AZ-Interview Deutschlands Eishockey-Team in der Sturmphase

Das DEB-Team gewann unter Neu-Bundestrainer Marco Sturm den Deutschland-Cup. Foto: Rauchensteiner/Augenklick/AZ

Eishockey-Legende Hegen spricht exklusiv in der AZ über den Sieg beim Deutschland-Cup, den neuen Bundestrainer und die Kritik an Cortina.

 

München - AZ: Herr Hegen, wie hat Ihnen, der deutschen Eishockey-Legende, das Auftreten der Nationalmannschaft beim Deutschland-Cup gefallen, den das DEB-Team gleich gewonnen hat? Es waren ja die ersten Spiele unter dem neuen Bundestrainer Marco Sturm.

DIDI HEGEN: Das Spiel gegen die Schweiz war noch ein bisschen schwer einzuordnen, aber was dann gegen die Slowakei und die Amis abgeliefert wurde, das war schon richtig, richtig gut. Das hat man so schon länger nicht gesehen.

Es herrscht große Euphorie um Sturm, der für den glücklosen Pat Cortina geholt wurde.

Ja, aber mir gefällt nicht, wie das Ganze gehandhabt wird. Sturm wird in die höchsten Wolken gelobt, und man hat das Gefühl, man wünscht Cortina die Krätze an den Hals. Man sollte den Anstand haben und nicht dauernd nachtreten. Fakt ist: Wir haben in Deutschland 25, 30 Spieler, die internationales Niveau haben. Die Hälfte von denen hat Cortina bei der letzten WM abgesagt. Wenn das Sturm im nächsten Jahr passiert, hat er die gleichen Probleme. Es ist ja nicht so, dass wir vom einen Tag zum anderen so viel besseres Eishockey spielen, nur weil wir einen anderen Bundestrainer haben. Da sind jetzt Sätze gefallen, die mir gar nicht passen.

Verbands-Boss Franz Reindl meinte, wenn Marco Sturm anruft, dann hebt jeder ab.

Was soll das heißen? Glaubt irgendeiner, dass aufgelegt wurde, wenn Cortina angerufen hat? Und wenn ja, warum hat man Cortina damit im Regen stehenlassen? Das muss man sich beim Verband schon fragen. Wenn nun Spieler sagen, wie stolz sie plötzlich sind, dass sie den Bundesadler auf der Brust tragen, frage ich mich schon, was mit denen nicht stimmt. Den Stolz, sein Land vertreten zu dürfen, sollte man immer haben. Das darf nicht davon abhängen, ob jetzt mit Marco einer der erfolgreichsten deutschen Spieler aller Zeiten der Bundestrainer ist. Wenn man mir den Stolz erst beibringen muss, läuft bei mir als Spieler was falsch. Ganz falsch. Leider wurde in der Euphorie um Sturm auch die unterste Schublade gegen Cortina aufgemacht. Oder nehmen Sie die Stimmungsdebatte.

Aus Spielerkreisen war zu hören, wie toll die Stimmung im Team plötzlich ist.

Genau. Aber dafür haben auch die Spieler selber zu sorgen. Wenn sie das davor nicht hingekriegt haben, sollten sie die Schuld bei sich selber suchen. Wie gesagt, es ist mir zuwider, dass Cortina öffentlich so mit Schmutz beworfen wird. Da machen es sich sehr viele sehr einfach. Cortinas Ära ist vorbei, jetzt hat Marcos begonnen. Dabei sollten wir es belassen.

Was halten Sie von Sturm als Coach? Er hat ja keinerlei Trainererfahrung bisher, wurde zudem auch noch als General Manager installiert.

Das ist mir alles zu amerikanisiert. Er ist der Bundestrainer, damit hat es sich. Die Spieler werden nicht anders reagieren, egal, ob er sich mit Bundestrainer oder mit General Manager meldet. Dass Marco ein ausgewiesener Fachmann ist, dass er Eishockey lebt, ist außer Frage. Was ich bisher gesehen habe, finde ich toll. Und wir haben ein paar große Talente. Etwa Dominik Kahun vom EHC Red Bull München. Von dem bin ich begeistert, der hat eine goldene Zukunft vor sich. Aber das liegt jetzt nicht daran, dass unsere Nachwuchsausbildung plötzlich so gut ist. Das ist sie nämlich nicht. Der Kahun ist halt eine Ausnahme, wie es sie alle paar Jahre gibt.

Unter Sturm wird jetzt auch wieder deutsch in der Kabine gesprochen.

Das finde ich gut und richtig, aber ich will nicht, dass mir das als Kritik an Cortina ausgelegt wird. Ich habe in meiner Laufbahn viele Bundestrainer erlebt. Manche sprachen deutsch, andere nicht. Entscheidend ist ausschließlich die Arbeit, nicht die Sprache.


Zu Didi Hegen

Die Eishockey-Ikone (53) war sieben Mal deutscher Meister, bestritt 106 Länderspiele. Der zweitbeste Torjäger nach Erich Kühnhackl ist seit 2010 Mitglied der Hall of Fame.

 

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