AZ-Interview Die Präsidentin von Lotto Bayern über 50 Jahre Glücksspirale

Friederike Sturm ist Präsidentin der Staatlichen Lotterieverwaltung in Bayern – und spielt selbst auch gern mal. Foto: Thomas Vonier

Vor 50 Jahren wurde die Glücksspirale gegründet. Profitiert haben davon viele: Spitzensportler, Bedürftige und, klar, die Jackpot-Knacker.

 

Die Juristin Friederike Sturm war Ministerialrätin im Bayerischen Finanzministerium. Seit 2016 ist sie Präsidentin der Staatlichen Lotterieverwaltung in Bayern. Sie leitet federführend die Glücksspirale, eine Lotterie der Lotto- und Totogesellschaften der 16 Bundesländer.

Die Glücksspirale feiert Jubiläum. Friederike Sturm, die Präsidentin von Lotto Bayern, leitet die Lotterie federführend. In der AZ spricht sie über die Anfänge der Glücksspirale, über 90-Millionen-Euro-Gewinner – und sie erklärt, warum sie selbst auch spielt.

AZ: Frau Sturm, wieso wurde die Glücksspirale 1970 ins Leben gerufen?
FRIEDERIKE STURM: Sie wurde gegründet, um die Bauten für die Olympischen Spiele 1972 in München zu finanzieren. Dann kam die WM 1974 und man hat wieder Geld gebraucht. Danach hat man weiter gemacht, weil man Erfolgsprodukte nicht einfach so abschafft. Aber es war erst mal vorbei mit den Jahrhundert-Sportereignissen.

Wofür wurden die Erlöse danach verwendet?
Sozial-Lotterien wie die Glücksspirale zahlen immer auf Zwecke ein, die dem Allgemeinwohl dienen. Neben dem Sport ist das seit 1976 die Wohlfahrt. Und 1991 kam die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hinzu, nachdem es einen erheblichen Mittelbedarf in den neuen Bundesländern gab. Da mussten viele Denkmäler saniert werden.

Glücksspirale fördert Spitzen- und Breitensport

Wer entscheidet, was mit dem Geld gemacht wird, zum Beispiel beim Sport?
Wir überweisen jährlich rund 15 Millionen Euro an den Deutschen Olympischen Sportbund, und der fördert damit Projekte des Spitzen- und Breitensports. Da wird etwa das Vereinsheim finanziert oder ein Spitzenathlet bekommt eine monatliche Unterstützung. Wir mischen uns da nicht ein.

Sondern prüfen nur noch?
Ja, es wird überprüft, dass das Geld ordnungsgemäß ausgegeben und kein Ferrari für den Geschäftsführer gekauft wird.

Und Sie dürfen gar keine Schecks für die geförderten Projekte überreichen?
Manchmal werde ich bei Projekten der Denkmalpflege gefragt, ob ich dabei sein will. Aber in der Regel kriegen wir gar nicht mit, wo das Geld hinfließt. Es geht uns auch gar nichts an. Ich fahre also nicht die ganze Woche durchs Land und verteile Geld.

Aber Sie haben zumindest schon ein paar Denkmäler angesehen, die dank der Lotterie-Mittel noch stehen, oder?
Ich schaue gerade auf eines: die Paulskirche. Die wird mit Glücksspirale-Mitteln saniert, da kann ich den Fortschritt unmittelbar beobachten. In Bayern wurden auch die Bavaria und die Steinerne Brücke in Regensburg mit den Mitteln saniert. Aber es sind auch viele kleinere Denkmäler dabei, auch Denkmäler von Privatleuten. Wenn sie historische Bedeutung haben, kann man bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz auf Antrag eine Förderung erhalten.

Wie viel Prozent der Gewinne werden für gemeinnützige Zwecke verwendet?
Rund 27 Prozent. Wir behalten zirka 16 Prozent, um unsere Kosten zu decken, und wir müssen knapp 17 Prozent Lotteriesteuer abführen, so fließt Geld an den Staat. Rund 40 Prozent gehen an die Gewinner der Glücksspirale.

Einmaliger Gewinn oder monatliche Rente?

Die können sich zwischen einem einmaligen Gewinn und einer monatlichen Rente entscheiden. War die Idee dahinter, die Menschen vor sich selbst zu schützen? Schließlich kann nicht jeder Lotto-Millionär mit dem plötzlichen Reichtum umgehen.
Nein, man wollte sich eher abgrenzen von anderen Lotterien. Die meisten spielen mit, weil ihnen der Gedanke gefällt, jeden Monat 10.000 Euro zu bekommen. Aber wenn sie dann gefragt werden, ob sie das Batzerl auf einmal wollen, entscheiden sich die meisten dafür. Ich bin seit vier Jahren dabei, jedes Jahr gibt es sechs bis sieben Hauptgewinne – und nur zwei davon haben die Rente genommen. Und übrigens: Der unglückliche Lottogewinner, der sein Geld verjuxt und bei der Sozialhilfe landet – den kennen wir nicht. Die meisten verhalten sich sehr vernünftig. Wir hatten gerade beim Eurojackpot einen 90-Millionen-Gewinner, einen 25-jährigen Mann, der einen ganz vernünftigen Ansatz hatte.

Inwiefern?
Er hat im Internet gespielt und wusste schon vor uns, dass er gewonnen hat, man bekommt dann ja schnell eine Push-Nachricht. Er geht weiter in die Arbeit. Man muss sich ja erst mal sortieren und fragen: Was mache ich jetzt mit meinem Leben, wenn ich alle Möglichkeiten habe? Und er hat niemandem von seinem Gewinn erzählt. Es war sehr schlau, dass er sich leise gefreut hat.

Wieso?
Was meinen Sie, wie viele Freunde Sie auf einmal haben, wenn sie das erzählen?

Besonders Freunde mit Geldsorgen oder Geschäftsideen.
Ja, besonders solche. Wir legen größten Wert auf das Spielergeheimnis, wir geben nicht preis, wer gewonnen hat. Wenn sich einer outet, ist er selber schuld.

Wegen der Corona-Krise blicken viele in eine ungewisse Zukunft, da würde ein 90 Millionen-Gewinn ganz gut reinpassen. Spielen die Menschen gerade mehr? Oder weniger?
Das ist schwer zu sagen, eben wegen dieses 90-Millionen-Jackpots. In so einer Jackpot-Phase wird immer mehr gespielt, das übertüncht einen eventuellen Corona-Effekt. Aber fest steht: Viele Annahmestellen mussten vorübergehend schließen, beim Vertrieb gab es Einbußen. Viele Spielteilnehmer sind auf Mehrwochen-Scheine ausgewichen, um nicht so oft in die Annahmestelle gehen zu müssen, und andere haben im Internet gespielt.

Verschwörungstheorien und Lotterie-Ziehungen

Apropos Internet: Das hat bekanntlich einen Nährboden für Verschwörungstheorien geschaffen. Müssen Sie jetzt mehr dafür tun, um Zweifel zu zerstreuen, dass es bei den Ziehungen mit rechten Dingen zugeht?
Da sind ein Urkundsbeamter, ein erster Ziehungsleiter und dessen Stellvertreter dabei. Gefilmt wird das Ganze auch. Und es ist öffentlich, da können Sie kommen und zuschauen – nur jetzt in Corona-Zeiten nicht. Aber danach möchte ich jeden Verschwörungstheoretiker einladen, bei uns an der Theresienhöhe vorbeizukommen, um seine Theorie zu überprüfen.

Die Glücksspirale ist auch dank der früheren Fernsehsendungen sehr bekannt. Wie ist Ihre erste persönliche Erinnerung an die Glücksspirale?
Ich fand sie schon immer toll. Es gibt nämlich immer zwei Gewinner: einen, der gewinnt, und die Allgemeinheit, die über ein Viertel der Einnahmen bekommt. Und wir verkaufen auch bei der Glücksspirale den Traum vom Großgewinn. Das Schöne am Spielen ist ja, bis zur Ziehung der Gewinnzahlen zu träumen.

Aber am Samstag endet der Traum meistens.
Ich habe am letzten Samstag immerhin 22 Euro im Lotto 6 aus 49 gewonnen.

Sie dürfen spielen?
In unseren neun bayerischen Spielbanken nicht, aber bei den Lotterien schon. Man muss ja die eigenen Produkte ausprobieren. Und man muss auch mal den Verlust empfinden, wenn man nicht gewinnt.

Aber es wäre doch eine heikle Geschichte, wenn Sie 90 Millionen gewinnen würden, oder?
Die Gewinnzahlen werden in Helsinki gezogen, auch dort gibt es überhaupt keine Einflussmöglichkeiten. Aber ich würde mich an unsere eigenen Spielregeln halten: Ich würde schauen, dass es nicht jeder weiß.

Und was würden Sie mit den 90 Millionen machen?
Ich würde auf jeden Fall nicht alles behalten. 90 Millionen wären mir einfach eine Nummer zu groß, mit so viel Geld will ich nicht auf Dauer umgehen. Ich würde mir etwas Karitatives überlegen, mir würde sicher etwas einfallen. Aber diesmal hat’s halt nicht geklappt mit den 90 Millionen.

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