem Wüterich-Auftritt gesagt?
Oh, mein Gott. Ja, ich hatte das Pech, dass nicht nur meine Frau, sondern auch noch meine Kinder als Augenzeugen im Stadion waren. Sie waren ein bisschen verstört, weil sie ihren Papa so noch nie gesehen haben. Deswegen haben meine Frau und ich uns nach der Partie daheim mit unseren Kindern hingesetzt und ein klärendes Gespräch geführt. Es ging darin um Benehmen, wie man sich aufführt, wie man mit anderen Menschen umgeht, um Respekt und all die Dinge, die man als Eltern seinen Kindern mit auf dem Weg geben will. Ich kann ihnen versichern, so ein Gespräch gegenüber den Kindern, die dich mit ganz großen Augen anschauen, ist ein Erlebnis, das dich sofort Demut lehrt.

Papa als schlechtes Vorbild?
(lacht) Absolut, seitdem versuche ich jeden Tag, es gut zu machen. Ich bin eigentlich kein Hitzkopf. Ich bin sicher ein intensiver Spieler, aber dass ich meine Beherrschung derart verliere, das ist für mich dann doch sehr uncharakteristisch.

Immerhin: Der EHC hat am Ende doch noch 6:4 gewonnen. Und das, obwohl man 0:3 zurückgelegen war. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum die Red Bulls in dieser Saison immer wieder solche Comebacks hinlegen?
Nein. Auf der einen Seite ist es großartig, dass wir egal, wie es steht, immer eine Chance haben, eine Partie noch zu drehen. Auf der anderen Seite fragt man sich schon, warum wir uns in diese Bedrängnis bringen. Das ist vollkommen unnötig. Es ist nicht so, dass es Spaß macht, wenn man sich das Leben immer wieder schwieriger macht, als es sein müsste.

Ein bisschen hat man das Gefühl, der EHC schaut, wie tief das Loch sein kann, das er sich schaufelt, bis er dann irgendwann nicht mehr raus kommt.
Der Unterhaltungswert, den wir haben, die Thriller, die wir den Fans bieten, haben es in sich. Aber es ist wirklich nicht so, dass man das dauernd braucht. Ich fürchte, dass die Coaches und wir älteren und erfahreneren Spieler schon mehr graue Haare davon getragen haben, als uns recht ist.

Sie werden also auch schon zur grauen Eminenz des Eishockeys!
Absolut. Jeden Tag sehe ich in meinen Haaren den Beweis, wie nervenaufreibend wir spielen und jeden Tag werden es ein paar haarige Zeugen mehr. (lacht)

Wie muss man sich die Situation vorstellen, wenn der EHC zurückliegt: Sie sagen sich: „Pack mas“?
So ähnlich. Wir haben das Selbstvertrauen, das Wissen um die eigene Stärke. Jeder von uns älteren Spielern war in seiner Karriere bei einem Team, das in sich zusammengefallen ist, sobald sie zurücklagen. Das war so, als ob die Luft bei einem Ballon entweicht. Hier bei den Red Bulls ist es das Gegenteil: Solche Situationen scheinen bei uns Extra-Energie freizusetzen. Das ist unser Charakter.

Am Mittwoch geht es gegen Bremerhaven. Die haben den EHC im ersten Aufeinandertreffen dieser Saison besiegt.
Dass Bremerhaven eine gute Mannschaft hat, wissen wir spätestens seit unserer Heimspielniederlage. Da haben sie wirklich alles in die Waagschale geworfen, was sie haben, um uns zu besiegen. Wir sind eben der Meister, den jeder schlagen will. Inzwischen sind wir es gewohnt, dass gegen uns alle Teams eine Schippe draufpacken. Das finde ich super, denn es zwingt uns, immer alles zu geben. Für uns gibt es keine geschenkten Siege. Genau das hilft uns in Hinblick auf die Playoffs. Es macht uns nur stärker.    

 

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